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Unternehmer Tobias Schmid vor seiner Baustelle in Gauting. Hier sollen bis zum Frühjahr 18 Wohnungen entstehen.

Hier baut der Chef für die Angestellten

Gautinger Firmeninhaber will Personal mit Traum-Mieten locken

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Weil der Gautinger Unternehmer Tobias Schmid aufgrund der hohen Mieten in München Schwierigkeiten hat Personal zu finden, schafft er jetzt selbst bezahlbaren Wohnraum für seine Mitarbeiter.

Gauting - Gute Mitarbeiter anlocken – in München und dem Umland ist das für Arbeitgeber oft nicht so einfach. „Die Mieten sind hier so hoch, dass es sich Facharbeiter genau überlegen, ob sie herziehen wollen“, sagt Tobias Schmid, Inhaber einer Firma für Alarmanlagen und Sicherheitstechnik im Süden von München. Denn: Selbst, wenn sie hier ein gutes Gehalt bekommen, bleibt ihnen in anderen Teilen Deutschlands mehr Geld übrig. Dort sind zwar die Gehälter in der Regel geringer, aber auch die Mietpreise liegen deutlich unter dem Münchner Durchschnitt

So hoch soll der Mietpreis der Wohnungen sein

„Wir haben 50 Mitarbeiter und könnten sofort zehn weitere einstellen“, sagt Schmid. Der 44-Jährige sucht gut ausgebildete Kommunikationstechniker. „Ich habe schon öfters festgestellt, dass Bewerber ein Problem damit haben, die Mieten hier zu finanzieren.“ Deshalb entschied die Firma in Stockdorf bei Gauting im Jahr 2017, statt der geplanten Betriebserweiterung auf dem Grundstück neben der Firma 18 Wohnungen zu bauen. Der Mietpreis soll bei zehn Euro pro Quadratmeter liegen! Der Freistaat Bayern fördert die Schaffung günstigen Wohnraums. Private Bauherren, die sich zu geringen Mieten verpflichten, können günstige Darlehen nach dem Modell der sogenannten einkommensorientierten Förderung (EOF) bekommen. Diese EOF-Wohnungen darf der Vermieter nur an Mieter vergeben, die bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten und einen Wohnberechtigungsschein besitzen (siehe Text unten). 

18 EOF-Wohnungen ab Frühjar 2019

Die Schmid Alarm GmbH baut nun 18 EOF-Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern in Stockdorf an der Gautinger Straße 55 unweit der Firma. Bezugsfertig sollen sie im kommenden Frühjahr sein. Die Förderzusage der Regierung von Oberbayern kam im vergangenen Herbst, doch erst kürzlich flossen die ersten Gelder. „Mit diesem Finanzierungsengpass von mehr als einem halben Jahr, den wir außerplanmäßig überbrücken mussten, hatten wir nicht gerechnet“, sagt Alarmanlagenbauer Schmid. Dennoch sei er zufrieden–und guter Dinge, dass die Wohnungen planmäßig fertig werden. Einige sind noch zu haben–am liebsten würde Schmid sie an neue Mitarbeiter vergeben. 

Warum keine Betriebswohnungen?

Warum er dann keine Werks-beziehungsweise Betriebswohnungen baut? Weil das aus steuerlicher und unternehmerischer Sicht nicht attraktiv sei, begründet Schmidseine Entscheidung. Mit dieser Einschätzung steht er nicht alleine da. Heute gibt es weit weniger Betriebswohnungen als vor 40 Jahren. Nach Schätzung des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) gab es Ende der 1970er-Jahre bundesweit etwa 450 000 Werkswohnungen. Die Mehrzahl wurde an private Wohnungsbaugesellschaften verkauft. Der GdW fordert deshalb, steuerliche Anreize für Unternehmen zu schaffen und Mitarbeiterwohnungen in die soziale Wohnraumförderung aufzunehmen. Da dies bislang nicht geschieht, gehen manche Unternehmer einfach andere Wege, um günstigen Wohnraum zu schaffen. „Irgendwas müssen wir ja machen, und wenn ich mit den EOF-Wohnungen dann auch noch ein paar gute neue Mitarbeiter finde – umso besser“, sagt Tobias Schmid.

So läuft die einkommensorientierte Förderung

Bei der einkommensorientierten Förderung (EOF) hilft der Staat auf zweierlei Weise: Der Bauherr bekommt günstige Baukredite, verpflichtet sich im Gegenzug zu einer günstigen Miete. Und der Mieter bekommt einen Mietzuschuss. Wer in eine EOF-Wohnung ziehen will, braucht einen Wohnberechtigungsschein. Das EOF-Modell unterscheidet sich grundlegend von dem der günstigen Betriebswohnung. Die klassische Betriebswohnung hat im Vergleich zu früher stark an Bedeutung verloren. In München hat auch die hohe Durchschnittsmiete Anteil daran. Denn bekommt ein Arbeitnehmer von seinem Chef eine günstige Wohnung, muss er den Betrag, den die Miete unter der Mietspiegelmiete liegt, wie Lohn versteuern. 

Grundsätzlich gilt: Je teurer die Lage, desto höher der zu versteuernde geldwerte Vorteil. Der Mieterverein München fordert, in den Mietspiegel nicht nur die Mieten einfließen zu lassen, die in den vergangenen vier Jahren neu vereinbart wurden, sondern auch die Bestandsmieten. Dann wäre die ortsübliche Miete nach dem Mietspiegel niedriger, und es würde sich für Arbeitgeber auch in teuren Städten wie München eher lohnen, an ihre Mitarbeiter günstig zu vermieten, sagt Volker Rastätter, Geschäftsführer des Münchner Mietervereins. „Statt den Mietspiegel weiter in die Höhe schießen zu lassen, sollten wir das Problem entschärfen.“

Noch mehr zum Thema Miet-Irrsinn in München: Jetzt kosten Stellplätze zum Teil so viel wie anderswo eine Wohnung. Um den wachsenden ­Wahnsinn zu stoppen, denkt Oberbürgermeister Dieter Reiter (60, SPD) jetzt über einen sogenannten Bürgerfonds nach – ein Konzept, mit dessen Hilfe die Münchner ihre Stadt zurückkaufen sollen. 

Susanne Sasse

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