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Wohnraum an traditionsreicher Stelle: Auf dem hinteren Teil des „Andechser Hof“-Geländes sollen Wohnungen gebaut werden.

Traditionsgasthaus in Tutzing

Die Zukunft des "Andechser Hofes"

Tutzing - Der Tutzinger Gemeinderat ebnet einer Neubelebung der Gaststätte „Andechser Hof“ den Weg. Das Kloster stellte am Dienstagabend einen Studie vor – und rannte offene Türen ein.

Für den seit 2012 leer stehenden „Andechser Hof“ in Tutzing ist offenbar ein Investor gefunden, der bereit ist, den historischen Teil der Traditionsgaststätte mit Saal und Biergarten zu erhalten. Zugleich soll der hintere Teil des L-förmigen Gebäudes abgerissen werden und Platz machen für Wohnbebauung. Laut einer Studie, die am Dienstag im Gemeinderat vorgestellt wurde, sind Reihenhäuser zur Hallberger Allee hin vorgesehen. Die Rede ist von „Dreispänner und Vierspänner“ mit einem Ober- und Dachgeschoss. Durch Untertunnelung des 2900 Quadratmeter fassenden Areals, das dem Kloster Andechs gehört, soll zudem eine Tiefgarage entstehen.

Der kaufmännische Leiter des Klosters, Christian Rieger, sagte bei der Vorstellung der Pläne: „Wir sind sehr froh, dass sich eine Lösung abzeichnet – der Käufer des Grundstücks ist tatsächlich willens, das Bestandsgebäude samt Biergarten zu erhalten.“ Dies sei stets auch das Ziel des Klosters gewesen, betonte Rieger, „wir wollen mithelfen, dass sich das Andechser Gefühl wieder einstellt.“

Das Kloster hatte laut Bürgermeister Rudolf Krug ein Jahr lang Gespräche geführt, darunter auch mit einem Geschäftsmann, zu welchem die Gemeinde Tutzing den Kontakt hergestellt habe. „Es ist zwar noch nicht ganz in trockenen Tüchern, aber der Investor traut es sich zu, das Bestandsgebäude zu erhalten – vielleicht ist dies die letzte Chance, den ,Andechser Hof‘ wieder zu beleben“, so Krug. Rieger ergänzte, man habe seitens des Klosters „keine Kaufpreismaximierung betrieben“ und sei „dem Investor entgegengekommen“ – die „auch für uns“ (Rieger) Ortsbild prägende Gaststätte solle als Außenstelle des Klosters auch für Tagungszwecke genutzt werden können. Als „natürliche Synergie mit den Veranstaltungen“ würden im Obergeschoß des Gasthofs mit der „Kernsanierung“ auch wieder Fremdenzimmer an-geboten. „Zusammen mit der Sanierung ist das schon der Wahnsinn“, so Rieger. 2015 hatte das Kloster allein den Sanierungsbedarf auf rund sechs Millionen Euro geschätzt.

Gemeinderat zufrieden

Im Gemeinderat kamen die neuen Nachrichten von Kloster-Seite sehr gut an: „Respekt, ich freu’ mich“, sagte Thomas Parstorfer (CSU) quasi stellvertretend für die Stimmung im Plenum, „Bittschriften, Anträge, Lichterketten, sogar Kontakte bis hin zu stellvertretenden Ministerpräsidenten Ilse Aigner“ habe man bemüht, um für die Erhaltung des „Andechser Hof“ zu kämpfen, so Parstorfer: „Das Schweigen des Klosters war schon brutal.“ Wolfgang Marchner (Bürger für Tutzing) pochte sogleich darauf, den Saal für Bürgerversammlungen zu sichern. Bürgermeister Krug unterstrich, dass „maßvolle Bebauung ohne nennenswerte Baurechtsmehrung“ entstehe, die man als „Dritter im Bunde“ mittragen und planerisch begleiten wolle. Krug nach der einstimmigen Billigung des Bebauungsplanentwurfs: „Stelle fest, dass der Gemeinderat einhellig hinter dem Projekt steht.“ Auch das Kloster („reife Leistung“) und die Tutzinger Bevölkerung vergaß der Rathauschef nicht, für ihr Engagement zu loben: „Die Bürger warten sehnsüchtig auf einen Bürgersaal.“ In einem städtebaulichen Vertrag soll nunmehr die Nutzung fortgeschrieben werden, der Teilbebauungsplan 4 „Ortszentrum“ wird nochmals geteilt, damit das Projekt „Andechser Hof“ (Teil „4.1“) möglichst ungestört von der übrigen Ortszentrumsgestaltung vorangehen kann.

„2016 wird nur Planungsjahr sein“, sagte Krug. Soll wohl heißen: Ab 2017 geht’s mit den (Um-)Baumaßnahmen los.

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