Der Windkanal, das Herzstück der Firma Vectoflow von Katharina Kreitz und Dr. Christian Haigermoser. Denn im Kanal wird von früh bis spät getestet.
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Der Windkanal, das Herzstück der Firma Vectoflow von Katharina Kreitz und Dr. Christian Haigermoser. Denn im Kanal wird von früh bis spät getestet.

Firmenportrait

Die Formel 1 unter den Mess-Sonden

2015 gründeten Katharina Kreitz und Dr. Christian Haigermoser das Unternehmen Vectoflow. Zu den Kunden des Mess-Sonden-Herstellers mit Sitz in Gilching gehören unter anderem fast alle Teams der Formel 1. Jüngstes Projekt: eine Geschwindigkeitssonde für Flugzeuge, die nicht einfriert.

Gilching – „Hauptsache, es bewegt sich.“ So erklärt die 33-jährige Maschinenbauerin Katharina Kreitz, um was es bei Vectoflow geht. Das Unternehmen, das sie gemeinsam mit Dr. Christian Haigermoser gegründet hat, stellt Mess-Sonden her. „Die sehen aus wie ein Kuli“, sagt die Münchnerin. „Und die hält man in jede Form von Strömung.“ Druck, Temperatur, Geschwindigkeit, alles können die Sonden messen.

Kleines Gerät, große Wirkung. Denn die Messsonden sind sozusagen in allen Fluggeräten und Fahrzeugen. Angefangen bei der Drohne, für deren Stabilität sie sorgen, bis hin zu Flugzeugen, die sie vor Böen warnen können, oder eben bei der Formel 1 für die Optimierung. Daher hat jeder, der schon mal einen Formel 1-Wagen gesehen hat, vermutlich auch eine Sonde von Vectoflow gesehen. Das sind die kleinen L-förmigen Stangen, die auf der Front der Autos sitzen. „Das sind meistens Sonden von uns“, bestä-tigt Kreitz gelassen. Das ist aber auch die einzige Sonde, die man gut erkennen kann. „Die anderen sind eher dort, wo man nicht sein möchte“, sagt Kreitz. Nämlich in Triebwerken, Gasturbinen und Ähnlichem.

Kreitz studierte wie ihr Geschäftspartner Haigermoser (41) Maschinenbau, jedoch mit den Schwerpunkten Luftfahrt, Gasdynamik und Astronautik. Sie ist Praktikerin, daher arbeitete sie viel, unter anderem in Norwegen und den USA, hatte ein Stipendium in Paris und war zuletzt als Projektmanagerin im Risikomanagement der Lufthansa Technik in Hamburg für den Verwaltungsrat tätig. Die Idee zu Vectoflow entstand, als sie mit Haigermoser im Windkanal saß.

„Ich habe bei allen möglichen Firmen am Prüfstand gearbeitet und Messsysteme gesehen. Aber die Produkte waren schlecht, der Service schwierig. Eigentlich gab es nur einen Hersteller, und der saß in den USA.“ Erster Kunde von Vectoflow war ein Formel-1-Team. „Die wollten allerdings eine komplexere Sonde haben, als wir anbieten.“ Flugs gründeten Kreitz und Haigermoser eine GmbH, Kreitz absolvierte dafür in Windeseile noch eine Art BWL-Studium in Paris, und dann ging es auch gleich los. Bald schon zählten die großen Autobauer zu den Kunden, „dann kamen Triebwerke und Gasturbinen hinzu“.

Mittlerweile haben Kreitz und Haigermoser einen eigenen Windkanal, der nahe des Firmensitzes im Gilchinger Gewerbegebiet an der Autobahn steht. „Zum Glück, denn der ist sehr laut“, sagt Kreitz. Die Standortsuche sei schwierig gewesen, umso besser habe es ihr gefallen, dass Dr. Bernd Schulte-Middelich, Geschäftsführer der Asto-GmbH, ein Faible für den Windkanal entwickelt hätte. „Wir waren erst in München und hatten dort nicht genug Platz. Aber wir haben ewig gesucht. Das Problem war immer der laute Windkanal.“ Fast hätte sie aufgegeben, da habe sie Schulte-Middelich getroffen. „Er war der Erste, der den cool fand.“

Seit 2016 sitzt das Unternehmen nun in Gilching. 15 Mitarbeiter arbeiten bei Vectoflow, 2020 generierten sie 1,6 Millionen Euro Umsatz. Der Platz in Gilching reicht schon nicht mehr, „wir sind immer auf der Suche“. Die Sonden werden unter anderem im 3D-Drucker bei der Firma EOS in Krailling gedruckt. Kreitz spricht von einer „typisch altdeutschen, langsamen Firmenentwicklung“. Dabei ist Vectoflow schon in mehr als 70 Ländern vertreten. In den USA bauen Haigermoser und Kreitz derzeit eine zweite Niederlassung auf.

Kreitz liegt nicht nur die Entwicklung von Sonden am Herzen. Sie möchte Mädchen und Frauen ermuntern, sich nicht einschüchtern zu lassen. „Es gibt Statistiken darüber, dass Mädchen in der Grundschule in Mathe besser sind als Jungen“, sagt sie und glaubt, dass das ein gesellschaftliches Problem ist. „In meinem ersten Praktikum für das Maschinenbaustudium habe ich mir lange anhören müssen, das wäre nichts für mich.“ Sie habe das zwischenzeitlich fast geglaubt. „Mehr Normalität wäre da schön.“

Jüngstes Kind ist übrigens eine spezielle Sonde für Flugzeuge. In der Nacht zum 1. Juni 2009 sorgte eine eingefrorene Geschwindigkeitssonde für das schwerste Flugzeugunglück in der Geschichte der Air France mit 228 Toten. „Unser System friert nicht ein und braucht trotzdem nicht so viel Strom“, erklärt Kreitz. Derzeit arbeite sie an der Zertifizierung, „die länger dauert, weil es um Menschenleben geht“. Airbus und Boing hätten schon angefragt.

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