Ein Rehkitz, gut verborgen im Feld: In diesen Wochen braucht das Wild besonders viel Ruhe. In Zeiten einer Pandemie jedoch findet es diese immer weniger. Jagdpächter Karl Huber appelliert: Niemals ein Rehkitz berühren. Und Hunde immer an der Leine führen. Zuletzt hatte ein wildernder Hund in Geisenbrunn ein Reh gerissen. Foto:
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Ein Rehkitz, gut verborgen im Feld: In diesen Wochen braucht das Wild besonders viel Ruhe. In Zeiten einer Pandemie jedoch findet es diese immer weniger. Jagdpächter Karl Huber appelliert: Niemals ein Rehkitz berühren. Und Hunde immer an der Leine führen. Zuletzt hatte ein wildernder Hund in Geisenbrunn ein Reh gerissen.

Hund beißt Tier in Kehle

Gehetzt und getötet: Reh leblos im Wald gefunden - „Bitterlich klagen gehört“

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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Ein wildernder Hund hat in Geisenbrunn ein weibliches Reh gehetzt und dann durch einen Biss in die Kehle getötet. Der Vorfall ereignete sich am frühen Abend des 8. April. Der Jagdpächter hat Anzeige gegen den Hundehalter erstattet.

Geisenbrunn - Karl Huber ist seit 20 Jahren Pächter der Jagd Argelsried-Geisenbrunn. Am frühen Abend des 8. April habe ihn ein Landwirt angerufen. „Er hatte das Reh im Wald bitterlich klagen gehört.“ Der Hundebesitzer habe wohl bereits nach seinem Hund gesucht, sei dann aber nicht mehr vor Ort gewesen. „Ich bin dann los und habe mit meinem Hund eine Nachsuche gemacht.“ Als Huber das Reh fand, war es bereits verendet. „Ich habe es geborgen und bin zu dem Hundebesitzer hingefahren. Er war natürlich schockiert.“ So wie der Hund den Biss an der Kehle des Tieres angesetzt habe allerdings, wäre das nicht das erste Mal gewesen, glaubt Huber. Er fuhr im Anschluss zur Polizei nach Germering, gegen den Hundebesitzer wird nun ein Ordnungswidrigkeitenverfahren nach dem Bayerischen Jagdgesetz eingeleitet. Es gibt insgesamt drei Zeugen für das Geschehen, auch die Untere Jagdschutzbehörde ist involviert.

Bayern (Geisenbrunn): Reh gehetzt und getötet

Die Polizei Germering weist darauf hin, dass die zu erwartende Geldbuße bei Weitem nicht die schlimmste Konsequenz für den Hundebesitzer ist. Gemäß Bayerischen Jagdgesetz sind zum Jagdschutz berechtigte Personen befugt, wildernde Hunden und Katzen zum Schutz des Wildes zu töten. Hunde gelten als wildern, wenn sie sie im Jagdrevier erkennbar Wild nachstellen und dieses gefährden können. Katzen gelten als wildernd, wenn sie in einer Entfernung von mehr als 300 Metern vom nächsten bewohnten Gebäude angetroffen werden.

Huber weiß das natürlich, „aber das tut sich kein Jäger an“. Dennoch: „Es wird jedes Jahr schwieriger da draußen.“ Die Pandemie habe dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt. „Die Menschen, Reiter, Spaziergänger, Hundebesitzer, Jogger und Radler sind überall und zu jeder Zeit.“ Dem Wild fehlten die Rückzugsmöglichkeiten, „die Tiere kommen nicht mehr zur Ruhe“. Er verstehe, dass die Menschen raus wollten, „aber sie müssen doch nicht überall sein.“ Er mache da draußen schon sehr seltsame Beobachtungen. Angefangen bei den Joggern, die mit ihren Stöpseln in den Ohren von der Natur nur wenig mitbekämen über den Hundebesitzer, dessen Tier im eingesäten Winterweizen sein Geschäft verrichte bis hin zu denjenigen, die querfeldein und mitten durch den Wald und das Gehölz liefen, obwohl dies gerade die Hochzeit der Bodenbrüter ist. Ganz abgesehen „von den menschlichen Hinterlassenschaften, die findet man auch überall, weil die Gastronomie geschlossen ist“. Andererseits dürfe er als Jagdpächter auch nicht zu streng auf die Menschen zugehen, „dann sägen sie mir gleich den Hochstand an“.

Geisenbrunn in Bayern: Hund beißt Reh tot - Immer mehr Hundebesitzer durch Pandemie

Bei Rehwild handele es sich um Wiederkäuer. „Rehe müssen als sechs Stunden fressen, dann brauchen sie Ruhephasen. Wenn das alles nicht geht, wird es schwierig.“ In den nächsten Wochen folge die Setzzeit. Rehkitze hätten zum Glück keinen Geruch. „Daher appelliere ich immer an alle, dass sie die Kitze niemals berühren.“ Denn die Geiß würde sie dann nicht mehr annehmen. Alles Fakten, über die man aufklären müsse. „Wir überlegen unter uns Jagdkollegen oft, was wir tun könnten.“ Huber hat schon viele schlimme Dinge in Zusammenhang mit wildernden Hunden erlebt. Zu Zeiten der Corona-Pandemie seien die Tierheime leer gewesen, alle hätten nun Hunde. „Aber ein Hund ist eine Aufgabe. Wenn er nicht gehorcht, muss man ihn an die Leine nehmen.“

Am gleichen Tag, an dem der Hund das Reh riss, hetzte ebenfalls in Geisenbrunn ein weiterer einen Hasen über einen Feldweg und das angrenzende Feld bis hin zur Autobahn A 96. Der Hase konnte unverletzt entkommen. Die Hundehalterin allerdings erwartet ebenfalls eine Anzeige.

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