Umleitung Gauting Sommer 2021
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So wird‘s: Die Umleitungsstrecken in Gauting.

Bauarbeiten mitten in Gauting

Was die Sperrung der Bahnhofstraße bedeutet

Gauting stehen einige anstrengende Wochen bevor, wenn die Bahnhofstraße vor der Sontowski-Baustelle wegen Kanalarbeiten gesperrt wird. Die Umleitung gilt vielen als zu eng, zumal es dort auch eine Baustelle gibt. Die Arbeiten sollen kommende Woche beginnen.

Gauting – Wie während der Sperrung der Bahnhofstraße in Gauting umgeleitet wird, ist bekannt, wann aber noch nicht. Der Grund dafür: Das Landratsamt hat die nötige verkehrsrechtliche Anordnung noch nicht verfügt. Start ist am kommenden Montag, 12. Juli. Einzelhändler und Radfahrer fürchten die Sperrung, die wohl zu erheblichen Behinderungen und Staus führen wird.

Was wird gebaut?

Die Sperrungsankündigung kam für viele völlig überraschend – für die Gemeinde der Anlass allerdings auch. Dass noch Arbeiten in diesem Bereich nötig sein würden, war absehbar. Auf der Liste der Arbeiten stehen Kanalarbeiten bis in sechs Meter Tiefe, die Straßenentwässerung sowie der Ausbau vom Teilstück der Ammerseestraße (ab Hausnummer 2 Richtung Bahnhofstraße), der Erschließungsstraße des Sontowski-Komplexes („Karls“) an die Ammerseestraße, der Ausbau der Kreuzung Bahnhof-/Ammerseestraße, der Einmündung der Hubert-Deschler-Straße in die Bahnhofstraße, ein Ausbau im Bereich Bahnhofplatz 8 und 9 sowie der Ausbau und Anbindung Kreuzungsbereich Bahnhofstraße/Bahnhofplatz/Rafael-Katz-Straße. Zudem werden Schächte angeglichen und Ampeln errichtet.

Problem dabei: Anders als im Plan vermerkt, verliefen sämtliche Versorgungsleitungen, die sogenannten Sparten, an den Anschlüssen von Bahnhofplatz und Hubert-Deschler-Straße und teilweise genau in der Mitte der Straße. Der Ausbau der Bahnhofstraße inklusive Gehweg mache einen Bodenaustausch erforderlich, erklärte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger dieser Tage im Gemeinderat. Denn: Die Straße sei lediglich auf einen Kies-Unterbau asphaltiert, mehr nicht, was aber ebenfalls in diesem Ausmaß unbekannt war. Laut Rathaus ist der Baugrund so schlecht, dass er sich unter Last verformt – die Straße könnte später schnell Rillen bilden, absacken oder etwas in der Art. Die Arbeiten sollen am 12. Juli beginnen und bis zum Ende der Sommerferien andauern. Die Sperrung ändert sich nach vier Wochen.

Warum wird gebaut?

Der Ausbau der Bahnhofstraße steht in direktem Zusammenhang mit der Entstehung des Quartiers „Karls“. „Mit dem bestandsorientierten Um- beziehungsweise Ausbau unter Berücksichtigung der entsprechenden Verkehrsbedürfnisse erhält die Gemeinde Gauting die Chance, das charakteristische Orts- und Landschaftsbild herzustellen, die Eigenart und das Leben ihres Gemeinwesens in einem günstigen Umfeld eigenverantwortlich fortzuentwickeln sowie Voraussetzungen für die weitere Entwicklung und Sicherung der Wohnsiedlungstätigkeit zu schaffen“, erklärte Sprecher Röming.

Mancher wunderte sich bei den Unwettern der vergangenen Wochen, dass die Unterführung zum Pippinplatz sechsmal vollgelaufen ist – was sie sonst bei Gewittern nicht zu tun pflegt. Eine Verbindung zu den Arbeiten 170 Meter weiter bestehe nicht, heißt es aus dem Rathaus. Die starken Unwetter müssten „als außergewöhnliche Ereignisse“ angesehen werden, erklärte Röming. Grundsätzlich seien und würden Straßenentwässerungseinrichtungen so dimensioniert, dass „das anfallende Niederschlagswasser der gemeindlichen Straßen entsprechend abgeleitet werden kann“. Basis dafür seien die durchschnittlichen Regenereignisse der jeweils vorangegangen Jahre. Bei Niederschlagsereignissen von den Ausmaßen wie zuletzt könne es zu Versickerungsverzögerungen bis hin zur „Rückstaubildung“ kommen. Bei den jährlichen Straßen- und Entwässerungsunterhaltsarbeiten „werden im Rahmen der Möglichkeiten und Gefahrenabwehr sowie entsprechend ihren Prioritäten auch kontinuierlich Maßnahmen zur Verbesserung der Niederschlagswasserbeseitigung ergriffen“. Kurz gesagt lässt sich daraus schließen: Die Unterführung ist in Ordnung, der Regen war nur zu stark.

Wie wird umgeleitet?

Hauptplatz Richtung Pippinplatz: In den ersten vier Wochen ist die Bahnhofstraße in Richtung Bahnhof zwischen Bergstraße und Bahnhof blockiert. Die Umleitung verläuft über die Berg- und die Jägerstraße bis zu deren Einmündung in den Bahnhofplatz an der Ecke zur Hubertusstraße (vor der Post). Ordnungsamtsleiter Dr. Michael Groth hat beim Landratsamt eine Ampel bewirkt, die bereits steht. Berg- und Jägerstraße werden Einbahnstraßen, dort gilt ein komplettes Halteverbot.

Problem: Es gibt eine Baustelle an der Bergstraße, die in jüngerer Zeit durch Bau-Lkw für Behinderungen gesorgt hat. Bei der Prüfung der Umleitungsstrecke war das der Gemeinde nicht bekannt, wie Sprecher Röming erklärt. Aber: „Es besteht dort tatsächlich eine Hausbaustelle. Die Inanspruchnahme öffentlichen Verkehrsraumes für die Baustelle war bis jetzt nicht genehmigt. Eine Genehmigung zur Inanspruchnahme öffentlicher Verkehrsflächen, die im Widerspruch zu der notwendigen Umleitung steht, kann nicht erteilt werden.“ Heißt: Unter Umständen muss dieser Bau warten, zumindest bekommt er keinen Platz auf der Straße für Kran, Fahrzeuge oder dergleichen.

Pippinplatz Richtung Hauptplatz: Der Verkehr wird weiterhin vor dem Bahnhof auf die Raphael-Katz-Straße ausgeleitet, fließt über die Ammerseestraße bis zu deren Einmündung in die Bahnhofstraße, die dort in Richtung Hauptplatz Einbahnstraße ist. Auf Raphael-Katz- und weiten Teilen der Ammerseestraße kann der Verkehr in beiden Richtungen fließen, ebenso auf dem nicht von der Sperrung betroffenen Teil des Bahnhofplatzes. Daher ist es möglich, vom Pippinplatz zur Ammerseestraße und zurückzufahren, ohne groß umgeleitet zu werden. Die Ammerseestraße ist nur im östlichsten Teil (ab Grundschule bis Einmündung Bahnhofstraße) Einbahnstraße.

Nach etwa vier Wochen Bauzeit wird sich das ändern, also etwa Mitte August: Dann ist der westliche Teil der Bahnhofstraße soweit fertig, dass der Verkehr auf der bergab gesehen rechten Spur wieder Richtung Hauptplatz rollen kann. Die Einmündung der Ammersee- in die Bahnhofstraße wird dann umgebaut und ist deswegen gesperrt; die Ammerseestraße wird zwangsläufig Sackgasse.

Fußgänger können auf ausgewiesenen Wegen die Baustelle passieren, es gibt drei Überwege. Für Radfahrer ist es nicht ganz so einfach. Gemeinderat Jens Rindermann (Grüne) wünschte sich in der jüngsten Sitzung zumindest für den Radverkehr bergab Richtung Ortskern „eine Erleichterung“. Der derzeit schmale Gehsteig an der oberen Bahnhofstraße sei dafür laut Kreisbehörde schlichtweg zu schmal, erklärte die Bürgermeisterin. Radler dürften ab Bahnhof bis Ende Hubert-Deschler-Straße fahren, müssten dann ein kurzes Stück absteigen, schieben und könnten dann nach der Ampel an der Bahnhofstraße vollends bergab fahren.

Was fürchten die Geschäftsleute?

Im Gemeinderat wurde deutlich, welche Folgen die Sperrung haben könnte. Gewerbeverbandschef Harald Ruhbaum hatte mit Geschäftsleuten gesprochen, berichtete er. Ein betroffener, verzweifelter Ladeninhaber habe wegen der Komplettsperrung „feuchte Augen“ bekommen. Ob die Gemeinde denn nicht wenigstens einen Teilbereich öffnen könne, fragte MiFü-Vertreter Ruhbaum die Bürgermeisterin. An dem verschmälerten Abschnitt ohne Stellplätze im Baustellenbereich „waren die letzten Monate schon nicht ganz leicht“, sagte der Vorsitzende von „Zusammen für Gauting“ (ZfG), der für die betroffenen Geschäfte während der Sperrung schwarz sieht. „Dann haben wir ein schönes neues Sontowski-Gebäude, aber keine Einzelhändler mehr.“

„Ich verstehe Ihr Anliegen“, antwortete Kössinger in der Sitzung. Bei einem Ortstermin mit dem Landratsamt sei keine andere Lösung gefunden worden. Für die Einzelhändler wie den Naturkostladen, den Döner-Imbiss, die Parfümerie, den Schreibwarenhändler oder den Geschenkeladen ändere sich ja nichts. Die habe man auch bisher nur zu Fuß oder mit geschobenem Fahrrad über den schmalen Gehweg erreichen können. Auch Stellplätze direkt vor den Geschäften gab es in der bisherigen Bauphase nicht, erinnerte Kössinger.

Welche Folgen hat die Sperrung für die Busse?

Das halten sich in Grenzen. Die Regionalbuslinien 936, 949, 965, 966, 968 und X910 sollen in der Zeit ab Montag, 12. Juli, und bis zunächst 1. August vom Gautinger Ortszentrum kommend über die Berg- und Jägerstraße zum Bahnhof umgeleitet werden, also über die reguläre Umleitung. Die von Westen kommenden Regionalbuslinien 949 und X910 werden über die Unterbrunner Straße und den Pippinplatz zum Bahnhof geführt, so die Planung des Landkreises.

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