Übernahm ein Himmelfahrtskommando: Carsten Ohloff wollte mit den Gilchinger Handballerinnen die Landesliga halten, nach zehn Niederlagen in Folge hat sich der TSV von ihm getrennt. foto: Svj

Handball

TSV Gilching feuert Trainer

Gilching - Nach der zehnten Niederlage in der Handball-Landesliga hat der TSV Gilching seinen Damentrainer Carsten Ohloff beurlaubt.

Es war eine Stunde vor Mitternacht, als Gottfried Jais die Katze aus dem Sack ließ. „Wir haben uns in freundschaftlichem, gegenseitigem Einvernehmen von unserem Damen-Trainer Carsten Ohloff getrennt.“ Der Abteilungsleiter der Gilchinger Handballer teilte per E-Mail mit, was man in so einem Fall halt so sagt.

Zwar ging die Trennung am Sonntagabend sehr seriös über die Bühne, doch ganz so einvernehmlich war zumindest die Entscheidungsfindung nicht. Gegen 20.30 Uhr meldete sich die Spartenführung telefonisch bei ihrem Übungsleiter und informierte ihn über ihren längst gefassten Entschluss. Während sich beide Parteien ausführlich miteinander aussprachen, ist die für die Öffentlichkeit gedachte Erklärung äußerst dünn gefasst. „Wir bitten zu respektieren, dass wir zur Entstehung, Gründen etc. keine weitere Stellung beziehen wollen“, schreibt Jais kurz und knapp. Auch Ohloff, dem ein Schweigegelübde auferlegt wurde, vermied es, sich zu den Ursachen seiner Demission zu äußern.

Über das Warum des Rauswurfs kann daher nur spekuliert werden. Ohloff, der im Frühjahr die Nachfolge von Jörg Romacker als Trainer der Gilchinger Handballerinnen angetreten hat, besaß bei seinem neuen Verein keinen leichten Stand. Die Mannschaft war überhaupt nicht gerüstet für das Abenteuer in der Landesliga, für das sich Spielerinnen und Verantwortliche erst nach der Saison entschieden hatten, weil der Meister SG Waltenhofen sein Aufstiegsrecht nicht wahrnehmen wollte. Der TSV rückte dann als Tabellenzweiter nach. Ein sportliches Himmelfahrtskommando nahm seinen Lauf. „Ich habe noch nie so eine Mission übernommen“, räumte Ohloff ein, der in 25 Jahren bereits 13 Mannschaften betreut hat.

Weder er noch die Damenleitung schafften es vor der Saison, genügend frische Kräfte für die dringend benötigte personelle Aufrüstung des Kaders anzuwerben. Als Julia Niemietz im Sommer die Mannschaft in Richtung Herrsching verließ, verlor der Neuling eine weitere wichtige Spielerin. Ohloff hielt zwar noch im Juli den Klassenerhalt in der Landesliga für möglich, wurde aber schnell eines Besseren belehrt. In zehn Partien setzte es zehn zum Teil erschütternd hohe Niederlagen die dem Team die allgemeine Ligatauglichkeit abstritten.

Der Trainer ließ es sich am Montagabend nicht nehmen, seine Unterlagen persönlich abzugeben und sich von seiner Mannschaft zu verabschieden. Seine Nachfolge tritt, voraussichtlich für die beiden Partien gegen Freising-Neufahrn und Ismaning II, sein Vorgänger Jörg Romacker an. „Ich werde die Mädels definitiv nicht hängen lassen“, versprach er.

Wie es im neuen Jahr weitergeht, ist noch nicht ganz ausgegoren. Romacker sprach von einer „abteilungsinternen Lösung“, was nahe liegt, denn ein externer Trainer, der in dieser ausweglosen Situation einen designierten Absteiger übernimmt, dem neben der sportlichen Klasse auch die Perspektive fehlt, wird sich nur schwer finden und bezahlen lassen.

So erweist sich der Gang in die Landesliga immer mehr als Boomerang, der den Verantwortlichen nun um die Ohren fliegt. Eigentlich sollte der Aufstieg die Mannschaft zusammenschweißen und sie vor dem drohenden Abschied der stärksten Spielerinnen bewahren. Angesichts der so gut wie sicheren Rückkehr in die Bezirksoberliga ist dieses Szenario nur aufgeschoben. Abteilungsleiter Jais, der sich darauf konzentrieren will, „die Mannschaft sportlich und perspektivisch gut aufzustellen“, wird hart arbeiten müssen, um diesen hehren Anspruch auch zu verwirklichen.

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