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August Wurm ist im Alter von 91 Jahren verstorben.

Nachruf

Abschied von August Wurm, einem Gilchinger Original

Die Gemeinde Gilching ist um ein Original ärmer. August Wurm, der Pflanzen- und Kräuterexperte par excellence, starb am Donnerstag im Alter von 91 Jahren.

Gilching– Geboren wurde der „Gustl“, wie er liebevoll von den Gilchingern genannt wurde, am 11. November 1925 in Gilching. Es waren 13 Kinder, elf Schwestern und zwei Buben, die ohne Vater aufwuchsen. Dieser war im Krieg gefallen. Obwohl es damals keinerlei finanzielle Beihilfe gab, hat es die Mutter geschafft, dass alle Geschwister ihren Weg machten.

Der junge Gärtner entfloh einige Jahre der Enge des Dorfs Gilching. August Wurm arbeitete als Gärtner in Finnland, England, Frankfurt und Hamburg. Dort besuchte er sogar die Schauspielschule. Zurück in der Heimat lernte er 1960 seine Frau Brigitte bei einer Dichterlesung kennen. Die beiden ließen sich in Gilching nieder und bekamen zwei Töchter.

Die Leidenschaft des passionierten Botanikers galt allem, was draußen wuchs und was sich irgendwie gegen diverse Wehwehchen verwenden ließ. „Gut, dass ich Sie treffe…“, mit diesem Satz hielt er stets vorübergehende Spaziergänger auf, um ihnen ohne Punkt und Komma alles aus der Welt der Pflanzen und Heilkräuter zu erzählen. August Wurm wusste stets, welches Kraut gegen Herzprobleme, Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Bluthoch- und Blutniederdruck, Hitzewallungen und Darmverstopfung gewachsen war. „Falls Sie Kreislaufprobleme haben, das Beste ist, Sie nehmen Digitals purpurea.“

Doch Wurm lehrte nicht nur während Einkaufstouren und Spaziergängen, was es mit der Flora so auf sich hat. Er lud auch regelmäßig interessierte Menschen, Schulen und Kindergärten in sein ganz persönliches Refugium in die Gilchinger Waldbühne am Steinberg ein. Eine Idylle, die Balsam für jede Seele war. Da fanden sich tausende von kleinen beschrifteten Fläschchen, in denen einzelne Halme oder Zweige steckten, ein dirigierender Buchenschößling, ein aus Abfallholz gefertigtes Pferdchen, ein mit Steinen gedeckter Tisch und etliche verschlungene Wege, die durch eine scheinbar heile Welt führten. Und mittendrin im Dickicht eine Freiluft-Arena, in der regelmäßig Theateraufführungen, Konzerte und Vorträge stattfanden. Oft trat August Wurm sogar selber auf, denn er hatte ein immenses Repertoire an Gedichten, die er fehlerlos aufsagen konnte.

Der Trauergottesdienst mit anschließender Beerdigung findet am morgigen Dienstag, 8. August, in St. Vitus im Altdorf statt. Beginn ist um 13 Uhr.  ph

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