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Die Idylle in Tutzing ist trügerisch.

Aus dem Gerichtssaal

Wanner und der Friede auf Erden

Tutzing/München – Zwischen dem ehemaligen Bürgermeister Dr. Stephan Wanner und der Gemeinde Tutzing wird es keinen Weihnachtsfrieden geben.

Am Freitag trafen sich beide Seiten vor dem Landgericht München II. Die Gemeinde hat Wanner auf Unterlassung verklagt. Damit dürfte der Jurist nicht mehr behaupten, dass die Kommunalpolitiker im Zusammenspiel mit der Kommunalaufsicht des Landratsamtes ein Komplott gegen ihn geschmiedet hätten, um seine Wiederwahl zu verhindern. Stein des Anstoßes war der Rechnungs-Prüfungsbericht 2010. Ihm war angeblich zu entnehmen, dass Wanner Gelder der Gemeinde-Rechtsschutz-Versicherung erhalten und veruntreut habe. Dagegen verwehrte sich der Jurist vehement. Die Vorwürfe seien allesamt haltlos. Im Folgenden soll er halb Tutzing wegen der aus seiner Sicht falschen Behauptungen rebellisch gemacht haben. Der Gemeinderat sah sich mit einer Reihe von ehrenrührigen Vorwürfen überzogen. Erfolglose Strafanzeigen folgten. Daraufhin verklagte der Gemeinderat den Ex-Bürgermeister auf Unterlassung. Der Vorsitzende Richter Jürgen Krusche tat sich schwer, den kompletten Aktenwust zu überschauen, meinte aber: „Ich sehe das als internen Streit an. Mir fehlt die Substanz, das reicht nicht.“ Er versuchte, beiden Seiten einen Vergleich abzuringen. Daraufhin erklärte Wanner: „Klagerücknahme ist mein Vorschlag.“ Doch dafür hatte die Gegenseite kein Verständnis. Nun startete der Richter einen letzten Appell an die Streithähne: „Wie soll denn Frieden auf Erden entstehen, wenn schon normale Menschen einen Richter brauchen?“ Die Gemeinderäte verzogen keine Miene. Geradezu gebetsmühlenartig wiesen sie auf ihre verletzte Ehre hin, auf Wanners Verleumdungskampagne, der dem Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses gar Verfolgungswahn vorgeworfen haben soll. Irgendwann wurden den Kommunalpolitikern die Diffamierungen zu viel. „Das können wir uns nicht bieten lassen“, lautete die Devise, mit der man vor das Zivilgericht zog. Im März 2016 will Richter Krusche entscheiden, wie es weitergehen soll.

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