Im Gemischtwarenladen hat's gefunkt

Hechendorf - Im Gemischtwarenladen trafen sich Katharina und Franz Müller nach dem Zweiten Weltkrieg das erste Mal. Am 28. April 1946 läuteten die Hochzeitsglocken.

Von einem Granatsplitter war Franz Müller im Zweiten Weltkrieg an der Front im Kaukasus getroffen worden, er kam in ein Lazarett in Berchtesgaden. Als die Amerikaner kamen, hieß es: „Jeder, der noch gehen kann, soll weg.“ Und so schleppte sich Müller auf Krücken von Berchtesgaden nach Taching am See, etwa 60 Kilometer weit. Dort lebten seine Eltern und seine Schwester, die wegen des Krieges von München aufs Land gezogen waren. Was Franz Müller nicht wusste, war, dass er dort noch jemand anderen finden sollte: Katharina. Ihre Eltern besaßen eine Bäckerei und einen Gemischtwarenladen in Taching. Franz wollte Zigaretten kaufen gehen. So trafen sich die beiden zum ersten Mal, am 28. April 1946 heirateten sie.

Später zog das Ehepaar nach Hechendorf und Franz führte den Familienbetrieb in München weiter - eine Graveurwerkstatt. Die blühte in Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders auf. Dafür, dass Franz Müller seine Lehrlinge so erfolgreich ausbildete, erhielt er sogar das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Bis Ende 1995 war Müller noch jeden Tag in dem Betrieb an der Pariser Straße in München, den er da schon vor einer Weile an seinen Sohn übergeben hatte. Doch dann erlitt Katharina Müller einen Schlaganfall, dem eine halbseitige Lähmung folgte. Von einem Tag auf den anderen gab Franz Müller die Arbeit, die er so liebte, auf. „Er hat meine Mutter Tag und Nacht gepflegt“, erinnert sich Monika, die jüngste Tochter des Hechendorfer Ehepaars. „Baden, Essen kochen, den Haushalt, er hat alles gemacht.“

Der erste schwere Schlag hatte das Ehepaar schon 1983 getroffen, als die älteste Tochter der drei Kinder an Krebs starb. Im Oktober vergangenen Jahres folgte der nächste: Franz Müller stürzte und brach sich die Hüfte. Die Reha blieb erfolglos. Franz, der bis dahin noch Auto gefahren war, ist nun auf den Rollstuhl angewiesen. Seine Frau Katharina lebt jetzt im Seniorenheim, weil sie sich nicht an die Haushaltshilfe gewöhnen konnte. Sie selbst war eine „Hausfrau par excellence“ gewesen, erinnert sich Tochter Monika, die noch immer von ihrer Mutter gestrickte Kleidungsstücke besitzt und auch trägt.

Seit 60 Jahren sind Katharina und Franz Müller nun schon verheiratet, am Donnerstag feierten sie ihre Eiserne Hochzeit, Monika brachte ihrer Mutter Blumen ans Bett.

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