Der Maibaum und sein Erfinder, René Weber.
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Der Maibaum und sein Erfinder, René Weber.

33 Zentimeter Maibaumglück

Maifest trotz Corona: Vorstand von Brauchtums-Verein hat kuriose Idee - und trifft damit einen Nerv

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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Ein 1. Mai ohne Maifest – das sollte es bei René Weber, Vorstand des Vereins Guichinger Brauchtum, nie geben. Dann kam Corona. Also überlegte sich etwas anderes - und traf damit einen Nerv.

Gilching – Die besten Ideen kommen im Schlaf, heißt es. Bei René Weber war das im Februar tatsächlich so. „Mir ist das nachts eingefallen“, erzählt der 39-jährige Vorstand des Vereins Guichinger Brauchtum. Er wollte unbedingt eine Möglichkeit schaffen, dass die Gilchinger trotz Pandemie und Veranstaltungsverbot ihre Maifeier erleben – und zwar mit allem Drum und Dran.

Corona im Landkreis Starnberg: Vorstand von Brauchtumsverein kreiert Maibaum zum Selberbasteln

Seit wenigen Tagen gibt es nun einen 33 Zentimeter hohen Maibaum zum Selberbasteln zu kaufen. Die ersten 100 Stück waren sofort vergriffen, in der Warteschleife stecken 60 Bestellungen, weitere werden nicht entgegengenommen. Weber muss sich selber wundern über die Dynamik, die sich rund um seinen Mini-Maibaum entwickelt hat.

Die ganze Geschichte geht so: Weber ist seit zwei Jahren Vorstand des Brauchtum-Vereins. Dem gebürtigen Geisenbrunner sträuben sich jetzt noch die Haare, wenn er darüber nachdenkt, dass es vor seiner Zeit mal keine Maifeier gab in Gilching. „Das sollte nie passieren bei mir, das habe ich mir versprochen“, sagt der Informatiker, der seit fast zwei Jahren Vater einer kleinen Tochter ist.

Corona-Maibaum dahoam: Gilchinger bastelt mit Mitstreitern im Keller erste Prototypen

Die Pandemie allerdings durchkreuzte sein Versprechen, am 1. Mai 2020 blieb es still um den Maibaum. Nun ist immer noch Pandemie und alles spricht dafür, dass das Brauchtum am 1. Mai 2021 erneut ins Wasser fällt. „Ich hab mir dann überlegt, wie man daheim einen Baum aufstellen könnte.“ Weil er selbst keinen Garten hat, kam ein meterhoher Baum nicht in Frage. „Es sollte einer sein, den man auf den Tisch stellen kann.“

Das war der Anfang langer Bastelabende. In seinem Keller fertigten Weber und Mitstreiter aus der Vorstandschaft erste Prototypen an. Es sollte ein Stecksatz werden, für den niemand irgendwelche Gerätschaften braucht. Das Projekt gewann an Struktur. Und der Maibaum ging in Serie. Neun Vereinsmitglieder sind jeweils einen ganzen Tag damit beschäftigt, die verschiedenen Bausatzteile für einen Baum zu fertigen.

Landkreis Starnberg: Zum Corona-Maibaum mit dazu gibt‘s ein gratis Schweinebraten-Rezept

Vereinsintern machte Weber bis Ende März nur Andeutungen. „Gilching stellt auf“, oder „Maibaum aufstellen 2021“ hieß es kryptisch auf den sozialen Kanälen. Dazu machte Weber lustige Bildchen mit Playmobil-Figuren. „Da waren alle schon sehr neugierig. Im Newsletter Ende März haben wir dann für die Mitglieder die Bombe platzen lassen“, erzählt Weber, und es steht ihm ins Gesicht geschrieben, was für eine große Gaudi die ganze Nummer ist.

An Ostern gab es den Maibaum-Stecksatz dann ganz offiziell, und so schnell konnte Weber gar nicht schauen, wie die kleinen Kartons vergriffen waren. „Wir haben dann schon gründlich überlegt, ob wir wirklich nachlegen“, sagt er. Denn wie gesagt: In jedem Stecksatz stecken an die 20 handgefertigte Einzelteile. Und das alles für 15 Euro. „Teurer wollten wir das nicht machen. Und 15 passt ja auch zum 1.5.“, grinst Gaudibursch Weber.

Gilching: Corona-Maibaum kann traditionell aufgerichtet werden - mit zwei Stecken und einem Hanfseil

Nun macht ein Maibaum allein ja kein Maifest. Also gibt es gratis dazu ein Rezept für Schweinebraten und einen Link zu Youtube-Videos, in denen die Jugendlichen Korbinian Lallinger und Sonja Skokanitsch einen kleinen Tanzkurs geben. Wer fleißig übt, kann sich dann kurz vor dem 1. Mai auch noch eine Playlist mit der passenden Musik herunterladen.

Ein zauberhaftes Detail noch am Rande: Der Maibaum kann traditionell aufgerichtet werden. Dazu gibt es zwei Stecken und ein Hanfseil, aus dem Schwalben gebunden werden. Mit der Schwalbe wird der Maibaum eingespannt und mit einem lauten „Hauruck“ Stück für Stück nach oben gehoben. „Steht der Maibaum, wird der obere Bolzen eingesetzt, laut gejubelt und gefeiert“, heißt es in der Anleitung. Und das alles trotz Corona!

Nun noch die schlechte Nachricht: Zwar werden weitere Maibäume produziert, am Ende sollen es 260 sein. Aber diese können nur zu bestimmten Verkaufszeiten im Vereinsraum bei der Feuerwehr und in geringer Stückzahl beim Gasthof Widmann und in Schmitts Wurststadel (Römerstraße 77) in Gilching erworben werden.

Ein Sonderimpftag ist am Wochenende im Landkreis Starnberg geplant. Innerhalb von neun Stunden soll es 1000 Corona-Impfungen geben. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Starnberg-Newsletter.

(Von Hanna von Prittwitz)

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