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Der erste Flug des Prototyps steht kurz bevor: Michael Krenmayr, Christopher Schropp, Dr. Matthias Bittner und Philipp Reiß (v.l.) sind vier von acht Mitarbeitern, die für die Firma AutoflightX ein Lufttaxi entwickeln. 

Wirtschaftspreis

Die Senkrechtstarter

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Der Landkreis Starnberg sucht unter dem Motto „Zukunftsgestalter“ nach der innovativsten Firmen- Neugründung. Der Wirtschaftspreis wird im November verliehen. Zehn Finalisten stehen bereits fest. In loser Folge stellen wir diese vor. Heute: die Firma AutoflightX in Gilching.

Gilching – Die Firma AutoflightX dürfte der Jüngste der zehn Finalisten für den Wirtschaftspreis des Landkreises Starnberg sein: Der Chinese Tian Yu (54) gründete das Unternehmen erst im März 2018. Der Firmensitz befindet sich seit Beginn im Gilchinger Asto-Park. Die Vision: ein elektrisch betriebenes Lufttaxi für bis zu vier Passagiere. Heute wartet der Prototyp V600 in einem Hangar in Osteuropa auf seinen Erstflug.

Die Geschichte begann im Herbst 2017 in China. Professor Florian Holzapfel vom Lehrstuhl für Flugsystemdynamik an der TU München traf auf einer Veranstaltung Tian Yu. Der Gründer des Unternehmens Yuneec, das sich unter anderem mit der Entwicklung von Elektroantrieben für Leichtflugzeuge befasst, hatte ein Konzept für ein Flugtaxi in der Tasche – und mit seinem Unternehmen genug Kapital erwirtschaftet. „Unser Professor konnte ihn davon überzeugen, dass der Standort München und Oberpfaffenhofen mit seiner Nähe zum Flughafen die richtige Umgebung für sein Projekt sind“, erzählt Dr. Matthias Bittner.

Holzapfel und Yu waren sich schnell einig, und Bittner war der erste, den Holzapfel aus seinen Doktoranden und Studenten für das Abenteuer rekrutierte. Neben dem 34-Jährigen arbeiten in den Räumen in Gilching Dr. David Löbl (technischer Leiter), Marco Häde (Integration und Testen), Michael Krenmayr (Flugregelung und Simulation), Christopher Schropp (technischer Entwicklungsprozess), Philipp Reiß (Zulassung), Marco Stuhlpfarrer (Aerodynamic) und Elisabeth Dremel (Finanzen). Dazu kommt ein bis zu 50-köpfiges Team, das am Bau des Prototypen beteiligt war.

Schon wenige Monate nach Firmengründung war der Prototyp fertig. Im April 2019 präsentierte das AutoflightX-Team das Leichtflugzeug auf der Luftfahrtmesse AERO in Friedrichshafen. Das Fluggerät wiegt 600 Kilogramm, hat eine Spannweite und eine Länge von jeweils acht Metern. Auf seitlichen Leitwerkträgern befinden sich zweiblättrige Rotoren, die Start und Landung wie bei einem Hubschrauber ermöglichen. Ein neunter Propeller am Heck sorgt für den Vortrieb.

„Der erste Flug des V600 steht unmittelbar bevor“, verrät Bittner. Das Team hofft, dass der Standort des Fliegers über kurz oder lang nach Oberpfaffenhofen verlegt werden kann. Bittner geht davon aus, dass schon 2025 erste Lufttaxis über München kreisen. „Experten rechnen damit, dass die Lufttaxis 2030 massentauglich sind.“

Was ein Flug mit so einem Gefährt dann kostet, darüber möchte Bittner nicht spekulieren. „Es wird schon teurer sein, weil anfangs noch ein Pilot gebraucht wird und auch Haltestellen eingerichtet werden müssen.“ Diese so genannten „Vertiports“ lassen sich eher nicht in irgendwelchen Vorgärten anlegen, sondern erfordern Aufwand. „Diese exklusiven Kosten müssen anfangs wenige Nutzer tragen.“ Stromkosten und Unterhalt der Lufttaxis seien da eher überschaubar. „Die Taxis haben eine extrem lange Lebensdauer, die Anschaffungskosten lassen sich über eine lange Zeit abschreiben.“

Am Ende des Tages, wenn Lufttaxis zum Alltag gehören, soll das Lufttaxi von AutoflightX bis zu vier Personen transportieren und 200 Kilometer weit fliegen können – ohne Pilot und für jedermann erschwinglich wie ein Taxi. Die Flügelspannweite wird dann an die zwölf Meter betragen, das gilt auch für die Länge. Lärm mache das Taxi nur beim Start und bei der Landung. „Über den Köpfen wird sein Geräusch im Lärm der Stadt untergehen“, glaubt Bittner.

Schon jetzt ist der Markt heiß umkämpft. Nur wenige Meter Luftlinie entfernt sitzt das Unternehmen Lilium, das ebenfalls an einem Lufttaxi arbeitet und schon ordentlich die Werbetrommel rührt. „Man kennt sich“, sagt Bittner, lächelt und betont: „Aber wir haben das bessere technische Konzept.“

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