1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Gilching

„Das darf man nicht akzeptieren“: Eindringliche Ausstellung über Antisemitismus am CPG in Gilching

Erstellt:

Von: Simon Nutzinger

Kommentare

Schüler am Gilchinger Christoph-Probst-Gymnasium besuchen die Ausstellung „abgestempelt“.
20 Infotafeln klären die Schüler am Gilchinger Gymnasium in den kommenden Wochen über den Einfluss von judenfeindlichen Postkarten und deren Einfluss auf das Menschenbild mehrerer Generationen auf. © DAGMAR RUTT

Das Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching setzt sich seit jeher für Toleranz und gegen Ausgrenzung ein. Um die Schüler weiter für diese Themen zu sensibilisieren ist dort in den kommenden Wochen eine Ausstellung über judenfeindliche Postkarten zu sehen.

Gilching – Cate kennt die Parolen. „Afrikaner duschen nicht“, „Geht dahin zurück, wo ihr herkommt“. Grässliche Sprüche, die niemand hören will. Für die 14-Jährige sind sie traurige Realität. „So etwas müssen wir uns immer mal wieder anhören“, sagt Cate, die im Landkreis lebt und die 8. Klasse des Christoph-Probst-Gymnasiums in Gilching besucht. Mit „wir“ meint sie sich selbst und ihren Bruder. Ihre Eltern stammen aus Kenia, sind dunkelhäutig, ebenso wie die Kinder. Bittererweise Grund genug, um auch heute noch Opfer von Rassismus zu werden. Und selbst wenn Cate betont, dass dies „ja bei Weitem nicht jeden Tag passiert“ und sie schon damit umgehen könne – die Worte gehen auch an dem selbstbewussten und intelligenten Mädchen nicht spurlos vorbei. „Sie verunsichern einen schon.“

Solch dumpfes Gedankengut bei seinen Schülern gar nicht erst aufkommen zu lassen, sieht Peter Meyer als großen Teil seiner Arbeit an. Der Schulleiter des Christoph-Probst-Gymnasiums setzt sich dort seit Jahren für Toleranz und gegen Ausgrenzung ein. „Dazu verpflichtet allein schon unser Name“, unterstreicht er mit Hinweis auf den Murnauer, der sich als Mitglied der Widerstandsgruppe Die Weiße Rose den Nationalsozialisten entgegenstellte – und dabei sogar sein Leben verlor.

Alle Schüler der 8. bis 12. Klassen sollen die Ausstellung besuchen

Jedes Jahr rund um den 6. November, Probsts Geburtstag, startet das Gilchinger Gymnasium daher eine Aktion, um an seinen Namenspatron und dessen Zivilcourage zu erinnern. Heuer fiel die Wahl auf eine Wanderausstellung der Bundeszentrale für Politische Bildung. In „abgestempelt“ geht es um judenfeindliche Postkarten und deren Einfluss auf das Menschenbild ganzer Generationen. Sämtliche Klassen der Jahrgangsstufen acht bis zwölf sollen die Ausstellung in den kommenden Wochen besuchen.

Die 14-jährige Cate und ihre Mitschüler aus der 8. Klasse sind gestern Vormittag die Ersten. Begleitet von Geschichtslehrerin Dr. Melanie Rossi begutachten sie die zum Teil verstörenden Postkarten, die vom Ende des 19. Jahrhunderts bis hin zur Nazizeit reichen. Juden mit riesigen Hakennasen, missgebildeten Körpern und Tierköpfen zeigen sie. „Echt krass“, sagt Joa (13). Er könne sich gar nicht vorstellen, das so etwas gesellschaftlich akzeptiert gewesen sei. „Da muss sich doch jemand aufgeregt haben.“ Antonio, ebenfalls 13, bleibt an einer Postkarte hängen, auf der sich ein Geier schrittweise zu einem jüdischen Mann verwandelt. „Richtig schlimm und gemein“ sei so etwas. „Das sind doch auch nur ganz normale Menschen.“

Lehrerin Dr. Melanie Rossi hält ein Plakat.
Einen Postkartenwettbewerb veranstalten Lehrerin Dr. Melanie Rossi und die Fachschaft Geschichte im Rahmen der Ausstellung. Die Schüler sollen Postkarten entwerfen, die sich gegen Judenfeindlichkeit aussprechen. © DAGMAR RUTT

Lehrerin Rossi ist es wichtige, dass ihre Schüler verinnerlichen, wie sehr sich Bilder dazu missbrauchen lassen, um Hass gegen eine bestimmte Personengruppe zu schüren. Was damals die Postkarten waren, sind heute in gewisser Weise die Posts in den sozialen Medien. Bei der Flut an Eindrücken, die auf diesen Kanälen auf die Schüler tagtäglich einprassele, sei es entscheidend, „den Überblick zu wahren und die Dinge möglichst differenziert zu betrachten“. Ob es dabei, wie im Falle der Ausstellung, um Antisemitismus oder eine andere Form der Ausgrenzung gehe – „das ist letztlich Nebensache.“

Diskriminierung „darf man nicht akzeptieren“

Wie nah Diskriminierung auch für die Schüler des Gilchinger Gymnasiums ist, zeigt das Beispiel von Cate und ihrem Bruder. Als sie davon erzählt, schauen sich ihre drei Mitschülerinnen Matilda, Samira und Anna, die mit ihr am Tisch sitzen, etwas unsicher an. Sie erkennen die Parallelen zu den Verunglimpfungen gegen die Juden auf den schaurigen Postkarten, die im ganzen Zimmer verteilt an den Tafeln hängen. „Das ist ja irgendwie nichts anderes“, sagt Matilda. Samira nickt. Und fügt hinzu: „Wenn wir sowas noch einmal mitkriegen, gehen wir dazwischen. Das darf man einfach nicht akzeptieren.“

Eine Aussage, die Peter Meyer gefallen dürfte. Sieht er den Sinn von Ausstellungen wie „abgestempelt“ doch zuvorderst darin, seine Schüler zu „echten Demokraten“ zu erziehen. „Sie sollen mutig sein – und aufbegehren, wo Unrecht geschieht.“ Ganz so wie Christoph Probst eben.

Auch interessant

Kommentare