Für Rio hat es nicht gereicht: Tobias Giehl hat die Olympianorm um acht hunderstel Sekunden verpasst. foto: privat

Leichtathletik

Giehls geplatzter Olympiatraum

Gilching - Viele Sportler träumen von einer Teilnahme an Olympischen Spielen. Die Hoffnungen von Tobias Giehl auf einen Start in Rio zerplatzten auf besonders bittere Weise.

„Die letzte Woche war der Horror. Ich habe alle 30 Minuten auf mein Handy geschaut“, sagt Tobias Giehl. Der 25-jährige Hürdenläufer, der seine Wurzeln in Gilching hat und immer noch Mitglied beim örtlichen TSV ist, hoffte jedoch vergeblich, auf der Olympia-Liste der Leichtathletik-Weltorganisation IAAF aufzutauchen.

Doch der Reihe nach: Eigentlich ist 2016 bislang ein Super-Jahr für den Läufer der LG Stadtwerke München, der bis 2013 noch für die LG Würm Athletik am Start war. „Ich bin endlich einmal verletzungsfrei“, sagt Giehl. Prompt stellte er über die 400 Meter Hürden eine persönliche Bestzeit nach der anderen auf und wurde für die Europameisterschaften Anfang Juli in Amsterdam nominiert. Dort erreichte er das Halbfinale und schaffte als Fünfter seines Laufs eine Zeit von 49,50 Sekunden. Er verpasste die Olympia-Norm damit nur um zehn Hundertstel. Drei Tage später setzte Giehl bei den Westdeutschen Meisterschaften in Mönchengladbach noch einen drauf. Als Sieger unterbot er seine Bestzeit um weitere zwei Hundertstel, die Olympia-Norm verfehlte er dennoch erneut. „Wenn ich aus den vergangenen Jahren mehr Wettkampfhärte gehabt hätte, hätte ich die Zeit gepackt“, behauptet Giehl.

Wenige Tage später durfte der 25-Jährige, dessen Eltern in Gilching wohnen, plötzlich wieder auf Rio hoffen. Er stand auf der Nominierungsliste des Deutschen Olympischen Sportbundes für die am 5. August beginnenden Olympischen Spiele in Brasilien. Doch die Ernüchterung erfolgte prompt. „Ich bin nur unter Vorbehalt nominiert worden, falls die IAAF mir einen zusätzlichen Startplatz einräumt“, teilt Giehl mit.

Nun ging das Bangen los. „Normalerweise ist es schon üblich, das Teilnehmerfeld aufzufüllen“, sagt Giehl. Diesmal entschied sich der Weltverband offensichtlich dagegen, auch Sportler ohne die erreichte Norm einzuladen. „Vielleicht ist das Athleten-Budget des IOC schon ausgeschöpft“, vermutet Giehl. So muss der 25-Jährige seinen Olympia-Traum begraben. „Der Frust ist schon sehr groß“, bekennt er. Die nächste Spiele 2020 sind noch kein Ziel. „Ich habe es mir aufgrund meiner vielen Verletzungen abgewöhnt, so weit nach vorne zu blicken. Ich peile jetzt erstmal die EM 2018 in Berlin an. Danach werden wir sehen, wie es weitergeht“, sagt Giehl, dessen Enttäuschung noch „ewig“ anhalten wird.

Statt Rio wird er nun mit seiner Freundin Corinna in Urlaub fahren. „Dort werde ich mir vielleicht den ein oder anderen Wettkampf anschauen“, so das Mitglied des TSV Gilching-Argelsried.

Eine klare Meinung hat Giehl zum russischen Staatsdoping. „Die Entscheidung des IOC ist sehr enttäuschend“, sagt er. Das Internationale Olympische Komitee hatte am vergangenen Wochenende kein Startverbot für alle russischen Aktiven ausgesprochen. Kronzeugin Julia Stepanowa darf jedoch nicht antreten. „Sie dann noch als Zuschauerin auf die Tribüne einzuladen, ist ein Schlag ins Gesicht der Sportlerin“, sagt Giehl. 

Tobias Huber

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