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Corona-Fälle bei Gilchinger Caterer: Die Ursache ist weiter unklar, an der Lüftung lag es laut Behörden wahrscheinlich nicht. 

Untersuchungen teilweise abgeschlossen

Nach Corona-Ausbruch: Caterer bereitet sich auf Wiedereröffnung vor

Das Catering-Unternehmen Apetito hat Konzepte für eine Wiedereröffnung des Betriebs in Gilching vorgelegt. „Zwei bis drei Tage nach erfolgter behördlicher Genehmigung“, könnten wieder Speisen an die LMU-Kliniken ausgeliefert werden, sagt eine Sprecherin.

Update 19. Juli, 19 Uhr: 

Gilching – Das Catering-Unternehmen Apetito bereitet sich offenbar mit Hochdruck auf die Wiederaufnahme des Betriebs im Gilchinger Speisenverteilzentrum vor. Wie Unternehmenssprecherin Ruth Fislage am Freitagnachmittag gegenüber dem Starnberger Merkur erklärte, gebe es „eine konkrete Planung“, die auch mit den Kliniken der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) abgestimmt sei.

Knapp 50 Mitarbeiter in Gilching mit Corona-Virus infiziert

Wie berichtet, hatte das Landratsamt vor drei Wochen den Betrieb im Gilchinger Gewerbegebiet Süd unter Quarantäne gestellt, nachdem dort erste Mitarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet worden waren. Letzten Endes hatten sich an die 50 Mitarbeiter und damit etwa die Hälfte der Belegschaft infiziert.

Am Freitag habe es einen Vor-Ort-Termin mit Vertretern des Landratsamtes gegeben, erklärte Fislage. Dabei sei es „um das Vorstellen des Wiedereröffnungskonzeptes in Verbindung mit einem überarbeiteten Hygienekonzept“ gegangen. Derweil gebe es keine neuen Erkenntnisse, wie sich das Virus so schnell hatte ausbreiten können. Die Lüftungsanlage, anfangs unter Verdacht, wurde bei Prüfungen ausgeschlossen.

Konzept für Wiedereröffnung des Betriebs in Gilching

Das Wiedereröffnungskonzept basiert nach Angaben der Sprecherin auf einem Zwei-Stufen-Plan. „Ein verändertes Angebot ermöglicht es, in der ersten Stufe weniger Mitarbeiter einzusetzen und so Kontaktmöglichkeiten zu reduzieren“, erklärte Fislage. Darüber hinaus gebe es weitere Beispiele für „Maßnahmen, die das Infektionsrisiko möglichst geringhalten sollen“. Dazu gehörten geänderte Schichtpläne, versetzte Pausenzeiten, überarbeitete Abstandsregelungen, teils neue Arbeitsplatzkonzepte sowie Homeoffice im administrativen Bereich. Einzelheiten dazu nannte sie nicht.

Noch unklar, wann Betrieb in Gilching wieder öffnet

Ebenfalls noch unklar ist, wann genau der Caterer den Betrieb in Gilching wieder aufnehmen will und darf. Fislage erklärte, dass Apetito „zwei bis drei Tage nach erfolgter behördlicher Genehmigung“ die LMU-Kliniken in Großhadern und in der Münchner Innenstadt wieder mit Essen beliefern könne. In einem ersten Schritt würde das Mittagessen für Patienten und Mitarbeiter sowie der Stationsbedarf von Gilching ausgeliefert werden. Frühstück und Abendessen dürften dann zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Apetito belieferte die LMU-Kliniken vor dem Corona-Ausbruch täglich mit 4800 Patientenessen und 1600 Mitarbeiteressen. Dabei kommt das sogenannte Cook-&-Freeze-Prinzip zur Anwendung. Die Speisen werden an einem anderen Ort gekocht und gleich danach schockgefrostet. So kommen sie nach Gilching, wo die einzelnen Speisenkomponenten nach den Bestellwünschen der Patienten und Mitarbeiter zu kompletten Mahlzeiten zusammengestellt, auf Tabletts aufgeteilt und schließlich ausgeliefert werden.

Gilching/Starnberg – Die Ursache des Corona-Ausbruchs beim Cateringunternehmen Apetito in Gilching ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht auf die Lüftungsanlage zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis kamen Landratsamt, Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, TÜV Süd und LMU München nach Untersuchungen vor Ort. Somit bleiben die Hintergründe des Ausbruchs, bei dem von 94 anwesenden Mitarbeitern der Firma 48 infiziert wurden, weiter unklar. Sicher ist hingegen, dass Apetito an diesem Samstag den Betrieb nicht wieder aufnehmen wird.

Die Lüftung, anfangs unter Verdacht, sei es „in der vorliegenden Funktionsweise“ wahrscheinlich nicht gewesen, teilte das Landratsamt am Freitag mit. „Ein Hygienekonzept hat vorgelegen. Ob die darin festgelegten Vorgaben eingehalten worden sind und ob Verstöße gegen die Infektionsschutzverordnung vorliegen, wird soweit möglich ermittelt“, erklärte Sprecherin Barbara Beck. Derzeit arbeite die Firmenleitung an einem neuen Hygienekonzept und überlege, ob der Leistungsumfang angepasst werden muss, um künftige Infektionsrisiken oder Ketteninfektionen auszuschließen. 

Standort Gilching bleibt vorerst geschlossen

Das Unternehmen bestätigt dies: „Wie wir unser bestehendes Hygienekonzept in Gilching anpassen werden, zeigt sich nach unserer Abstimmung mit der Uniklinik als Eigentümer des Speisenverteilzentrums (der Standort Gilching, Anm.d.Red.) und wenn die derzeit noch laufenden Untersuchungen entsprechende Ergebnisse erbracht haben“, erklärte eine Apetito-Sprecherin.

Landrat Stefan Frey hatte vor 14 Tagen den Standort geschlossen, diese Festlegung läuft an diesem Samstag aus. Der Betrieb bleibt weiter zu. Die Apetito-Sprecherin: „Wann er wieder in Betrieb genommen werden kann, ist derzeit noch unklar.“ Das Landratsamt wird in diese Entscheidung eingebunden.

„Uns ist es wichtig, eine nochmalige Verbreitung des Infektionsgeschehens – gerade in diesem Umfang – künftig auszuschließen. Deshalb nehmen wir die Faktoren, die dafür ursächlich sein können, besonders in den Blick. Hierzu stehen wir fachlich wie rechtlich mit dem Unternehmen wie auch mit dem Landesamt für Gesundheit im intensiven und engen Kontakt“, erklärte Frey am Freitag. Wer das Virus in den Betrieb eingebracht habe, lasse sich nicht nachvollziehen.

Ausbruch mit Folgen: Gesundheitsamt ermittelt 471 Kontaktpersonen

Von den 48 Corona-Fällen bei Apetito stammen 24 aus dem Landkreis, davon wiederum 13 aus Flüchtlingsunterkünften. In der Folge diese Infektionen gab es 20 weitere Fälle in Gemeinschaftsunterkünften, fünf Einrichtungen wurden unter Quarantäne gestellt. Weitere Bilanz des Landratsamtes: „Im Rahmen des Ausbruchsgeschehens fanden vielfältige Reihentestungen statt. Neben den Bewohnern der unter Quarantäne stehenden Asyl-Gemeinschaftsunterkünfte in Seefeld Hechendorf, Seefeld, Herrsching, Pöcking und Weßling wurden auch die Bewohner der Einrichtungen in Breitbrunn und einer kleineren Einrichtung in Herrsching getestet. Die Ergebnisse dort sind alle negativ verlaufen. Das ,Contact Tracing Team‘ im Gesundheitsamt hat in mühevoller Kleinarbeit und hunderten von Telefonaten sämtliche Kontaktpersonen der infizierten Personen ermittelt. Stand heute gibt es derzeit 471 Kontaktpersonen.“

Landrat Stefan Frey mahnt zur Vorsicht

Für Frey zeigt der Ausbruch einmal mehr, dass Corona eine Gefahr ist. Der Landrat: „Bitte achten Sie weiterhin, beruflich oder privat, auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Das Coronavirus ist nicht weg. Es gibt mittlerweile genug Fälle, die uns deutlich vor Augen führen, wie schnell und unberechenbar, man sich anstecken kann.“

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