Aus dem Gerichtssaal

Betrügerin neppt Makler und Eigentümer

Obwohl schon lange privatinsolvent, hat eine Garchingerin ohne Geld die Villa Pschorr in Feldafing gekauft. Nun stand sie vor dem Richter.

Feldafing – Hochstapeln will gelernt sein: Im Mai 2015 kaufte eine völlig mittellose Garchingerin die 3,3 Millionen Euro teure Villa Pschorr in Feldafing. Zunächst gelang es der alleinerziehenden Mutter mühelos, sowohl den Makler als auch den Villeneigentümer zu täuschen. Erst als der siebenstellige Zahlbetrag ausblieb, flog der Schwindel auf. Jetzt musste sich die 57-Jährige wegen gemeinschaftlichen Betruges in besonders schwerem Fall vor dem Starnberger Schöffengericht verantworten.

Mitangeklagt war ihr 26-jähriger Sohn, der seine Mutter bei verschiedenen Besichtigungsterminen begleitet hatte. „Das war eine Übersprungshandlung, die man nicht nachvollziehbar erklären kann“, so der Verteidiger der fünffachen Mutter, die bereits im Juli 2014 Privatinsolvenz anmelden musste.

Auch die Angeklagte blieb dem Gericht bis zuletzt eine schlüssige Erklärung für den kostspieligen Nonsens schuldig. Umso eloquenter hatte sich die Frau bei den Verhandlungsgesprächen zum Kauf des denkmalgeschützen Anwesens präsentiert. Hier erklärte sie mehrfach, sie habe nach dem Unfalltod ihres Mannes eine größere Versicherungssumme erhalten und sei zudem solvente Erbin ihres kürzlich verstorbenen Vaters. Unmissverständlich soll die bisher unbescholtene Garchingerin deutlich gemacht habe, dass ihr Barvermögen sich auf satte sechs Millionen Euro belaufe. Für den Makler offenbar Grund genug, weder Schufa noch sonstige Nachweise zu verlangen.

Auch gab sich die gelernte Krankenschwester als Ärztin aus. „Sie hat sich so gut dargestellt, dass mir eigentlich nie Zweifel gekommen sind“, so der 77-jährige Villeneigentümer. Tatsächlich muss die 57-Jährige mit ihren fünf Kindern seit Jahren jeden Pfennig umdrehen, war niemals verheiratet und hat von ihrem verstorbenen Vater lediglich 1500 Euro geerbt. Den Notartermin brachte die Frau noch erfolgreich hinter sich. Auch beauftragte die Frührentnerin ein Architekturbüro damit, ein weiteres Haus für ihren Sohn auf dem Villengrundstück zu planen.

Die Angeklagte konnte allerdings weder die Kosten des Architekturbüros noch die Maklerprovision bezahlen. Ärgerlich auch, dass der Villeneigentümer seinen kurzfristig gekündigten Mietern eine Entschädigung von 50 000 Euro zahlen musste. Glück hatten die Angeklagten, die letztendlich nie in die Villa einzogen, dennoch. Obwohl die Staatsanwältin Mutter und Sohn für drei Jahre ins Gefängnis schicken wollte, fiel das Urteil von Richterin Brigitte Braun milde aus. Die Betrügerin bekam zwei Jahre auf Bewährung. Ihr Sohn, der bis zuletzt sein Mitwissen leugnete, kam mit zehn Monaten davon. Beide müssen zudem 100 Sozialstunden ableisten.

Nilda Höhlein

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