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Gegen das Vergessen

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Andechs - „Christen und Nationalsozialismus“ lautet der Titel des fünften Bandes der Edition Andechs vom Freundeskreis Kloster Andechs, der die Auseinandersetzung der Kirche mit der Nazizeit beleuchtet.

„Die Ereignisse der letzten Wochen haben uns Recht gegeben, dass wir nach wie vor aufgerufen sind, uns mit der Zeit des Nationalsozialismus kritisch auseinander zu setzen“, so Rupert Graf Strachwitz, bis vor kurzem Vorsitzender des Freundeskreises Kloster Andechs. „Christen und Nationalsozialismus“ lautet der Titel des fünften Bandes der Edition Andechs vom Freundeskreis Kloster Andechs, der die „problembehaftete Auseinandersetzung“ der Kirche mit der Nazizeit beleuchtet.

„Es gab Gewissensnöte und Qualen“, so der Herausgeber Rupert Graf Strachwitz, der mit diesem Band, wie er im Vorwort schreibt, „die Mahnungen an die Nachgeborenen nicht verstummen lassen“ und zugleich „der historischen Wahrheit zu ihrem Recht verhelfen“ wollte. Versammelt sind wissenschaftliche Texte namhafter Persönlichkeiten. Der Historiker Winfried Becker, lange Jahre an der Universiät Passau tätig, und Thomas Brechenmacher von der Universität Potsdam sowie der Theologe Georg Denzler, dessen Hauptforschungsgebiet die Geschichte des Papsttums ist, konnten für den Band gewonnen werden, indem sie ihre in Andechs gehaltenen Referate zu diesem Thema teils überarbeitet zur Verfügung stellten.

Von besonderem Interesse dürfte aber auch der lokalpolitische Aspekt sein, den Altabt Odilo Lechner und Archivarin Brigitta Klemenz beleuchten. Sie widmen sich der Abtei St. Bonifaz und Andechs im Dritten Reich. Da die Akten mehr als spärlich sind, zogen die Autoren auch Tagebucheinträge und Lebenserinnerungen von Padres heran, die noch unveröffentlicht sind. Dennoch blieb es bei „wenigen Splittern“.

So ist es Hans Scholl zu verdanken, dass ein Teil der Stiftsbibliothek von St. Bonifaz gerettet werden konnte. Er schleppte zusammen mit seinem Freund Alexander Schmorell wertvolle Werke und Lexika im Rucksack in das Haus von Schmorells Vater in Harlaching und versteckte die Bücher dort. Es war, so wird ein Pater im Buch zitiert, „der Dummheit der Nazi-Gestapo zu verdanken“, dass diese Bücher bei der Hausdurchsuchung nicht entdeckt wurden. Später wurden die Bände nach Andechs in die leere Mälzerei gebracht. Insgesamt 25 000 Bücher konnten gerettet werden, der spätere Grundstock beim Neuaufbau der Bibliothek. Der Rest des Bestandes verbrannte am 10. März 1943 bei einem Bombenangriff.

Das knapp 150 Seiten zählende Buch befasst sich darüber hinaus mit der Rolle der beiden Päpste Pius XI. und XII. Es sind die ersten Ergebnisse des erst seit einigen Jahren möglichen Zugriffs auf die Quellen im Vatikan.

„Christen und Nationalsozialismus“ ist im P.Kirchheim-Verlag in der „Edition Andechs“ erschienen und kostet 14,95 Euro.

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