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Seit 1950 an dieser Stelle: Die St. Vitus-Apotheke war die erste Apotheke in Gilching.
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Apotheker in vierter Generation: Dr. Stefan Hartmann mit einem Foto seines Großvaters Rudolf, der mit der St. Vitus-Apotheke die erste Apotheke in Gilching eröffnete.

Wirtschaft

Gilchings erste Apotheke

Die Vitus-Apotheke bereitet sich auf einen Umzug vor. Sie wechselt in das neue Ärzte- und Geschäftshaus ein Stück weiter nördlich. Inhaber Dr. Stefan Hartmann führt damit eine jahrzehntelange Firmen- und Familiengeschichte fort.

Gilching – Die Apothekerfamilie Hartmann hat vor fast 70 Jahren die erste Apotheke in Gilching eröffnet. Es war Carl Hartmann, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Benzberg bei Köln die Adler-Apotheke eröffnete. Als er 1924 im Alter von gerade einmal 48 Jahren starb, verpachtete die Witwe das Geschäft an einen Kollegen. So lange, bis Sohn Rudolf Hartmann (1907 bis 1950) sein Studium beendet hatte und die Nachfolge antreten konnte.

„Es kam leider anders als gedacht“, erzählt Dr. Stefan Hartmann, mittlerweile Chef eines Unternehmens unter anderem mit vier Apotheken und 70 Mitarbeitern. „Der Pächter schnappte sich nicht nur die Apotheke, sondern auch die Ur-Oma. Die Apotheke war futsch, weil der Pächter dort seinen eigenen Nachwuchs unterbrachte. Mein Opa Rudolf stand somit auf der Straße ohne jegliche Zukunftsaussichten.“ Hätte nicht Rudolfs Münchner Schwiegermutter Lore Haack Frau Frey vom Münchner Traditionshaus Lodenfrey kennen gelernt. Die Freys hatten seinerzeit ein Sommerfrischler-Haus in Gilching. Als Frau Frey von der Misere hörte, kam sie auf die Idee, dass Gilching eine Apotheke benötigt.

Die Notwendigkeit war da. Gilching erfuhr nach dem Zweiten Weltkrieg eine enorme Zuwanderung. Die Einwohnerzahl stieg von 2074 im Jahr 1940 auf 4315 Einwohner im Jahr 1950. Damals praktizierten in Gilching bereits drei Ärzte. Um Rezepte einzulösen, mussten die Bürger bis Seefeld, Planegg, Fürstenfeldbruck oder Germering fahren. Rudolf und Eleonore Hartmann zögerten nicht lange, als sie von dem Angebot hörten. Los ging es in dem kleinen Laden Rathaus-/Ecke Römerstraße, das mittlerweile abgerissen wurde.

Die Hartmanns wohnten in München und pendelten mit dem Zug. „Beim täglichen Gang über die Römerstraße war meine Ur-Oma eine Sensation“, berichtet Hartmann. „Als Münchnerin stapfte sie stolz in Pelz und Stöckelschuhen auf dem oft matschigen Feldweg dahin. Und da fiel sie Albert Fanger auf, der gerade aus dem Fenster seines Hauses an der Römerstraße schaute und sie ansprach.“ Der Gilchinger Architekt habe den Großeltern vorgeschlagen, sein Häuschen ebenerdig zu erweitern und darin eine Apotheke zu integrieren. „Der Vorschlag kam gelegen, weil sich das ursprüngliche Domizil als ungeeignet herausstellte.“

So eröffnete damals am 20. März 1950 an der Römerstraße 26 Gilchings erste Apotheke. Der Merkur schrieb damals: „Das freundliche Äußere entspricht der zweckmäßigen und zugleich geschmackvollen Inneneinrichtung. Man sieht, daß eine Giftküche nicht nur mit ,Gläsern, Flaschen rings umstellt‘ zu sein braucht, sondern auch gemütlich wirken kann, die leidende Menschheit schluckt dann ihre bitteren Pillen und ,hantigen‘ Tränklein viel lieber und wird rascher gesund.“

Uli Singer

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