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Stolze Bürgermeisterin: Dr. Brigitte Kössinger zeichnete Claudia von Maltitz (l.) und Jutta Jechts stellvertretend für die Helferkreise in Gauting mit der Bürgermedaille der Würmtalgemeinde aus.

Bürgermedaille

Zwei Frauen der ersten Stunde

Gauting - Sie waren da, als die ersten Flüchtlinge in der Würmtalgemeinde ankamen. Seit drei Jahren stehen Jutta Jecht und Claudia von Maltitz den Hilfesuchenden zur Seite und sorgen für sozialen Frieden in Gauting. Das gab es nun die höchste Auszeichnung der Gemeinde.

Diese Bürgermedaillen-Feier für Jutta Jecht und Claudia von Maltitz hatte den Rang einer Klinge-Kultur-Preis-Verleihung. Mit einer Schumann-Fantasie eröffneten Pianistin Halina Bertram und Cellistin Gisela Auspurg den Festakt mit bereits flüssig Deutsch sprechenden Flüchtlingen. Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger dankte den beiden Damen vom Helferkreis Asyl für ihr großes Engagement.

„Wir sind stolz darauf“, lobte die Rathauschefin Jutta Jecht und Claudia von Maltitz – stellvertretend für 400 Helfer. Im Publikum saßen nicht nur die beiden Alt-Bürgermeister Brigitte Servatius, Dr. Ekkehard Knobloch sowie Vize Dr. Jürgen Sklarek, sondern auch frühere Medaillenträger, wie die 1992 geehrte Jugoslawienkriegs-Flüchtlingshelferin Erika Geipel oder Ex-Feuerwehr-Kommandant Sebastian Grill, Seite an Seite mit festlich gekleideten Asylbewerbern. Nur an der dunklen Hautfarbe des kongolesischen Sängers Eli Tschibango, makellos im schwarzen Anzug mit weißem Hemd, oder manchem Kopftuch war zu erkennen, dass es keine Einheimischen sind. Hilfe aus der Situation heraus hatten Jutta Jecht und Claudia von Maltitz diesen Menschen geboten, erinnerte die Bürgermeisterin.

Als die ersten Flüchtlinge im Hochsommer 2013 nach Gauting kamen, krempelten die pensionierte Grundschullehrerin Jutta Jecht und die Sozialpädagogin Claudia von Maltitz mit Freiwilligen die Ärmel hoch: Mangels Raum unterrichteten sie Deutsch zunächst im Garten der ersten Flüchtlingsunterkunft an der Ammerseestraße. „Gautings Helferteams sind stark im Improvisieren“, freute sich die Rathauschefin. Mit Händen und Füßen habe Jutta Jecht auch den Deutschunterricht für afghanische Familien in der Ende 2015 eröffneten Stockdorfer Unterkunft federführend übernommen.

Dass es in Gauting zwischen Moslems, Christen, Frauen und Männern, keine Probleme gibt, sei dem Helferkreis Asyl zu verdanken. Als Ansprechpartner – auch für die Nachbarschaft – sorgten die oft abwertend als „Gutmenschen“ dargestellten 400 Helfer in Gauting für den sozialen Frieden.

„Dieses positive Klima wollen wir erhalten. Denn wir sollten nie vergessen, welche Verzweiflung diese Menschen auf dem langen Weg zu uns hinter sich gelassen haben. Ich kenne keinen, der Flüchtlinge begleitet – und Angst hat.“ Mit herzlichen Worten appellierte Claudia von Maltitz an die Hilfsbereitschaft der Einheimischen. „Wir sind bereichernd für einander“, in diesem Sinne wünschte sich Maltitz ein offenes Begegnen.

„Unsere ganze Gruppe ist heute hier“, freute sich Jutta Jecht über die Lernerfolge. Flüchtlinge aus der 2013 eröffneten Erst-Unterkunft an der Ammerseestraße gaben Kostproben. „Am Anfang war hier alles anders, die Sprache, die Menschen“, erzählt Mohammad. Ohne den Deutschunterricht der Ehrenamtlichen hätte er keinen Job. Der Familienvater ist heue fest angestellter Schneider. „Du schaffst das“, hatte ihn Jutta Jecht stets ermuntert, dankte auch Julius. Nun habe er als einziger Schwarzafrikaner im zweiten Anlauf eine Pflegerausbildung absolviert. Eigentlich fand sie Deutsch „hässlich“, gestand Sausan. Deshalb habe sie nur Englisch gesprochen, so die hübsche junge Frau mit Kopftuch. Inzwischen habe sie bereits das C1-Level in Deutsch erreicht. „Im Wintersemester studiere ich Deutsch als Fremdsprache“, sagt die Arabisch-Übersetzerin.

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