Hat ihr Sortiment erheblich erweitert: Evi Thoma, die in Gilching den Unverpackt-Laden betreibt.
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Hat ihr Sortiment erheblich erweitert: Evi Thoma, die in Gilching den Unverpackt-Laden betreibt.

Unverpackt-Laden

1000 Produkte ohne Verpackung

Die Eröffnung war zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Seit einem Jahr existiert Evi Thomas Unverpackt-Laden in Gilching nun. Aber er hat sich inzwischen zu einem echten Treffpunkt entwickelt.

Gilching – Es war zu einer Zeit, als durch Corona die Welt aus den Fugen geriet. Veranstaltungen wurden abgesagt, Geschäfte mussten schließen. Evi Thoma aus Gilching jedoch blieb mutig und eröffnete vor genau einem Jahr allen Unkenrufen zum Trotz ihren Unverpackt-Laden. Mittlerweile hat sie das Sortiment von 400 auf 1000 Produkte aufgestockt. „Ich hatte das große Glück, dass mein Laden als Lebensmittel-Einzelhandel zählt und er deshalb auch eröffnet werden durfte“, erzählt sie. „Selbstverständlich unter Einhaltung aller hygienischen Auflagen, was für mich aber selbstverständlich ist.“

Inzwischen hat sich der Laden gegenüber vom Gilchinger Rathaus zu einem Treffpunkt für all die Menschen entwickelt, die Wert auf Produkte mit Herkunftsnachweis legen und versuchen, ohne Plastik-Verpackung ihre Einkäufe zu erledigen. „Meine Kunden kommen aus allen Kreisen. Egal, ob es sich um einen gut verdienenden Familienvater oder um kinderreiche Eltern, die ihre Grundnahrungsmittel sackweise einkaufen, handelt“, sagt Thoma. Wer den Vorteil dieser individuellen Einkaufsmöglichkeit entdeckt habe, komme gerne wieder. Im Unverpackt-Laden kann man auch nur ein Lorbeerblatt kaufen, wenn man nicht mehr braucht – oder auch mal 50 Gramm Mehl. Voraussetzung ist, dass eigene Dosen oder Tüten zum Verpacken mitgebracht werden müssen.

Die Auswahl der Lieferanten liegt der früheren Arzthelferin besonders am Herzen liegt. Dazu gehören junge Leute, die sich mit einem Startup-Unternehmen versuchen. „Es ist zwar sehr zeitaufwendig, die kleinen Manufakturen oder Selbstvermarkter zu finden, die Produkte anbieten, die es sonst nirgendwo gibt. Aber es lohnt sich“, sagt Thoma. Als Beispiel nennt sie ihren Toilettenpapier-Lieferanten von Toilettenpapier. Es sind junge Leute im Sauerland, die sich dem Umweltschutz verschrieben haben. Die kamen laut Thoma 2020 auf die Idee, bei den umliegenden Firmen das Altpapier einzusammeln, es zu recyclen und daraus Klopapier herzustellen. Den Erlös stecken sie wieder in Bäume, die weltweit gepflanzt werden. Mittlerweile haben sie sogar das Siegel des Blauen Engels bekommen.

Als Thoma davon hörte, stand für sie fest: „Das muss in meinen Laden rein, weil hier kann ich den Menschen erklären, was das Besondere daran ist.“ Generell freut sich die 48-jährige Mutter von drei Kindern, wenn sie ihre Kunden mit Geschmackserlebnissen überraschen kann. „Meine schockgefrosteten Erdbeeren entfalten erst im Mund ihr Aroma. Sie sind zwar etwas teurer, aber sie schmecken auch noch so, wie Erdbeeren schmecken sollten.“ Ihr Sortiment reicht von lose erhältlichen Grundnahrungsmitteln über Waschkugeln, Süßigkeiten, Kaffee, Kakao, Bruchschokolade, Gemüse sowie Obst. Das meiste stammt aus der Region. Thoma: „Ich versuche auch immer mehr, regionale Landwirte zu unterstützen, die auf Bio umstellen.“ Lediglich auf Fleisch- und Wurstwaren verzichtet Thoma. Geöffnet hat sie von Montag bis Samstag – außer mittwochs. ULI SINGER

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