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Was gehört in ein Gautinger Gesamtverkehrskonzept? Dr. Ralf Kaulen erläuterte die Grundlagen.

Verkehr

Gauting stellt Mobilitätskonzept vor

Gauting - Bei der Präsentation des Entwurfs für ein Gesamtmobilitätskonzept mit etwa 100 Bürgern im Bosco-Saal prallten die Gegensätze aufeinander.

Hier die Befürworter der freien, ungebremsten Autofahrt. Da die Schützer der Radler, Fußgänger, Schulkinder – und der Lebensqualität von 21 000 Gautingern. Bei der Präsentation des Entwurfs für ein Gesamtmobilitätskonzept mit etwa 100 Bürgern im Bosco-Saal prallten die Gegensätze aufeinander.

„Echte Wahlfreiheit, wie man sich am Ort bewegt“: Nach dem Gerichtsentscheid zum Tempolimit im Ort (wir berichteten) hat der Gautinger Gemeinderat das verlangte Gesamtverkehrskonzept in Auftrag gegeben. Daran erinnerte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger zu Beginn der Versammlung. Anregungen der Bürger werden mit aufgenommen. Im Rathausfoyer steht bereits eine Wunsch-Box. Auch per E-Mail (dialog@gauting.de) oder per Post können Bürger ihre Vorschläge schicken.

Bei der Präsentation am Montagabend im Bosco erläuterte Dr. Ralf Kaulen vom gleichnamigen Verkehrsplanungsbüro vorläufige Ergebnisse: Ziel seien unter anderem rechtssichere Tempo-30-Schilder. Ein Problem: Überdurchschnittlich hoch im Großraum München ist der Anteil des hausgemachten Verkehrs – auch in Gauting. Kaulen berief sich auf die Haushaltsbefragung von Professor Harald Kurzak aus dem Jahr 2011. Demnach fahren 54 Prozent der Gautinger im eigenen Auto durch den Hauptort. Nur 6,9 Prozent würden radeln. Und nur zehn Prozent gingen zu Fuß oder nutzten zu 10,5 Prozent das stetig verbesserte MVV-Angebot mit kürzeren Bustakten. Mit täglich 14 000 Kfz auf der Bahnhof-, 12 700 Kfz auf der Starnberger und 19 000 Autos auf der Münchener Straße sei der motorisierte Verkehr im Herzen der Gemeinde viel zu hoch. Abgesehen vom großen Tarifsprung ab Planegg biete die S-Bahn mit 20-Minuten-Takt indes gute Bedingungen, sagte der Verkehrsplaner.

Priorität habe die Schulwegsicherheit von Kindern. „Höchste Radlerfrequenz“ habe die Strecke zum Schul-Campus. Mit Fotos dokumentierte Kaulen den Handlungsbedarf: Auf der Ammersee-, Bahnhof-, Planegger und Münchener Straße mit Tempo 50 fehlten die inzwischen vorgeschriebenen Radschutzstreifen. Auch bei komfortablen Radständern oder überdachten Bushaltestellen, zum Beispiel in Stockdorf, gebe es Nachholbedarf.

Wegen der hohen Autodichte häuften sich Unfälle mit Fußgängern, weil für sie gesicherte Überwege fehlten. Denn nur wer sich sicher fühle, gehe zu Fuß. 70 Prozent des Kfz-Verkehrs sind Kurzstrecken vom Bahnhof zum unteren Zentrum. Zusammen mit den Bürgern, dem Rat, aber auch den zuständigen Behörden erarbeite er ein Mobilitätsangebot, „wo die Gautinger gerne radeln und zu Fuß gehen“, sagte der Verkehrsplaner: „Mit maximal 30 km/h schützen Sie das Leben der Bürger.“ Denn wenn ein Auto den Fußgänger mit Tempo 50 erfasse, sinke die Überlebenschance auf 30 Prozent.

„Keine Denkverbote“, sagte Kaulen und forderte die Bürger zum Mitmachen auf – auch beim Umstieg aufs Fahrrad: „Denken Sie an unsere Kinder: Was Hänschen nicht lernt…“ Am 8. Mai wird das Endergebnis des Mobilitätskonzepts samt Bürgeranregungen präsentiert.

Christine Cless-Wesle

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