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Gesellige Stunden gab es auch auf der AWO-Weihnachtsfeier in Gauting im vergangenen Jahr.

Arbeiterwohlfahrt in Gauting

Seniorentreff: Schafkopfspieler gesucht

Gauting –Viele Besucher des Gautinger Seniorentreffs müssen jeden Cent mehrmals umdrehen. Die Zusammenkunft im Treff ist aber stets gesellig - dafür werden auch noch Schafkopfspieler gesucht.  

Mit Tannenzweigen geschmückt sind die gedeckten Kaffeetische im Kellerraum des Gautinger Seniorentreffs der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Etwa 40 Teilnehmer, darunter kaum Männer, lauschen dem Streichertrio. Miriam Reißmüller, Christine Gießzer (Violinen) und Wilfried Tettweiler (Cello) spielen bekannte Weihnachtslieder. Den Seniorinnen, die für die Nikolausfeier feine helle Blusen angezogen haben, sieht man nicht an, mit wie wenig Einkommen sie im wohlhabenden Gauting über die Runden kommen müssen. Da ist zum Beispiel Anna Kirmaier (85). „Zum Leben habe ich 600 Euro“, erzählt die Witwe – nach Abzug der Miete.

„Lasst uns froh und munter sein“, intonieren die Musiker. Doch die Seniorinnen, die an den Tischen plaudern, stimmen nur zögerlich und verhalten ein. Gauting, einer der teuersten Orte dieser Republik, beherberge auch „arme Leute“, sagt Vize-Bürgermeister Dr. Jürgen Sklarek (SPD). Aber auch diese Bürger hätten das Recht, in der „liebenswerten“ Würmtalgemeinde zu leben. Umso wichtiger sei es, dass es mit den Ausschüttungen an weniger Betuchte im kommenden Jahr wieder klappt, wirbt Sklarek um Spenden für die Haerlinsche Sozialstiftung. Der Chirurg geht mit gutem Beispiel voran: Mit einer Kabarett-Aufführung in der Asklepios-Klinik spielte Sklarek 1000 Euro ein. „Dieses Mal für die AWO“, sagt der Kommunalpolitiker. Der Gautinger Seniorentreff kann die Zuwendung sehr gut gebrauchen, dankt AWO-Vorsitzender Günter Meier. 

Gautinger Seniorentreff sucht dringend Männer für Schafkopfen

Zur regelmäßigen Kaffeetafel kommen Kraillinger und Gautinger in den Treff. Einen Wunsch hat Günter Meier für den von seiner Vorgängerin Sieglinde Förster gegründeten Gautinger Seniorentreff. „Wir bauchen noch Männer für Schafkopfen“, sagt der 73-Jährige. An den Donnerstagen, 12. und 26. Januar, jeweils ab 13.30 Uhr, ist die nächste Gelegenheit zum Kaffeetrinken und Schafkopfen.

Anna Kirmaier ist seit 25 Jahren alleinstehend. Sie muss jeden Cent umdrehen. „Gesundheitlich geht es mir noch sehr gut. Ich bin gut zu Fuß“, betont die 85-Jährige. Gesellschaftlich ausgeschlossen fühle sie sich nicht, sagt die ehemalige Löterin und Reinigungskraft. In Starnberg lebt ihre Tochter mit Schwiegersohn und Enkelin. „Meine Leute kümmern sich um mich – und sind sofort da“, freut sich die Rentnerin. Mit der Familie ihrer Tochter verbringt Anna Kirmaier nicht nur alljährlich ein verlängertes Wochenende in Italien, sondern auch Heiligabend.

Weniger Glück hat eine „Zuagroaßte“ aus dem Bayerischen Wald. Die 88-jährige Gautingerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist mit dem Gehwagerl bei der Nikolausfeier. Von 1100 Euro Rente gehen 700 Euro für die Miete weg, erzählt die Seniorin, die zwei Söhne groß gezogen hat. Doch zur Gautinger Tafel geht sie nicht: „Da geniere ich mich.“ Denn: „Es gibt noch Ärmere als mich.“ 

Von Christine Cless-Wesle

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