Hauptverkehrsader der Römer vom 1. bis zum 4. Jahrhundert: Archäologe Stefan Mühlemeier zeigt den Verlauf der alten Römerstraße in Gauting Süd. Als er 2010 bei den weißen Häusern im Hintergrund den Aushub untersuchte, hatte er schon den Verdacht, dass sich dort die lang gesuchte Trasse befindet. Jetzt hat er den Beweis. Foto: Stefan Schuhbauer-von Jena

Endlich gefunden: Gautings alte Römerstraße

Gauting - Auf dem Baugrund der Asylhalle an der Leutstettener Straße in Gauting ist die alte Römerstraße aufgetaucht. Jetzt ist klar: Die Römer überquerten die Würm in Gauting Süd.

Archäologe Stefan Mühlemeier hatte schon lange den Verdacht, dass die alte Römerstraße in Gauting Süd verlief. Jetzt hat er auf dem Grundstück an der Leutstettener Straße, wo der Landkreis eine Asylbewerberunterkunft errichten wird (wir berichteten), Relikte dieser alten, lange gesuchten Straße freigelegt. Die historische Fernverbindung vom römisch-keltischen Kernort Bratanium führte demnach in Gauting Süd über die Würm. Am Buchendorfer Berg traf sie dann schräg auf die große Römertrasse Augsburg-Salzburg. „Es war eine Art Autobahn-Knotenpunkt der Antike“, so der Archäologe.

Landrat Karl Roth und Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger waren bereits an der Grabung. Mühlemeier hat an der Leutstettener Straße den Verlauf der ursprünglichen Römertrasse dokumentiert. Lange hatten die Archäologen gerätselt, an welcher Stelle die Römer einst die Würm überquerten. Das Zentrum des römisch-keltischen Bratananium liegt nämlich im heutigen Badviertel in Gauting Süd - etwa 500 Meter entfernt von der Trasse Augsburg-Salzburg an der Hauptplatzbrücke. Als 2010 die neuen Häuser Am Wiesenhang unterhalb des Buchendorfer Bergs gebaut wurden, hatte Mühlemeier schon Reste der älteren südlicheren Trasse freigelegt - und der Unteren Denkmalschutzbehörde einen Grabungsbericht übergeben. Deshalb beauftragte das Landratsamt nun den erfahrenen Archäologen mit der aktuellen Grabung auf dem Grundstück an der Leutstettener Straße.

Nach dem ersten Aushub fand Mühlemeier prompt weitere Überreste der früheren Römerstraße. Der schräge Verlauf durch die Felder bis zur heutigen Buchendorfer Straße ist am dunkleren Aushub noch klar erkennbar. Links und rechts vom gekiesten, aufgeschütteten, sieben Meter breiten Damm befanden sich einst aufgeschüttete Straßengräben. Dort entdeckte Holzpfosten stammten möglicherweise sogar aus der Keltenzeit, sagt Mühlemeier.

In einer Grube fand Mühlemeier den mächtigen Knochen eines Rinds. Anhand der entdeckten römischen Gewandspangen, den so genannten Fibeln kann der Archäologe diese Straße auch datieren. Schon Am Wiesenhang fanden sich zwei Bronze-Fibeln, eine aus dem frühen 1. Jahrhundert, die andere von Anfang des 4. Jahrhunderts. So lange hat diese Trasse, die über das antike Autobahnkreuz am Buchendorfer Berg zur Keltenschanze führte und von dort weiter über die Isar, existiert. Im Aushub Leutstettener Straße fand Mühlemeier jetzt eine weitere Fibel aus dem 2. Jahrhundert.

Beim Steg am katholischen Kindergarten traf die antike Fernverbindung einst beim römischen Tonkruglager auf die heutige Reismühler Straße im Kernort von Bratanium. Vom Badviertel führte die Strecke bei der Reismühle weiter Richtung Königswiesen und traf dort auf die Gautinger Römerstraße zum Bodensee. „Anfang des Jahres wurde auch bei Perchting“ ein Stück Römerstraße freigelegt, sagt Mühlemeier.

Christine Cless-Wesle

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