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Schöner Wohnen: Krankenschwester Sarah Temmler bereitet ein Zimmer in der Residence vor.
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Entspannte Nähe: Während die kleine Pia selig auf der Brust ihrer Mama Hanna schlummert, erklärt Dr. Michael Mair dem Vater Dominik Seidel die Vorteile des sogenannten „Känguruings“.
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Drei von 23: Die Hebammen Dagmar Wießler, Karin Gruber und Margret Stumpf in einem der Kreißsäle.
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Professor Christoph Anthuber ist seit Jahren Chefarzt in der Geburtsklinik in Starnberg. Für ihn ist der große Erfolg vor allem eine Teamleistung.

Geburtsklinik Starnberg

Die Rettung ist nur eine Tür weiter

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Weit über 2600 Geburten wurden im vergangenen Jahr in Starnberg gezählt. Warum ist die Starnberger Klinik so populär? Ursachenforschung vor Ort.

Starnberg – Pia schlummert zufrieden. In diesem Moment ist das alles, was zählt. Sie kuschelt sich auf die Brust ihrer Mutter Hanna Seidel, es ist warm, weich, gemütlich. Vater Dominik sitzt neben der bequemen Liege und betrachtet liebevoll seine beiden Damen. Bald ist er dran. Dann wird er sein Shirt ausziehen, die kleine Pia auf seine Brust legen, in eine warme Decke eingekuschelt, damit sie nicht friert. Friedlich und schön.

Man mag kaum glauben, dass man sich auf einer Intensivstation befindet. Die kleine Pia, erst seit einem Tag auf der Welt, hat noch ein paar Schwierigkeiten, selbstständig zu atmen, sagt Dr, Michael Mair, Oberarzt auf der NIPS, der Neugeborenen-Intensivstation im Starnberger Krankenhaus. Deswegen verbringt sie ihre ersten Tage sicherheitshalber auf der NIPS. Das bedeutet allerdings nicht, dass die süße kleine Maus deswegen von ihren Eltern getrennt wird.

Känguruing für Frühgeborene

Ganz im Gegenteil: „Wir setzen ganz bewusst die Känguruing-Methode ein, bei der Frühgeborene auf die nackte Brust ihrer Eltern gelegt werden“, erklärt Dr. Mair. Ganz offensichtlich mit Erfolg. Pia schlummert immer noch selig, obwohl die Geräte piepsen und die Kamera blitzt.

Die Neugeborenen-Intensivstation ist die einzige Abteilung in der Geburtsklinik, in der man die Technik, die heutzutage nötig ist, um eine bestmögliche Versorgung zu garantieren, auf den ersten Blick sehen kann.

Ganz anders hingegen die fünf Kreißsäle. Wobei das Wort „Saal“ einen völlig falschen Eindruck erweckt. Die Zimmer sind recht klein, neben einem Bett findet sich hier auch immer eine Badewanne. Technik sieht man keine. Sie ist da, aber nicht sichtbar. Dafür überrascht die Farbgebung. Ein tiefes, ins bräunliche gehendes Rot an den Wänden taucht den gesamten Raum auch an einem sonnigen Tag in ein Dämmerlicht. „Das Hebammenteam, das maßgeblich bei der Innenausstattung der Geburtenstation mitgewirkt hat, suchte die Farbe aus. Sie soll Geborgenheit schaffen – zur Urzeiten zogen sich die Frauen zum Entbinden auch in die Höhle zurück“, sagt Dr. Thomas Weiler, Geschäftsführer des Klinikums Starnberg.

Mehr als 2600 Geburten im Jahr

Privatsphäre und eine möglichst individuelle Betreuung seien immens wichtig, bestätigt auch die leitende Hebamme Karin Gruber. Daher gilt: „Sobald die Wehen beginnen, kommt die Frau in ihren Kreißsaal, die Hebamme ist bei ihr und die Tür ist zu.“ Mehr als 2600 Geburten werden pro Jahr in der Starnberger Geburtsklinik gezählt. Aber die Mütter bekommen davon kaum etwas mit.

„In der Debatte um den Fortbestand der Geburtenhilfe in Bad Tölz wurde das Klinikum Starnberg immer wieder als ,Geburtsfabrik‘ bezeichnet. Das hat uns sehr getroffen. Weil es schlicht und ergreifend nicht stimmt“, sagt der Chefarzt der Geburtshilfe, Prof. Dr. Christoph Anthuber. Ja, es gebe viele Geburten in Starnberg. Aber das sei ein Beleg dafür, dass hier erfolgreich gearbeitet wird und die Patienten sich wohlfühlen: „Die Weiterempfehlungen und die Mund-zu-Mund-Propaganda sind für uns wichtiger als eine aufwändig gestaltete Internetseite“, sagt er.

Orientiert an den  Wünschen der Mütter

Doch was spielt für angehende Eltern die entscheidende Rolle bei der Entscheidung für eine bestimmte Geburtenklinik? Ja, das Essen in Starnberg ist in Ordnung. Wenn denn endlich das Parkdeck gebaut wird, dann bekommt man auch sein Auto ordentlich abgestellt. „Aber das Entscheidende ist eine offene Beratung, die sich an den Wünschen der Mütter orientiert“, so Prof. Anthuber. Er verspricht: „Jede Frau sagt und bekommt, wenn irgend möglich, was sie will.“

Dazu kommt, dass in Starnberg niemand abgelehnt wird. Auch an Tagen, an denen Hochbetrieb herrscht. Münchener Kliniken würden immer wieder Frauen wegschicken. „So lange ich hier Chef bin, lehnen wir niemanden ab“, sagt Anthuber. Sicher könne es vorkommen, dass man ausnahmsweise im Wehenzimmer entbinden muss, wenn alle Kreißsäle belegt sind, „aber das ist immer noch tausendmal besser als auf der Straße.“

Neugeborenen-Intensivstation gleich nebenan

Was neben der privaten Atmosphäre und der individuellen Betreuung für viele Eltern den Ausschlag pro Starnberg gibt, ist die Sicherheit, erklärt er weiter. Sollten doch einmal Komplikationen auftreten, ist alles vor Ort, nur wenige Meter entfernt. Vom Kreißsaal sind es nur ein paar Schritte bis in den Sektio-OP. „Bei Notkaiserschnitten soll die Entbindung spätestens nach 20 Minuten erfolgen – wir schaffen es in der Regel deutlich unter zehn Minuten“, sagt Prof. Anthuber.

Sollte mit dem Kind doch etwas sein, dann sind es nur ein paar Schritte weiter bis zur Neugeborenen-Intensivstation mit sechs Beatmungsstationen und zwölf weiteren regulären Plätzen. Rund um die Uhr sind hier Ärzte vor Ort, nachts ständig Fachärzte in Rufbereitschaft.

Technisch und personell gerüstet

Kein Wunder, dass nahezu alle Risikoschwangerschaften aus der Umgegend in Starnberg entbunden werden. Dazu gehören auch Frühgeburten, so die 29. Schwangerschaftswoche überschritten ist und das Kind schwerer als 1000 Gramm ist. „Für die Fälle, in denen diese Kriterien nicht erfüllt sind, haben wir eine Kooperation mit dem Klinikum in Großhadern“, berichtet der Chefarzt. Dann würden die Mütter – so irgend möglich – noch vor der Entbindung zu den Münchener Spezialisten transportiert. Für alle anderen Fälle sind die Starnberger technisch und personell gerüstet. Rund 25 Ärzte und 23 Beleg-Hebammen sind in Starnberg tätig. Probleme, Mitarbeiter zu finden, kennt Prof. Dr. Christoph Anthuber nicht. Ganz im Gegenteil: Immer wieder landen Initiativbewerbungen von Ärzten auf seinem Schreibtisch. Kein Wunder, bieten die Starnberger doch alles an, was man für seine fünfjährige Facharztausbildung braucht. Von der Schwerpunktausbildung, die sich noch einmal daran anschließt, können in Starnberg 24 der insgesamt 36 nötigen Monate absolviert werden. „Das ist für die jungen Leute ein hochattraktives Angebot“, ist sich Anthuber sicher.

Sternehotel auf dem Klinikgelände

Neben all der Technik und dem hervorragenden medizinischen Personal ist es aber auch die Residence, die viele Patienten nach Starnberg lockt. Dabei handelt es sich de facto um ein Sternehotel mitten auf dem Klinikgelände. Wer mag, kann sich hier ein Einzelzimmer mieten, in dem auch der frischgebackene Vater übernachten kann. Inklusive aller nötigen Pflegeleistungen, mit eigenem Bad, Flachbildfernseher und Blick ins Grüne, mit Buffets und Tischen im sonnendurchfluteten Innenhof, Sauna und Fitnessstudio. Und das für Patienten mit Einbettzimmer-Versicherung ohne Aufpreis. Die Angehörigen zahlen pauschal 120 Euro pro Nacht. „Das leisten sich viele gern“, berichtet Anthuber.

Der kleinen Pia und ihren Eltern sind auf der Neugeborenen-Intensivstation freilich Flachbildfernseher und Fitnessgeräte gerade vollkommen egal. Pia merkt, wie das Herz ihrer Mutter schlägt, diese spürt, wie die Kleine atmet, während sie selig schlummert. „Freunde haben uns empfohlen, nach Starnberg zu gehen“, sagt Papa Dominik Seidel und lobt die Versorgung und das intime Klima in Starnberg. Nur eine von über 2600 Geburten, die Jahr für Jahr im Geburtsklinikum stattfinden. Und doch genauso besonders wie jede einzelne Geburt.

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