Einmal Zunge raus, bitte: Dr. Rudolf Schwab nimmt eine Speichelprobe bei Stefan Hartmann aus Gilching.
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Einmal Zunge raus, bitte: Dr. Rudolf Schwab nimmt eine Speichelprobe bei Stefan Hartmann aus Gilching.

Neues Test-Center im Landkreis Starnberg

Corona-Jäger auf dem Festplatz

  • Simon Nutzinger
    vonSimon Nutzinger
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Autofenster nach unten, Mund auf, Stäbchen rein, Stäbchen raus, Autofenster nach oben, weiter geht’s. An einer Drive-in-Station können sich seit gestern bis zu 200 Landkreisbürger pro Tag auf dem alten Festplatz in Gilching auf das Coronavirus testen lassen.

Gilching – Jetzt bloß nichts durcheinanderbringen. Eine Speichelprobe nach der anderen nimmt Evelyn Schroeter aus den Händen von Dr. Rudolf Schwab entgegen und packt diese gemeinsam mit den entsprechenden Kontaktscheinen in Klarsichtfolie. Alles fein säuberlich voneinander getrennt, versteht sich. Hauptsache Name und Probe gehören zur selben Person. „Da darf nichts schiefgehen“, sagt die Frau, die mit ihrem blauen Ganzkörper-Schutzanzug samt Handschuhen und Haube auch ohne Weiteres das Team der Ghostbusters unterstützen könnte. Doch jagt Schroeter keine Geister. Sie ist dem Corona-Virus auf der Spur. Gemeinsam mit dem Arzt Rudolf Schwab bildet sie die letzte Station des seit gestern geöffneten Corona-Drive-in-Testcenters auf dem alten Festplatz in Gilching.

Bis zu 200 Landkreisbürger pro Tag können sich dort fortan montags bis freitags zwischen 8 und 16.30 Uhr kostenlos auf Covid-19 testen lassen. Nachdem bundesweit die Zahl der Infizierten zuletzt gestiegen war, hat die Staatsregierung jeden Landkreis zur Einrichtung einer solchen Station verpflichtet. Um zu den Getesteten zu gehören, bedarf es allerdings einer Anmeldung übers Internet spätestens am Vortag des gewünschten Termins (siehe Textende).

Wer die wichtigsten persönlichen Daten sowie den Grund, warum er sich testen lassen möchte, angibt, erhält einen QR-Code auf sein Handy geschickt. Dieser (alternativ: eine ausgedruckte Bestätigungs-Mail) gepaart mit Personalausweis und Gesundheitskarte ist so etwas wie der Passierschein ins Reich der Aicher Group, die das Drive-in im Auftrag des Landratsamtes betreibt.

Wer alle Unterlagen dabei hat, fährt mit seinem Auto an zwei Sicherheitsleuten vorbei und rollt vorsichtig in Zeltstation eins. Dort erfragen drei Aicher-Mitarbeiter kurz und knackig weitere persönliche Daten und reichen den ausgefüllten Kontaktschein an die Kollegen im Zelt Nummer zwei weiter – dem Testzelt von Dr. Rudolf Schwab und seiner Assistentin Evelyn Schroeter. Diese nehmen durch das geöffnete Autofenster einen Abstrich und verpacken die in Röhrchen gefüllten Speichelproben mitsamt den personalisierten Kontaktscheinen in eine Kiste, die am Ende jedes Tages in ein Labor nach Augsburg gebracht wird. Spätestens 48 Stunden später soll jeder Proband sein Testergebnis über die dafür zwingend notwendige Corona-Warn-App aufs Handy gespielt bekommen.

Begeistert von dem neuen Testcenter im Landkreis ist Stefan Hartmann. „Hat alles zügig und reibungslos funktioniert“, betont der 58-jährige Gilchinger, der gestern zu den ersten Testpersonen auf dem Festplatz zählt. Innerhalb weniger Minuten war das Prozedere für ihn in beiden Zelten erledigt. „Da wartet man an der Grenze oder beim Hausarzt deutlich länger“, sagt er. Die vergangene Woche hat Hartmann am Gardasee verbracht. Risikogebiet sei Italien keines, das ist ihm klar. Auch Symptome habe er keine. „Aber ich möchte mit gutem Beispiel vorangehen und mich selbst sowie meine Mitmenschen schützen.“ Und da helfe eben nur ein Test.

Eine gute Einstellung, findet Ulrike Krivec. „Je mehr Leute kommen, desto aussagekräftigere Ergebnisse bekommen wir“, sagt die Leiterin Kommunikation der Aicher Group. Die Nachfrage im Landkreis ist hoch. Zum gestrigen Start waren alle Termine belegt, auch an den kommenden Tagen rechnet Krivec mit je 200 Personen. Wichtig ist ihr dabei, dass diese möglichst mit dem Auto zum Festplatz kommen. „Da ist der Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern zwischen Testperson und Mitarbeitern am besten gewährt.“ Wer dennoch zu Fuß oder mit dem Fahrrad erscheint, wird allerdings nicht nach Hause geschickt. „Jeder hat ein Recht auf seinen Test.“

Unfreiwillig ihr Auto verlassen musste gestern Sophia Schamberger. Der Sprinter der 27-Jährigen aus Wörthsee war zu hoch für das Zelt. „Ein blöder Zufall“, räumt Krivec ein. Also spazierte Schamberger eben zu Fuß durch die beiden Zelte. „Hat für mich auch gepasst“, sagt sie. Als Leiterin verschiedener Seminare mit Jugendlichen will sie auf Nummer sicher gehen, was eine mögliche Ansteckungsgefahr betrifft. Zudem steht demnächst ein Besuch bei der Oma an. „Da fährt man dann doch mit einem besseren Gefühl hin, wenn man weiß, dass gesundheitlich alles passt.“

Anmeldung zum Test

Wer sich an der Drive-in-Station in Gilching auf das Coronavirus testen lassen möchte, kann sich im Internet unter der Adresse www.coronatest-sta.de anmelden.

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