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Der Schlager-Rapper aus Gilching

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Von: Hanna von Prittwitz

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Schlager-Rap-Pionier Ricardo Weininger alias Ricky Reason aus Gilching bei Dreharbeiten zu seinem Video zu „Hätt ich Dich nicht getroffen“. Gedreht wurde am Wörthsee.
Schlager-Rap-Pionier Ricardo Weininger alias Ricky Reason aus Gilching bei Dreharbeiten zu seinem Video zu „Hätt ich Dich nicht getroffen“. Gedreht wurde am Wörthsee. © roman zrenner

Der Pionier, fast schon Erfinder des sogenannten Schlager-Raps heißt Ricky Reason und lebt in Gilching. In diesen Tagen ist seine Version von „Live Is Life“ von Opus aus dem Jahr 1984 im Radio zu hören.

Gilching – Viel Zeit hat Ricky Reason, dessen richtiger Name Ricardo Weininger lautet, an diesem Nachmittag nicht. Denn der 32-Jährige führt zwei Leben: das als Schlager-Rapper und das als ausgebildeter Elektriker in der Firma seines Vaters, Weininger Elektro Service, in Gilching. „Das ist manchmal schwierig zu vereinbaren“, gibt er offen zu. Andere hätten vielleicht schon längst das Handtuch geschmissen, nach vielen Jahren Hin und Her. „Aber ich habe gute Nerven.“ Das klingt glaubwürdig. Ricardo Weininger spielt zwar selbst kein Instrument. Und bis zu seinem 16. Lebensjahr hatte er mit Musik auch gar nicht viel am Hut. Dann, in der 9. Klasse, erzählte seine Lehrerin von ihrem Sohn, der Musik produzierte. „Danach habe ich mir eine Musiksoftware gekauft und angefangen.“

2008 lernte er Roman Zrenner, ebenfalls aus Gilching, kennen. „Ich wusste, er spielt Gitarre. Und ich wollte was mit einem Gitarristen machen. Da habe ich ihn angesprochen.“ Seither sind die beiden gemeinsam unterwegs – Weininger als Rapper und Produzent, Roman Zrenner – dessen Künstlername Rome Pathé lautet – als Komponist und ebenfalls Produzent. Im Hintergrund agiert Elmar Schäfer, geschäftlicher Wegbegleiter von beispielsweise Schauspieler Mark Keller, und entsprechend mit der Szene vertraut.

„Wir haben uns anfangs ein bisschen durchgeschlängelt“, erzählt Weininger. Er bespielte Bühnen im Landkreis, trat beim Battle of Bands in Herrsching auf, im alten Bahnhof in Steinebach. „Aber ich wollte auf die große Bühne. Und hab mich gefragt: Wie mache ich das?“. In den nächsten Wochen und Monaten produzierte Weininger eine Remix-Version von Juliane Werdings Song „Am Tag, als Conny Kramer starb“, und brachte ihn ihr persönlich vorbei. Mit dem Musiker Jonathan Zelter produzierte er später eine Rap-Version von „Ein Teil von meinem Herzen“, ein beliebtes Hochzeitslied. „Damit sind wir dann auf Tour gegangen.“

Weininger kam viel herum, lernte viele Menschen und Künstler aus der Szene kennen und war unter anderem Vorband bei großen Acts wie Pur und Nena. „Ich habe dann plötzlich mitgemischt“, sagt er heute. Auch wenn sich Schlager-Rap nach wie vor schwertue. „Das gab es vorher ja noch nicht. Und nicht jeder Radiosender lässt Rap zu. Die haben manchmal Angst um ihre Zuhörer.“ Während der Pandemie dann produzierten Weininger und Zrenner ihr erstes Album „Für Immer“ mit zwölf Songs. Und veröffentlichten daraus die Single „Hätt ich Dich nicht getroffen“. Das Video dazu drehten sie im Biergarten des Augustiner am Wörthsee. „Damit wollte ich auch zeigen, dass wir von hier kommen.“ Auf das Video folgten Bewerbungen bei TV-Shows – und auch dem ZDF-Fernsehgarten, in dem er schließlich auch auf der Bühne stand.

Was so leicht klingt, scheint harte Arbeit. „Die Musikszene ist knallhart. Es gibt viele Neider. Und man macht einen Schritt vor und drei zurück“, sagt Weininger. Er suche sich seinen eigenen, speziellen Weg – „parallel zu meinem Job als Elektriker“. Die Pandemie habe musikalisch „für den totalen Aussetzer“ gesorgt. „Aber wir haben in der Zeit das Album produziert – in vier Monaten.“ Das Geschäft sei aber einfach leichter durch persönliche Kontakte. „Bei Radio Charivari zum Beispiel bin ich einfach reingegangen. Die haben dann auch meinen Song gespielt.“ In der Pandemie seien so Aktionen dann mühsam. „Sie war das bisher Schwierigste auf meinem Weg.“

Seine Familie steht dem 32-Jährigen zur Seite. „Meine Mutter ist mein größter Fan“, sagt Weininger und lacht. „Und auch meine Schwester und mein Vater unterstützen mich sehr.“ Er selbst hört natürlich auch viel Musik, von Pop über Country bis hin zu Rap. Rapper Samy Deluxe ist sein großes Vorbild, gute Sprache beim Rap ist Weininger wichtig. Der Künstlername Ricky Reason setzt sich übrigens aus seinem Spitznamen Ricky zusammen. „Und Reason klang einfach gut.“

Mit der auch poppigen Rap-Version des Welthits „Live Is Life“ soll es jetzt weitergehen mit der Karriere. „Wir haben dafür von Opus direkt die Freigabe bekommen, was nicht selbstverständlich ist. Und uns dafür wieder für den ZDF-Fernsehgarten beworben.“ Seine Live-Is-Life-Version ist nach wie vor bei Radio Gong im Rennen. Diese Woche erst rief Weiningers Schwester Nina an und wünschte ihrem Bruder in einem launigen Telefonat mit Moderator Mike Thiel Glück.

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