Wenn es nach dem Kultusministerium geht, sollen sich Grundschüler vor Schulbeginn im Klassenzimmer selbst testen. Bei den Eltern stößt dies auf viel Kritik.
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Wenn es nach dem Kultusministerium geht, sollen sich Grundschüler vor Schulbeginn im Klassenzimmer selbst testen. Bei den Eltern stößt dies auf viel Kritik.

„Spannend, wenn das Sechs- oder Siebenjährige allein machen sollen“

Corona-Selbsttests für Schüler: Mutter schreibt empörten Brief an Piazolo - „Jetzt ist mein Verständnis aus“

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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Bisher war Myriam Krall aus Gilching im Großen und Ganzen einverstanden mit der Corona-Politik. Die Vorgaben zu den Selbsttests für Schülerinnen und Schüler jedoch kann die 48-Jährige nicht mehr nachvollziehen.

Gilching - Verärgert schrieb die Mutter von drei Kindern, darunter eine Neunjährige, am Dienstag einen offenen Brief an Kultusminister Dr. Michael Piazolo und setzte Landrat Stefan Frey auf Kopie. Letzterer reagierte prompt. Und versucht einen Sonderweg.

Schüler sollen Corona-Selbsttests machen: Mutter empört - „Kann mir nicht vorstellen, was Sie sich dabei gedacht haben“

„Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was Sie und Ihr Ministerium sich dabei gedacht haben“, schreibt Krall. Wie berichtet, fordert das Kultusministerium, dass sich Schülerinnen und Schüler morgens vor Schulbeginn im Klassenzimmer selbst testen. „Wenn man sich den Ablauf vorstellt, kann das nicht funktionieren“, so Krall. Erst müssten sich alle Kinder am, soweit vorhandenen, Waschbecken im Klassenzimmer aufstellen und die Hände waschen, dann am Platz die Masken abnehmen, um anschließend mit den drei, vier Teilen des Schnelltests zu hantieren. „Spannend, wenn das Sechs- oder Siebenjährige allein machen sollen.“

Im Anschluss müssten sich die Kinder einen langen Gegenstand in die Nase stecken, „wovor wir sie, seit sie klein sind, eindringlich warnen“. Dann müsste das Teststäbchen auf dem Tisch abgelegt werden, „denn irgendwo muss es abgelegt werden, spätestens nach dem Entnehmen der Trägerflüssigkeit“. Damit sei der gesamte Platz kontaminiert. Optimalerweise würden sich die Kinder dann nochmals die Hände waschen und den Abfall entsorgen. „Aber wo? Im Abfalleimer des Klassenzimmers?“ Die Kinder, die positiv seien, würden dann von der Klasse ausgeschlossen und isoliert. „Ist das psychologisch wertvoll?“

Corona-Schnelltests für Kinder: Mutter schreibt offenen Brief an Piazolo - „Was ist das für eine Strategie?“

Die Idee, dass die Lehrer das gesamte Prozedere überwachen, hält Krall „für absurd“. In ihrem Brief erzählt die 48-Jährige ergänzend, dass die beste Freundin ihrer Tochter beim Arzt gewesen sei – mit Halsschmerzen und Fieber. Dort sei sie aber nicht getestet worden, weil am Vortrag bereits der Vater getestet worden sei. Es habe geheißen, das würde reichen. „Was ist das für eine Strategie?“

Krall hat lange überlegt, ob sie dieses Fass aufmacht. „Ich habe die Regierung immer bei allem unterstützt. Aber jetzt ist mein Verständnis aus“, schreibt sie. Dazu komme, dass offensichtlich einigen Schulleitern ein Maulkorb verpasst worden sei. Krall selbst unterrichtet an einer privaten Fachoberschule. Die Reaktionen auf ihren offenen Brief seien durchweg positiv, sagt sie im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Alle finden: Endlich sagt mal einer was.“ Ihr Vorschlag: Die Kinder sollten Sonntagabend daheim getestet werden.

Corona-Selbsttests: Nach offenem Brief an Kultusminister Piazolo - Landratsamtsamt reagiert prompt

Im Landratsamt hat man sich bereits am Dienstag dafür entschieden, dass jede Schule selbst bestimmen kann, wie sie vorgehen möchte. Dies teilte Landrat Frey Myriam Krall in einem Schreiben mit. Die Schulen würden die Selbsttests erhalten und könnten dann selbst entscheiden, ob die Schüler diese mit nach Hause nehmen oder die Tests in der Schule machen. Frey hatte gleich angekündigt, dass man das Schulamt informiere, aber nicht wisse, ob das Kultusministerium mitmache. Laut Mitteilung des Landratsamts lag dazu am Mittwoch noch keine Stellungnahme vor.

Die Zahl der Corona-Infizierten im Landkreis Starnberg steigt weiter jeden Tag an. Am Mittwoch kamen 26 neue Fälle dazu - der höchste Wert an einem Mittwoch seit mehr als zwei Monaten. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Starnberg-Newsletter. 

(Von Hanna von Prittwitz)

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Kommentare

MuclAntwort
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JodlermitTraditionAntwort
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Der Großteil. Ich führe da keine Statistik bin aber immer wieder überrascht, dass Kombi und Van so wenig vertreten sind. Aber auf die Bordsteine kommt man doch auch nur mit seinem Allrad SUV...
Das Klischee dürfte statistisch gut zutreffen mit der Helikopter Mama und ihrem SUV. Ist das denn von Belang ob SUV oder nicht?

JodlermitTraditionAntwort
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Weil der Test negativ sein kann, auch wenn Sie Corona positiv sind. Entweder weil Sie am Beginn der Erkrankung stehen oder weil diese Tests nunmal eher im Bereich 70% Sicherheit als so ein PCR Test stehen...
Schafe sind die, die keine Ahnung haben aber der erstbesten Aussage anhängen die ihr eigenes Weltbild unterstützt.