„Ich möchte praktisch der Leitwolf sein“: Markus Richter auf der Treppe seines Bauwagen-Büros auf dem Gelände der Hundeschule in Gilching mit Majak, Gasthund Maxl sowie Jackson.
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„Ich möchte praktisch der Leitwolf sein“: Markus Richter auf der Treppe seines Bauwagen-Büros auf dem Gelände der Hundeschule in Gilching mit Majak, Gasthund Maxl sowie Jackson.

Hundetraining

Der Hundeflüsterer von Gilching

Sogenannte „Corona-Hunde“ bleiben ein Problem. Das sieht auch der Gilchinger Hundetrainer Markus Richter so. Er gibt Tipps, wie Frauchen, Herrchen und der Hund besser miteinander klarkommen. Das konnte man sich auch im Fernsehen anschauen.

Gilching – Der Hund gilt als der beste Freund des Menschen. Derzeit sind es laut Statistik rund sechs Millionen Fellnasen, die in deutschen Haushalten Platz gefunden haben. Wer hätte nicht gerne so einen guten und allzeit bereiten Freund zu Hause auf der Couch liegen? „Dagegen ist nichts einzuwenden“, sagt Markus Richter. Der 57-jährige Hundecoach mit Hundeschule in Gilching bemängelt allerdings, dass sich viele Menschen oft unüberlegt Haustiere zulegen, ohne sich vorher zu informieren, was auf sie zukommt.

„Die Anschaffung eines Hundes gleicht dem Kauf einer Wundertüte“, erklärt Richter, der ursprünglich aus Hessen kommt. Bei einer billigen Wundertüte allerdings ist man höchstens enttäuscht, das hat keine Konsequenzen. Entwickelt sich allerdings ein Hund anders als geplant, kann dies für alle Beteiligten zu einer Katastrophe führen. „Was nicht am Hund liegt, sondern schlichtweg daran, für sich oder für die Familie den falschen Hund gewählt zu haben“, bedauert Richter. „Kauft sich jemand ein Auto, informiert er sich vorher genau, was so ein Fahrzeug auf Dauer kostet und ob es für die persönlichen Verhältnisse auch geeignet ist. Beim Hund wird rein nach Gefühl entschieden. Tritt der Alltag ein, gibt es oft ein böses Erwachen. Leidtragende sind die Hunde, die dann ausgesetzt oder ins nächste Tierheim gebracht werden.“

Bestes Beispiel ist in Richters Augen der Lockdown. In den vergangenen Monaten wurden mehr denn je Hunde aus dem Ausland oder aus zweifelhaften Zuchtanstalten angeschafft. „Die Tierheime sind mittlerweile voll, weil viele spät erkennen, dass der Hund Arbeit macht, Geld kostet und keine acht Stunden alleine zu Hause bleiben kann. Wie ein überflüssiges Möbelstück wird er dann wieder abgegeben.“

Gelegenheit zu zeigen, wie es besser laufen kann, hatte Richter im Rahmen der BR-Serie „Das perfekte Herrchen“. Seine Aufgabe war es, für Tierheim-Hunde über ein Auswahlverfahren den besten Platz „für immer“ zu finden. Dabei wurden jeweils drei Bewerberfamilien auf Herz und Nieren geprüft. „Die Resonanz auf die Sendungen war riesig. Ich konnte so vermitteln, auf welche Dinge geachtet werden muss, bevor der Vierbeiner einzieht“, freut sich Richter, der sich einst über ein Jahr lang zum Hundecoach ausbilden ließ und bei namhaften Experten Fortbildungen besuchte. „Ich möchte Hunde so erziehen, dass der Mensch versteht, wie Hunde miteinander umgehen. Ich möchte praktisch der Leitwolf sein“, sagt Richter in der Sendung. Der Hund müsse sich dem Menschen anpassen, oft sei es jedoch umgekehrt. „Und dann gibt es Missverständnisse.“ Perfekte Herrchen oder Frauchen seien Menschen, die einen Hund brauchten, mit ihm etwas erleben wollten und sich viel um ihn kümmern würden.

Es ist faszinierend, den gelernten Physiotherapeuten und passionierten Musiker auf dem Gilchinger Trainings-Gelände im Umgang mit seinen zwei Husky-Akita-Mischlingen zu beobachten. Ein Blick oder eine Handbewegung genügen, und der neunjährige Jackson und die 14-jährige Majak wissen, was Herrchen erwartet. Den Erfolg als Hundecoach begründet Richter unter anderem mit seiner Liebe zu den Tieren und den Menschen gleichermaßen. Und damit, „dass ich zu 80 Prozent mit den Menschen arbeite und nicht mit den Tieren. Der Rest ergibt sich dann von selbst.“

Näheres zu den Kursen von Markus Richter gibt es im Internet unter www.hundecoach-markus-richter.de.

Uli Singer

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