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Engagiert am Flughafen: Triwo-Berater Professor Christian Jukenack, Staatssekretär Franz Josef Pschierer, Alicia Dornier, Andreas Bulić (328 Support Services), Nico Neumann (OHB) und Volker Wallrodt (Ruag, von links)

Sonderflughafen

Der Beginn eines neuen Zeitalters am Flughafen Oberpfaffenhofen

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Auf Airbus folgt Bewo. Der neue Eigentümer setzt auf Öffnung und Expansion.

Oberpaffenhofen – Das Areal rund um den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen soll das bayerische Silicon Valley für die Luft- und Raumfahrt werden. „Wir wollen neue Unternehmen ansiedeln, bestehende wachsen lassen und mit allen Nachbarn zusammen einen großen Campus schaffen“, gab einer der neuen Flughafen-Eigentümer, Hendrik Staiger, gestern als Vision aus. Der Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium, Franz Josef Pschierer, sagte gleich Unterstützung zu. Oberpfaffenhofen sei „die Herzkammer“ der Branche im Freistaat, sagte er vor rund 100 geladenen Gästen auf dem Flughafengelände. „Forschung, Entwicklung und Produktion gehen hier Hand in Hand.“

Mehr als 6000 Menschen arbeiten mittlerweile dort – in Unternehmen wie Dornier, Ruag, OHB und 328 Support Service auf dem Flughafenareal, im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und im benachbarten Asto-Park mit seinen 70 Firmen. Die bittere Pleite von Fairchild Dornier vor fünfzehn Jahren ist längst abgehakt, das Areal regelrecht durchgestartet, ein Ende des Wachstums nicht in Sicht. Es scheint, als ob die neuen Eigentümer genau auf das richtige Pferd gesetzt haben.

Im Dezember 2016 war bekannt geworden, dass die Projektentwickler Beos (Berlin) und Triwo (Trier) den kompletten Flughafen von Airbus gekauft haben. Eine Kaufsumme von mehr als 80 Millionen Euro wurde zwar nie bestätigt, aber auch nie dementiert. Die so entstandene Firma Bewo ist nun seit Mai „mit allen Pflichten und Leistungen Eigentümer“, wie Triwo-Berater Professor Christian Juckenack erklärte. Eine Fläche von 400 000 Quadratmetern darf die Bewo mit „flugaffinem Gewerbe“ bebauen.

Dabei wurde vor allem dreierlei deutlich: Die Entwicklung soll behutsam vorgenommen werden, die Wachstumswünsche der aktuellen Mieter haben Vorrang vor dem Anwerben neuer Partner – und der Flughafen will sich für die Nachbarn öffnen. „Wir werden nächstes Jahr auch am Tag der offenen Tür des DLR teilnehmen“, sagte Juckenack. Vorbei die Airbus-Zeiten, als kaum einer genau wusste, was sich hinter dem Flughafenzaun abspielte.

„Die Zusammenarbeit hat sich in den letzten Monaten dramatisch verbessert“, sagte auch Asto-Chef Dr. Bernd Schulte-Middelich, der gestern im Anschluss Richtfest für das neue Marriott-Hotel unweit des Flughafens feierte (siehe Seite 7). „Erst zuhören und verstehen, dann handeln“, gab Triwo-Chef Staiger als Devise aus.

Erste Baumaßnahmen werden nach Angaben von Juckenack Hallen unter anderem für die Produktion von Flugzeugen und ein neuer Eingangsbereich sein. „Die Akquise neuer Partner gehen wir dezent an.“

Der Bedarf der aktuellen Hauptmieter ist auch schon immens. Die Firma Dornier beispielsweise will nächstes Jahr 80 neue Mitarbeiter für das Projekt Seastar einstellen, ein zweimotoriges Amphibienflugzeug, das 2018 in Produktion gehen soll, erklärte Alicia Dornier. Einen steilen Aufstieg hinter sich hat bereits die Firma Ruag, die unter anderem Airbus-Teile fertigt und Geschäftsflieger wartet und ausbaut. Die Mitarbeiterzahl hat sich auf 1400 verdoppelt – weiteres Wachstum nach Angaben von Geschäftsführer Volker Wallrodt wahrscheinlich.

Die Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen (DLR/GfR) rechnet damit, dass das europäische Satellitenprogramm Galileo in den nächsten drei Jahren von 18 auf 30 Satelliten wächst – und damit auch die Bedeutung von „Oberpfaffenhofen als einem der bedeutendsten Standorte für Galileo“ weiter zunehmen wird, wie Geschäftsführer Walter Päffgen sagte. Auch vor dem Hintergrund sieht die im Galileo-Programm engagierte Firma OHB mit ihren derzeit 450 Mitarbeitern ebenfalls „eine sehr positive und große Zukunft“, erklärte Vorstand Andreas Lindenthal.

Es ist offenbar der Beginn eines neuen Zeitalters am Flughafen. Triwo-Chef Staiger: „Die Strahlkraft dieses Standorts ist gewaltig.“

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