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Aufnahmestopp wegen Personalmangels

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Von: Simon Nutzinger

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Weil das Personal fehlt, können Pflegebetten in Gilching nicht belegt werden.
Weil das Personal fehlt, können Pflegebetten in Gilching nicht belegt werden. © Angelika Warmuth

Die Kapazitäten sind erschöpft, die Mitarbeiter am Maximum ihrer Leistungsfähigkeit. Wer an diesen Tagen nach einem Platz für Oma oder Opa im Seniorenheim des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Gilching fragt, den erwartet zunächst einmal eine Absage. „Wir können derzeit keine weiteren Bewohner aufnehmen“, räumt Karin Windorfer, Pressesprecherin des BRK, ein.

Gilching - Akuter Personalmangel zwingt die Einrichtung zu diesem Schritt – und das nicht zum ersten Mal. Eine Sondersituation sei das Ganze nämlich nicht. „Mit diesen Problemen kämpfen wir in der Pflege leider ständig“, betont Windorfer. Dies gelte beileibe nicht nur für das Rotkreuzhaus in Gilching, die ganze Branche sei davon betroffen. Allerorts fehlt es an ausgebildeten Fachkräften, an Pflegespezialisten. Und genau hier liegt laut Jan Lang, Kreisgeschäftsführer des BRK Starnberg, der Hund begraben. „Wir haben alle einen sehr hohen Qualitätsanspruch in der Pflege – sowohl die Bewohner und deren Angehörigen, als auch wir als Anbieter selbst“, betont er. „Und das ist auch gut so – aber dafür braucht es eben das entsprechende Personal.“

Das Rotkreuzhaus in Gilching betreibt sechs Hausgemeinschaften, in denen theoretisch jeweils 13 Senioren Platz finden. Aktuell stehen jedoch einige Betten leer. In den meisten Unterkünften wohnen derzeit um die zehn Personen, in einer sind es aktuell gar nur sechs. „Mehr schaffen wir momentan nicht“, sagt Windorfer. Bei einer größeren Anzahl an Senioren sei die Gefahr zu hoch, dass letztlich die Qualität der Pflege für den einzelnen leidet. „Und das ist für uns keine Option.“ Um eine Vollauslastung bewerkstelligen zu können, bräuchte es Windorfer zufolge 15 von Pflegefachkräften besetzte Vollzeitstellen. Vier davon sind momentan frei.

Die Gründe für die jüngsten Abgänge sind vielfältig. Einmal war es ein Umzug – eine klare Sache also, die in allen Arbeitsbereichen vorkommt. Aufhorchen lassen jedoch drei weitere Kündigungen. Lassen sie sich doch alle auf das Corona-Thema zurückführen. „Die Pandemie hat das Arbeiten bei uns nicht einfacher gemacht“, unterstreicht Windorfer. So habe es ein Mitarbeiter schlichtweg nicht mehr ausgehalten, ständig eine FFP2-Maske zu tragen. Ein anderer möchte sich partout nicht impfen lassen und hält auch wenig von den täglichen Tests. Ein dritter war es leid, sich immer wieder aufs Neue mit Bewohnern und Angehörigen aufgrund der geltenden Besucher-Vorschriften streiten zu müssen. „Er hat gemeint, da arbeitet er lieber an der Supermarkt-Kasse – da hat er wenigstens keine Diskussionen.“

Die Personalsituation rein auf Corona zu schieben, wäre aber verkehrt. Zu wenig Fachkräfte gab es schließlich schon vorher. Windorfer sieht vielmehr einen generellen Missstand. „Die Wertschätzung für die Pflege fehlt einfach komplett“, betont sie. Insbesondere hinsichtlich der Bezahlung. Seit 2017 habe etwa die staatliche Pflegekasse die Zuschüsse nicht mehr angehoben. „Wir würden die Löhne bei uns ja sehr, sehr gerne deutlich erhöhen, aber da brauchen wir eben Unterstützung.“ Andernfalls ginge dies nur über teurere Beiträge für die Bewohner. „Und dann kann sich die Pflege am Ende keiner mehr leisten – das ist dann genauso wenig sozial.“

Sonderaktionen, wie beispielsweise ein Tag der offenen Tür für potenzielle neue Auszubildende oder interessierte Fachkräfte, fallen pandemiebedingt aktuell flach. Windorfer bleibt somit nicht viel mehr übrig, als zu versuchen, mit Worten zu überzeugen. Denn trotz der aktuell erschwerten Bedingungen und wenig lukrativen Bezahlung, bricht sie für den Pflegeberuf eine Lanze. „Was man dafür von den Bewohnern an Liebe zurückbekommt, ist mit wenig anderen Branchen zu vergleichen“, sagt sie. Die Arbeit habe zudem Zukunft. Die Menschen würden immer älter, der Bedarf immer größer. Windorfers Fazit: „Wer in der Pflege arbeitet, tut etwas für die ganze Gesellschaft.“ Die Omas und Opas auf den Wartelisten der Seniorenheime werden es ähnlich sehen.

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