Kaum Platz für ein Auto bietet der Wildmoosweg seit der Sanierung an dieser Stelle. Anwohner Christian Friedinger hat seinem Ärger über das Vorgehen der Gemeinde mit diesem Plakat Luft gemacht.
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Kaum Platz für ein Auto bietet der Wildmoosweg seit der Sanierung an dieser Stelle. Anwohner Christian Friedinger hat seinem Ärger über das Vorgehen der Gemeinde mit diesem Plakat Luft gemacht.

Nach Straßensanierung: Anwohner gründen Interessengemeinschaft und erwägen Klage

Ärger am Wildmoosweg

  • Simon Nutzinger
    vonSimon Nutzinger
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Christian Friedinger kann es noch immer nicht fassen. „Jedes Mal wenn ich mir die Straße anschaue, muss ich einfach nur mit dem Kopf schütteln“, sagt der 43-jährige Gilchinger, der seit rund 15 Jahren mit seiner Familie am Wildmoosweg lebt. Und genau diesen Wildmoosweg hat die Gemeinde im vergangenen Sommer praktisch einmal auf links gedreht.

Gilching - Die Gemeinde hat alles aufgerissen, dann frisch asphaltiert, neue Randsteine verlegt und Straßenlaternen installiert. Das komplette Sanierungspaket. Eine gute Sache, könnte man meinen. Friedinger sieht es anders. Er sagt: „So ist die Straße Mist.“

Sein Ärger hat mehrere Gründe. Zum einen hätte es die Sanierung aus seiner Sicht grundsätzlich nicht zwingend gebraucht. Friedinger betont: „Die Straße war in Ordnung so wie sie war.“ Dass dies Sanierung trotzdem noch im vergangenen Jahr vorgenommen wurde, führt er auf die Gesetzesänderung zurück, dass bei Straßenerschließungen ab 1. April dieses Jahres nicht mehr hauptsächlich die Anwohner, sondern die Gemeinde selbst zur Kasse gebeten wird. „Die wollten das auf Biegen und Brechen vorher noch durchziehen.“

So bezahlen von den 590 000 Euro Sanierungskosten noch immer 90 Prozent die Anlieger, aufgeteilt nach Größe der Grundstücke. „Dass das in diesem Fall, so kurz vor der Änderung der Verordnung, bitter für die Anlieger ist, kann ich absolut verstehen“, sagt dazu Bürgermeister Manfred Walter. Jedoch habe die Gemeinde nicht mit Kalkül gehandelt. „Es gibt einen festen Plan, wann welche Straße in Gilching saniert wird“, unterstreicht er. „Und letzten Sommer war eben der Wildmoosweg dran.“ Dies habe die Gemeinde frühzeitig kommuniziert und den Plan umgesetzt. „Eine Sonderbehandlung des Wildmoosweges wäre vielmehr unfair gegenüber den Anliegern anderer Straßen gewesen.“

Ein weiterer Punkt, der Friedinger auf die Barrikaden treibt, ist die Umsetzung der Straßenarbeiten. So ist der asphaltierte Bereich – anders als vor der Sanierung – an einer Stelle nur noch etwa 2,90 Meter breit. „Das Müllfahrzeug passt da kaum mehr durch“, sagt Friedinger. Wenn Fußgänger dort unterwegs wären, könne sowieso kein Auto durchfahren. Dies mache die Situation teilweise sehr unübersichtlich und gefährlich für Kinder, die dort spielen.

Was Friedinger daran am meisten stört: Das Dilemma wäre aus seiner Sicht einfach zu lösen gewesen. Der vorher asphaltierte und unbebaute, etwa eineinhalb Meter breite Streifen, der dem Wildmoosweg an besagter Stelle nun fehlt, ist Teil seines Grundstücks. „Die Gemeinde hätte ihn mir nur abzukaufen brauchen, um dann eine ordentliche Straße zu bauen“, sagt er. Er habe dies auch angeboten – jedoch ohne Erfolg. „Die Antwort war, sie brauchen das Grundstück nicht.“

Bürgermeister Walter möchte dies so nicht stehen lassen. Er beteuert, stets gesprächsbereit zu sein, wenn ein Anlieger sein Grundstück zu Straßenbaupreisen zum Verkauf stellt. Nicht jedoch zum deutlich teureren Baulandpreis. „Ich kann keine öffentlichen Gelder verwenden, um Baulandpreise für eine Straße zu bezahlen“, stellt er klar. Dass die Situation für die Bewohner des Wildmoosweges dennoch nicht zufriedenstellend ist, sieht er zwar ein. Allerdings sei die Straße dort nun einfach mal sehr eng und historisch so gewachsen. „So etwas gibt es in Gilching immer wieder.“ Ändern ließe sich das nur, wenn ein Anwohner etwas von seinem Grund an die Gemeinde verkauft. „Aber eben zum für uns richtigen Preis.“

Für Friedinger nicht mehr als Worthülsen. „Um sich auf einen möglich Preis zu einigen, müsste man erst einmal miteinander sprechen“, sagt er. „Und von so einer Bereitschaft habe ich bei meiner Anfrage vor einem Jahr nichts gespürt.“ Gemeinsam mit 25 weiteren Anliegern hat er eine Interessengemeinschaft gegründet. Momentan prüft ein Anwalt, ob rechtliche Schritte gegen die Gemeinde möglich sind. Friedinger sagt: „Wahrscheinlich läuft es auf eine Klage hinaus.“

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