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Stätte des Gedenkens im Schulhaus in Gilching: Christoph Probst neben der Büste seines gleichnamigen Großvaters, der am 22. Februar 1943 von den Nazis ermordet wurde.

75. Todestag von Christoph Probst

Zwischen Trauer und Stolz

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Am Donnerstag jährt sich der Todestag des Widerstandskämpfers Christoph Probst zum 75. Mal. Das Christoph-Probst-Gymnasium (CPG) in Gilching gedenkt seines Namenspatrons mit einer Veranstaltungsreihe. Auch im Leben seines gleichnamigen Enkels, der am CPG unterrichtet, spielt der Großvater nach wie vor eine große Rolle.

Gilching – „Ich werde schon oft auf meinen Namen angesprochen“, sagt Christoph Probst. Seit Anfang der 90er unterrichtet der heute 52-Jährige an dem Gilchinger Gymnasium die Wahlfächer Cello und Kontrabass, er ist renommierter Cellist. SDass er den Nammen eines berühmten Widerstandskämpfers und Mitglieds der Weißen Rose trug, realisierte Probst, als er 15, 16 Jahre alt war. Damals war er 15, 16 Jahre alt. Bis dahin hatte die Schwester seines Großvaters, Angelika, die Erinnerung an den Widerstandskämpfer Probst lebendig gehalten. Als sie 1976 starb, gelangten Unterlagen und vor allem Briefe in die Hände ihres Neffen Michael, Probsts Sohn. „Er las erstmals die Gedanken seines Vaters“, erinnert sich der in Gilching lebende Enkel des Widerstandskämpfers heute.

1943 wurde Probst in Innsbruck festgenommen

Die Geschichte seines Großvaters ist so dramatisch und traurig, wie ein Leben nur sein und enden konnte zu Zeiten des Nationalsozialismus. Probst und seine Schwester waren in Murnau in einem von religiöser und kultureller Offenheit geprägtem Elternhaus aufgewachsen. Probst studierte Medizin in München und heiratete im Alter von 21 Jahren Herta Dohrn. 1940 und 1941 wurden ihre Söhne geboren, Michael und Vincent. Probst nahm im Sommer 1942 erstmals an Lese- und Diskussionsabenden der Weißen Rose teil und wurde von Hans Scholl und Alexander Schmorell in die Flugblatt-Aktionen eingeweiht. Obwohl seine Freunde den Familienvater aus gefährlichen Aktionen heraushalten wollten, nahm er mehrmals an Diskussionen über die Widerstandsarbeit teil. Im Januar 1943 kam seine Tochter Katharina zur Welt. Seine Frau erkrankte an Kindbettfieber.

In den Tagen nach der deutschen Niederlage in Stalingrad verfasste Christoph Probst einen Flugblattentwurf, in dem er forderte: „Hitler und sein Regime müssen fallen, damit Deutschland lebt.“ Am 20. Februar 1943 wurde Probst in Innsbruck festgenommen.

Hans Scholl hatte bei seiner Verhaftung zwei Tage zuvor das Manuskript seines Freundes bei sich getragen. Der Gestapo reichte dieses Blatt, um Probst als Gegner des Nationalsozialismus zu überführen. Es blieb keine Zeit für einen Abschied. Herta Probst lag in einer Klinik am Tegernsee. Im Gefängnis ließ sich Probst katholisch taufen. Er starb wie seine Freunde Sophie und Hans Scholl am 22. Februar im Alter von 23 Jahren unter dem Fallbeil.

Christoph Probsts Ehefrau Herta wurde über 100 Jahre alt und lebte bis zuletzt bei ihrem Sohn Michael in Hechendorf. Dieser versuchte noch zu Lebzeiten gemeinsam mit Dr. Erich Schmorell, dem Bruder Alexander Schmorells, der ebenfalls der Widerstandsbewegung Weiße Rose angehörte und im April 1943 hingerichtet worden war, die Briefe der beiden Männer herauszugeben. „Das haben sie leider nicht mehr erlebt“, bedauert Christoph Probst. Sein Vater Dr. Michael Probst starb 2011. Seine Mutter, Barbara Probst-Polasek, ist in Hechendorf zuhause.

Ein kurzes Leben: „Ich empfinde Trauer darüber“

Beide pflegen auch offiziell die Erinnerung. Probst hält Vorträge über seinen Großvater und sagt: „Ich stelle mich der Verantwortung und versuche, das weiterzugeben.“ Das Familienerbe habe sein Leben, seine Beziehungen und auch sein musikalisches Wirken geprägt, bis heute. „Schließlich gaben mir meine Eltern auch ganz bewusst diesen Namen.“ Auch Tochter Franziska, 15 Jahre alt, stelle schon Fragen und öffne sich dem Thema.

Seit den 90er Jahren arbeitet Probst im Gilchinger Christoph-Probst-Gymnasium. „Der damalige Direktor Franz Leitner hat mich ganz bewusst an die Schule geholt“, sagt er. Die Schule trägt ihren Namen seit 1993, veröffentlichte zwei Bücher über ihren Namenspatron und erinnert mit Veranstaltungen an wichtige Jahrestage. Bis heute erhält jedes Kind bei seiner Einschulung eine weiße Rose. Das gilt auch für jeden Abiturienten bei der Zeugnisübergabe. Entsprechend widmet die Schule dem 75. Todestag auch eine Veranstaltungsreihe, in der es vor allem um Zivilcourage geht.

Stets seien ihm Anerkennung und Respekt im Zusammenhang mit seinem Großvater entgegengebracht worden, sagt Christoph Probst. „Ich empfinde Trauer darüber, dass er ein so kurzes Leben hatte. Aber ich bin auch stolz darauf, dass er den Mut hatte, Widerstand zu wagen.“

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