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Entfernter Adel: Krimi-Autor und Kriminalkommissar Jörg Ziemer aus Duisburg nennt sich Georg von Andechs. Den Titel hat er geschenkt bekommen.

Gekaufter Titel

Herr von Andechs aus dem Ruhrgebiet

Andechs – Georg von Andechs: Unter diesem Namen schreibt ein Autor aus dem Ruhrgebiet Krimis. Freunde des Klosters Andechs wundern sich: Mit dem Grafengeschlecht hat er überhaupt nichts zu tun.

Da ist Dr. Toni Aigner recht erstaunt. „Georg von Andechs“ – von einem Krimiautor dieses Namens hatte der frühere stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises Kloster Andechs bisher noch nichts gehört. Als wir ihm davon berichten, informiert er gleich den Ehrenvorsitzenden des Freundeskreises, Rupert Graf Strachwitz, davon – und der ist nicht minder überrascht. Unter dem Pseudonym Georg von Andechs aber veröffentlicht ein Duisburger Kriminalkommissar sogar Bücher. Jörg Ziemer heißt der Mann mit richtigem Namen. Seine Frau und seine Mutter haben ihm den Adeltstitel vor Jahren zum Geburtstag geschenkt, erzählt er auf Nachfrage. 

Adelstitel werden tatsächlich zu Hauf angepriesen. Auf einer Internetseite namens adelstitel-kaufen.com wird auch nach wie vor der „Graf von Andechs“ angeboten – für 79,90 Euro. Eine zweite Urkunde für den Partner ist für gerade mal 5 Euro zu haben. „Eigenartig, dass es für so etwas einen Markt gibt“, kommentiert Graf Strachwitz. Für ihn ist das illegal und ärgerlich. Der Handel mit Adelstiteln ist umstritten, aber offenbar rechtlich nicht unbedingt angreifbar (lesen Sie dazu „Dürfen Nichtadelige Adelstitel führen?“). 

Anfrage unserer Zeitung bringt den Autoren auf eine neue Idee mit Andechs

Es sei wohl das Glück des Duisburgers, meint Graf Strachwitz, dass es keine „echte“ Familie Andechs mehr gebe. Seit dem Jahr 1248 sind die Grafen von Andechs nach Angaben von Aigner ausgestorben. Nun gibt es aber wieder einen, wenn auch nur „inoffiziell“. Mit Andechs verbindet Ziemer allerdings kaum mehr als der Name. „Das sind Ruhrkrimis“, sagt der 55-Jährige über seine Romane. Der neueste heißt „Mitten im Revier“. Einen Krimi über Andechs zu schreiben, würde er sich eher nicht zutrauen, gesteht er. In dieser Gegend kenne er sich nicht so gut aus. Unsere Anfrage hat ihn dann aber offenbar doch auf eine Idee gebracht: Er könne sich schon vorstellen, dass seine Hauptfigur Klaus Heppner, seines Zeichens Kommissar in der Duisburger Mordkommission, mal seinen Urlaub in Andechs verbringen könnte – „oder auch sein Erfinder Jörg Ziemer“. 

Vielleicht schon diesen Herbst. Einmal war er schon auf dem Heiligen Berg, vor Jahren mit dem Duisburger Polizeichor. Seitdem liebt er Haxn und Weißbier. Dass er sich mal so nennen würde, hätte er sich damals wohl kaum träumen lassen. Aigner fühlt sich bei all dem an die Geschichte eines Juden erinnert, der von König Ludwig I. den Titel „Graf von Andechs“ haben wollte. Der habe das abgelehnt, erzählt er und fügt schmunzelnd hinzu, was der Monarch noch gesagt haben soll: Der Bittsteller könne sich allenfalls „Graf von Podex“ nennen.

Von Lorenz Goslich

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