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Wunderschöner Blick: 42 Hektar Land umfassen das Gestüt.

Gestüt Isarland

Ein bayerischer Krimi

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Starnberg – Noch immer ist unklar, wer das Gestüt Isarland kaufen darf. Der Streit liegt beim OLG. Einer der beiden Interessenten betreibt das Gut – und erhebt schwere Vorwürfe.

Neben „Huerfano X“ ist nur eine Ziege zu sehen. Der schwarze Hengst steht ansonsten alleine auf dem Innenhof von Gestüt Isarland. Es dürfte noch einige Zeit dauern, ehe das 14-jährige ehemalige Grand-Prix-Pferd aus Andalusien auf den insgesamt 42 Hektar Artgenossen begrüßen kann. 

Rothenfußer sagt: Nebenbieter und Landsiedlung ließen Beziehungen spielen

Wer Isarland in Zukunft betreiben darf, ist nämlich seit mehr als drei Jahren unklar. Das Gestüt wurde von der Stadt München für 3,2 Millionen Euro an Familie Rothenfußer verkauft. Dann aber meldete sich die BBV Landsiedlung GmbH und reklamierte aufgrund des Reichssiedlungsgesetztes aus 1919 ein Vorkaufsrecht für seine Landwirte. Mit Andreas Wunderlich gebe es einen Landwirt, der Bedarf für Aufstockung seiner Flächen habe, argumentierte die GmbH – und bekam damit von Landratsamt und Landwirtschaftskammer Recht. Unter anderem, weil Käufer Dr. Walter Rothenfußer nicht als Landwirt angesehen wurde. 

Alinde Rothenfußer hofft auf den Sieg vor Gericht.

Alinde Rothenfußer erhebt nun schwere Vorwürfe: „Die stecken alle unter einer Decke. Das lassen wir uns nicht gefallen. Wenn sich auch das OLG nach Seilschaften richtet, werden wir bis nach Karlsruhe gehen.“ Wunderlich und die Landsiedlung hätten ihre Beziehungen spielen lassen – bis nach Karlsruhe würden die aber nicht reichen. „Es passieren ganz eigenartige Sachen in diesem bayerischen Krimi.“ Kaufinteressent Andreas Wunderlich entgegnet: „Das ist totaler Schwachsinn.“ Die Schöffen an der Landwirtschaftskammer waren Landwirte aus dem Landkreis. „Aber ich habe sie nicht persönlich gekannt.“ Anwalt Peter Därr vertritt die BBV Landsiedlung, die das Vorkaufsrecht für Wunderlich durchsetzen möchte. Er sagt: „Die Seite Rothenfußer sollte sehr, sehr vorsichtig sein. Das ist schlicht nicht wahr.“ 

Nebenbieter Wunderlich betont: "Ich bin finanziell in der Lage"

Zudem ist Alinde Rothenfußer überzeugt: „Wunderlich ist total verschuldet. Er ist der Strohmann für jemanden.“ Er wolle das Gut an Investorin Evi Brandl von der Metzgerei Vinzenzmurr weitverkaufen – und die werde die Fläche aufteilen. „Aber das ist ein unglaubliches Naturparadies, das muss man erhalten. Wir wollen, dass es in seinem edlen Stil erhalten bleibt.“ Wunderlich sagt: „Ich bin finanziell in der Lage und brauche die Futterflächen. Da steht niemand dahinter.“ Brandl habe kein Interesse mehr am Kauf. Laut Anwalt Därr hat Wunderlich die finanziellen Voraussetzungen: „Das ist von uns geprüft worden.“ Ebenso sei klar, dass Wunderlich Aufstockungsbedarf seiner Flächen habe – zumal ihm zuletzt Pachtflächen gekündigt wurden. Diesen Anspruch sieht Därr bei Rothenfußer nicht. „Der Käufer muss Landwirt sein oder mindestens auf dem Weg zum nebenerwerbenden Landwirt.“ Und das zum Stichtag: „Hinterherbasteln geht nicht.“ 

Bis der Rechtsstreit geklärt ist, bewirtschaftet Familie Rothenfußer das Gut und freut sich „über eine wunderbare Heuproduktion“. Aline Rothenfußer sagt: „Es ist nichts verkommen, aber wir werden auch keine großen Investitionen rein stecken.“ Wenn sie endgültig den Zuschlag für das Gut erhalten, sei eine Sanierung des denkmalgeschützten Gestüts einkalkuliert – für mindestens nochmal 3,2 Millionen Euro. Unter anderem ein Hof für alte Pferde soll so möglich werden. Ein OLG-Sprecher sagt auf Anfrage: „Noch steht kein Termin für eine Verhandlung.“ Anwalt Därr rechnet damit, dass noch Monate vergehen werden. „Huerfano X“ muss sich gedulden.

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