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Entschärfung von Weltkriegsbomben

Verdachtsflächen

Eine Glatze wie ein Pulverfass

Die Nähe zum Flughafen Oberpfaffenhofen bringt nicht nur Lärm, sie birgt auch Gefahren - möglicherweise explosiv. Darum werden neue Baugebiete gut untersucht.

Gilching Die Anlieger-Gemeinden des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen sind seit dessen Bau im Jahr 1936 stets mit Themen konfrontiert, die bis heute nicht an Brisanz verloren haben. Mal ist es der Fluglärm, der für Ärger sorgt, dann der vermutete Ausbau zum Verkehrsflughafen. Aktuell sind es in Gilching historische Hinterlassenschaften, unter anderem Rückstände durch die Bombardierung.

„Eigentlich ist ganz Gilching übern Steinberg bis nach Geisenbrunn betroffen“, sagt Vize-Bürgermeister Martin Fink. Der Flughafen ist zwar damals anvisiertes Ziel der Bombardierung gewesen, doch auch die umliegenden Gemeinden, insbesondere Gilching und Geisenbrunn, seien arg in Mitleidenschaft gezogen worden. „Ich erinnere mich an eine Erzählung meines Vaters, dass zum Beispiel eine Dornier-Barackensiedlung in Geisenbrunn bei einem Bombenangriff komplett zerstört wurde. Es waren 48 Häuser, die dem Erdboden gleichgemacht wurden.“ Deshalb fänden sich auch verhältnismäßig viele Bombentrichter in der Kommune, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges mit Kampfmittelresten und Müll aufgefüllt wurden. Demzufolge müssen die betroffenen Flächen vor einer geplanten Bebauung durch Experten gründlich unter die Lupe genommen werden, sagt Fink. Momentan sei ein Fachbüro dabei, die künftige Trasse der geplanten Umgehungsstraße auf Altlassen zu untersuchen.

Auf der Agenda zur Altlastenbeseitigung steht außerdem die „Gilchinger Glatze“, für die bereits ein umfangreiches Gutachten der Firma Blasy und Mader vorliegt. Gegenstand der Untersuchung des 115 000 Quadratmeter großen Geländes, auf dem unter anderem Wohnungen für 1500 Menschen entstehen werden, war die vollständige Erfassung etwaiger kontaminationsverdächtiger Flächen, die nutzungsbedingt beziehungsweise durch Kriegseinwirkung entstanden sind.

Laut Gutachten kam es während des Zweiten Weltkrieges zur mehrfachen Bombardierung des Flughafens. Dabei sei „versehentlich“ auch das Altdorf von Gilching getroffen worden. Insbesondere hätten der Steinberg und St. Vitus unter dem Bombenhagel gelitten. „Auf einem Luftbild aus dem Jahr 1945 sind im nordwestlichen Teil des Untersuchungsgebietes zwei Bombenkrater zu erkennen. Ebenfalls deutlich zu erkennen ist eine Kiesgrube unmittelbar nördlich der Bahnlinie, die später mit Hausmüll verfüllt wurde, heißt es im Gutachten. Aufgrund der Recherche könnten die Bereiche als Kontaminationsverdachtsflächen angesehen werden, auf denen Ablagerungen von Erdaushub oder Verfüllung von Gruben oder Bombenkratern stattfanden. Insgesamt handelt es sich um drei Flächen, deren Schadstoffpotenzial sich aus der Verfüllung von Kiesgruben, Bombenkratern, Lagerung von Holz, Erdaushub und Bauschutt zusammensetzt.

Empfohlen wird aufgrund der Nähe zum Flughafen und der eindeutigen Bombentreffer in der Luftbildauswertung „für die gesamte Fläche eine Kampfmittelräumung durchzuführen“. Wie berichtet, soll im Herbst die Zusammenlegung der kleinparzellierten Gesamtfläche stattfinden. Insgesamt sind 42 Grundstücksbesitzer betroffen. Im Rahmen des bald zu erwartenden Bauleitverfahrens wird das Ergebnis des Gutachtens dann berücksichtigt

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