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Er darf fliegen, aber noch nicht Auto fahren: Anthony Grienberger (17) aus Gilching ist derzeit einer der jüngsten Piloten Deutschlands. Das nächste Ziel: der Kunstflugschein.

Flugschein mit 17

Anthony und der Traum vom Fliegen

Einer der jüngsten Piloten Deutschlands lebt in Gilching: Anthony Grienberger will Pilot werden, seit er vier war.

Gilching – Die Entscheidung, Pilot zu werden, fiel auf dem Heimflug aus Djerba beim Blick aus dem Fenster. Damals war Anthony Grienberger vier Jahre alt. Am 20. April feierte der Gilchinger seinen 17. Geburtstag und erreichte damit das Mindestalter, das man für den PPLA-Schein braucht. Den holt er heute in München ab – und gehört somit aktuell deutschlandweit zu den jüngsten Piloten, die offiziell einmotorige Propellerflugzeuge steuern dürfen.

Auf ein vererbtes Familien-Gen ist die Leidenschaft nicht zurückzuführen: Vater Adrian ist Maschinenbau-Verfahrenstechniker, Mutter Laura Bankkauffrau. Mit Fliegen hatte keiner was am Hut. Und da stand plötzlich dieser Vierjährige vor ihnen, für den sich ab sofort alles ums Fliegen drehte. Die Geburtstagsgeschenke wurden der erste Flug im Zweisitzer oder eine Stunde im Profisimulator, die Praktika bei Airberlin und auf dem DLR-Gelände. Als Teenager fuhr Anthony jedes Wochenende mit der S-Bahn zum Flughafen und beobachtete von einer Anhöhe aus stundenlang Starts und Landungen der Passagiermaschinen. Irgendwann reichte es ihm nicht mehr, nur zuzusehen. Er informierte sich über die Voraussetzungen für den PPLA und wurde Mitglied in der Flugsportgruppe in Oberpfaffenhofen. Dort begann der Zehntklässler im Herbst 2015 mit den Theoriestunden, während er sich auf die Abschlussprüfung der Realschule vorbereitete. „Das war ein halbes Jahr Stress“, erinnert er sich.

Zittern beim ersten Flug

Im Februar 2016 bestand er den theoretischen Teil wie kurz darauf die Mittlere Reife mit Bestnote. In der Vorbereitungszeit absolvierte er auch den ersten Flug. Ein unvergesslicher Moment: „Ich zitterte am ganzen Körper, als ich den Schlüssel umdrehte.“ Erst steuerte er die „Katana DA20“ über das Rollfeld und als der Lehrer sagte ,„Schieb’s Gas rein!“, erschrak er kurz – beschleunigte den Zweisitzer, zog am Steuerknüppel, hob ab und erlebte ein konzentriertes Hochgefühl, das sich für den FOS-Schüler bei jeder der seither geleisteten 200 Starts wiederholte.

Die Praxisprüfung vergangene Woche bestand er mühelos. Mulmig zumute war den Eltern manchmal schon. Etwa beim geforderten mehrstündigen Überlandflug mit An- und Abflug von unbekannten Flugplätzen. Denn gerade beim Abheben und Landen passieren die meisten Unfälle. Gut vorbereitet, könne man das eigentlich ausschließen, weiß er. Denn in der Theorie lernte er nicht nur navigieren, sondern auch zu entscheiden, ob Wind und Wetter den Flug zulassen. „Dass ich heute hier stehe, habe ich meinem Fluglehrer Marc Puskeiler zu verdanken.“

Nächstes Ziel: Kunstflugschein

Und jetzt? Beine hoch und abwarten? Mitnichten: Der Flugbegeisterte hat den Kunstflugschein im Visier und natürlich den Berufspiloten. „Dafür würde ich auch ins Ausland gehen.“ Deshalb möchte er nach dem Abi in einem Auslandsjahr sein Englisch perfektionieren. Anthony schaut auf die Uhr. Er muss zur Arbeit. „Meine Eltern bezahlten den Flugschein. In der Bäckerei verdiene ich mir jetzt die Flugstunden.“ Und wenn er beim Fliegen aus dem Fenster schaut, dann weiß er, dass er seinem Kindheitstraum einen Schritt näher ist.

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