In diesen Unterlagen stecken die Ideen für die weitere Entwicklung am Flughafen (v.l.): Weßlings Bürgermeister Michael Sturm, Peter Adrian und Professor Christian Juckenack vom Flughafeneigentümer, Landrat Stefan Frey, Gilchings Bürgermeister Manfred Walter, gwt-Chef Christoph Winkelkötter und Gautings Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger.
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In diesen Unterlagen stecken die Ideen für die weitere Entwicklung am Flughafen (v.l.): Weßlings Bürgermeister Michael Sturm, Peter Adrian und Professor Christian Juckenack vom Flughafeneigentümer, Landrat Stefan Frey, Gilchings Bürgermeister Manfred Walter, gwt-Chef Christoph Winkelkötter und Gautings Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger.

Campus soll weiter wachsen – Neues Gewerbegebiet geplant – „Asto-Eco-Park“ gestorben

Die Giga-WG am Flughafen

  • Peter Schiebel
    VonPeter Schiebel
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Eines der umstrittensten Bauprojekte im Landkreis Starnberg ist Geschichte. Die Gemeinde Gauting wird ihre Pläne für das Gewerbegebiet „Asto-Eco-Park“ im Unterbrunner Holz nicht weiterverfolgen. Das erklärte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger bei einem Pressegespräch am Freitag im Landratsamt. Stattdessen plant die Gemeinde unmittelbar östlich an den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen angrenzend ein neues Gewerbegebiet.

Landkreis - Die 12 bis 15 Hektar große Fläche liegt nach Angaben aller Beteiligten außerhalb des Landschaftsschutzes. Gespräche laufen seit über einem Jahr. Kössingers Gilchinger Amtskollege Manfred Walter zeigte sich glücklich: „Das Unterbrunner Holz kann geschützt werden. Das größte Ziel der Gilchinger Bevölkerung ist erreicht“, sagte er. Bis zur Kommunalwahl im März vorigen Jahres hatte es zwischen den Nachbargemeinden einen teils erbitterten Streit um das Vorhaben gegeben, in dessen Rahmen mehrere Hektar Wald hätten gefällt werden müssen. Es fanden zeitgleich sogar Demonstrationen für und gegen das Projekt statt.

Seit der Wahl war das Thema aus dem öffentlichen Fokus verschwunden – dafür wurde hinter den Kulissen umso eifriger gearbeitet. Unter der Moderation von Landrat Stefan Frey und gwt-Geschäftsführer Christoph Winkelkötter suchten alle Beteiligten nach Lösungen – darunter auch Weßlings Bürgermeister Michael Sturm und Vertreter des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen.

Ziel sei es, eine weitere gewerbliche Entwicklung zu ermöglichen, gleichzeitig jedoch die Naturräume zu schützen, sagte Winkelkötter. Bei der neuen Fläche sei kein Eingriff in das Unterbrunner Holz nötig, zudem gebe es eine Erschließung, etwa über das Gewerbegebiet Gilching-Süd. Er erwartet keine Beeinträchtigung des Wasserschutzgebietes, die Abstimmung mit der Wassergewinnung Vierseenland laufe bereits seit zehn Monaten. Alles in allem sprach Winkelkötter von einer „Win-win-Situation für den Landkreis, die Gemeinden und den Flughafenbetreiber“.

Kritik am früheren Eigentümer EADS

Kössinger betonte die Bedeutung eines neuen Gewerbegebietes für ihre Gemeinde, die unter chronischer Finanzknappheit leidet. Die Steuereinnahmen seien für Gauting „existenziell“, sagte sie. Nachdem mit dem früheren Flughafeneigentümer EADS keine Gespräche möglich gewesen seien, habe es zum „Asto-Eco-Park“ zunächst keine Alternative gegeben.

Die Aussicht auf deutlich weniger Widerstand bei der neuen Fläche stimmte sie zuversichtlich. Einen Zeitplan wollte sie am Freitag nicht nennen, aber: „Wir wollen es mit Hochdruck voranbringen.“ Noch vor der Sommerpause werde sie die Überlegungen dem Gemeinderat präsentieren. Ihr schweben als künftige Nutzer Mittelständler aus dem Bereich „Hochtechnologie und Zukunftsbetriebe“ vor. Weil die Flächen außerhalb des Flughafens liegen, wäre eine Nutzung dort nicht auf flugaffines Gewerbe begrenzt.

Eine Schlüsselposition bei allen Überlegungen nimmt der Flughafen ein – allein schon deshalb, weil dort seit der Übernahme durch den neuen Eigentümer Bewo vor vier Jahren viele Türen offen stehen. Zu Zeiten von EADS sei „nichts richtig vorwärts gegangen“, sagte Michael Sturm. Zudem herrscht eine große Dynamik.

1000 neue Jobs seit der Übernahme

Es seien seitdem sieben neue Gebäude errichtet worden, sechs seien im Bau, ein weiteres in der Planung, sagte Bewo-Vertreter Professor Christian Juckenack. Sie werden unter anderem von den Hightech-Firmen Messring (Crashtestanlagen), Lilium (Lufttaxi), Mynaric (Laserkommunikation), Aero Bildung (Ausbildung) und Diashop (Diabetikerware) genutzt. Nicht zuletzt wird noch im Juli das neue Empfangsgebäude fertig.

Nach aktuellen Angaben des „Air Tech Campus Oberpfaffenhofen“, sind in den vergangenen Jahren 1000 neue Arbeitsplätze entstanden, insgesamt gibt es am Flughafen mittlerweile 3700 Jobs in rund 20 Unternehmen. Darüber hinaus seien mit der Ringstraße und der Anbindung an Gilching-Süd vier Kilometer Straße entstanden – Infrastrukturmaßnahmen, die allen zugute kommen.

„Unser Anspruch ist, eines der größten Luft- und Raumfahrtzentren in Deutschland, wenn nicht in Europa zu werden“, sagte Juckenack. Dabei komme es aber nicht darauf an, möglichst schnell zu wachsen. „Gewerbesteuer maximieren und grüne Fläche versiegeln, das wollen wir nicht“, betonte er. Eine nachhaltige Entwicklung sei wichtiger. Auch die Infrastruktur müsse mitwachsen. So plane die Bewo ein Boardinghaus und kämpfe für einen S-Bahn-Halt Weichselbaum – „warum nicht mit einem kleinen autonomen Shuttleservice auf einer privaten Stichstraße?“, frage Juckenack.

Große Nachfrage aus dem Landkreis

Letzten Endes müsse die Entwicklung der Bevölkerung zugute kommen, sagte Peter Adrian, Geschäftsführer des Bewo-Anteilseigners Triwo. Die meisten noch verfügbaren Flächen auf dem Flughafengelände liegen auf Weßlinger Flur – was für Michael Sturm auch langfristig Perspektiven aufzeigt. „Wir wollen nicht, dass in zwei Jahren alles zugebaut ist.“

Allein aus dem Landkreis gebe es genügend Nachfrage nach Gewerbeflächen, betonte gwt-Chef Winkelkötter. Aktuell könnten „höchstens 10 bis 20 Prozent der Anfragen positiv beantwortet“ werden, sagte er. Was die Entwicklung anbelangt, sprach Christian Juckenack davon, dass „Sorgen und Ängste absolut unbegründet“ seien. Stattdessen prägte er den Begriff von der „Giga-WG“ am Flughafen: „Gi“ wie Gilching, „ga“ wie Gauting, „W“ wie Weßling und „G“ wie Gemeinschaft.

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