Eine Diehl-Mitarbeiterin hält einen Rauchmelder für Flugzeuge in der Hand.
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Am Standort in Gilching fertigen die Diehl-Mitarbeiter Teile von Bordtoiletten für Flugzeuge und Rauchmelder.

Flugzeug-Zulieferer kündigt Abbau an

Diehl Aviation in Gilching streicht jede vierte Stelle

Der Luftfahrt-Zulieferer Diehl Aviation kündigt den Abbau von 1400 Stellen deutschlandweit an. Davon ist auch die Niederlassung des Unternehmens in Gilching betroffen. Asto-Park und Sonderflughafen Oberpfaffenhofen beeinflusst die Corona-Krise dennoch weniger als befürchtet.

Gilching – Die weltweite Krise der Luftfahrtindustrie als Folge der Corona-Pandemie hat nun auch Auswirkungen auf den Landkreis Starnberg. Der Zulieferbetrieb Diehl Aviation will bis zum Jahr 2022 jede vierte von ehemals 6000 Stellen abbauen. Davon werden nach Angaben des Unternehmens alle Standorte betroffen sein – damit auch jener im Gilchinger Gewerbegebiet Friedrichshafener Straße unmittelbar am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen. Das geht aus einem „Zukunftskonzept“ hervor, das die Geschäftsleitung am Montag dem Betriebsrat vorgelegt hat.

In Gilching arbeiten dem Vernehmen nach 230 Mitarbeiter, er gehört organisatorisch zum Produktionsstandort Dresden mit weiteren rund 270 Mitarbeitern. Beide Standorte sind laut Diehl-Sprecher David Voßkuhl mit insgesamt 100 Stellen von der Umstrukturierung betroffen. Dabei seien betriebsbedingte Kündigungen „das letzte Mittel“, sagte Voßkuhl. Das Unternehmen setze auf Altersteilzeit, freiwillige Kündigungen und eine Konzern-Stellenbörse. Der Betriebsrat werde in den kommenden Wochen das Konzept durcharbeiten und auf die Mitarbeiter zugehen, sagte Voßkuhl.

Diehl Aviation produziert die Technik von Bordtoiletten

Diehl Aviation zählt zu einem von fünf Teilkonzernen der 1957 gegründeten Diehl-Gruppe, die im Jahr 2014 die Firma AOA Apparatebau Gauting übernommen hat. Der Zulieferer entwickelt und produziert in Gilching und Dresden die Technik von Bordtoiletten, also alles, was mit Wasserleitungen zu tun hat, und zudem Rauchmelder für die Flugzeuge. Zu den Kunden zählen nahezu alle namhaften Flugzeugherstelle. Der Umsatz von Diehl Aviation lag 2019 bei 1,5 Milliarden Euro. Für das Jahr 2022 rechnet Diehl nur noch mit etwas mehr als der Hälfte dieses Umsatzes. „Airlines und Flugzeughersteller gehen davon aus, dass es Jahre dauern wird, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Für Prof. Christian Juckenack vom Flughafenbetreiber Triwo sind Entwicklungen wie bei Diehl keine Überraschung. „Wir sehen große Veränderungen der Nutzerbedürfnisse in der Luftfahrt“, stellt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur fest. Das betreffe Zulieferer und vor allem große Verkehrsflughäfen. „Das Thema ist auf unserem kleinen Sonderflughafen aber noch nicht so durchgeschlagen.“ Das liege am Werftbetrieb der internationalen Betriebe ringsum, die Aufträge aus aller Welt entgegennehmen würden. Dazu kämen die Themen Forschung und Entwicklung mit Blick auf Flugtaxis und Drohnen, „die sind unbenommen“. Ganz zu schweigen von der intensiven Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Juckenack spricht von einem übergeordneten Transformationsprozess. „Vielleicht gibt es einen Push-Effekt für alternative Antriebe.“ Natürlich mache er sich auch seine Sorgen, „aber die sind nicht vergleichbar mit denen eines Verkehrsflughafens.“ Abgesehen davon könne er auf eine sehr traditionelle Belegschaft noch aus Zeiten von Dornier setzen.

Juckenack versteht Klagen über Sonderflughafen nicht

Umso weniger versteht Juckenack die Klagen über den Sonderflughafen, der ein Wirtschaftsstandort mit 7000 Arbeitsplätzen sei. „Das irritiert mich, wenn man das auf den Faktor Lärm reduziert in diesen Zeiten.“ Die Gesamtbandbreite „macht die Sache international und nachhaltig“. Er rechnet auch nicht damit, dass langfristige Investitionen in den Standort zurückgestellt werden. „Das gilt für neue Gebäude und auch Technik“, sagt er.

Thorben Fabian von der Asto-Gruppe hatten die schlechten Nachrichten über seinen Mieter Diehl Aviation schnell erreicht. Bisher seien die Unternehmen vor Ort gut durch die Pandemie gekommen, findet er und sagt: „Wir mussten keiner Firma die Miete stunden.“ Offensichtlich besetzten die Unternehmen im Asto-Park beim Flughafen Nischen, „aus denen eher Erfolgsmeldungen kommen“. Ungebremst sei auch das Interesse an Büro- und Firmengebäuden. Erst vergangene Woche habe ein Unternehmen um 5000 Quadratmeter Fläche angefragt.

Im Sommer hatte Asto den Spatenstich des neuen Hightech-Gebäudes namens „Mäander“ im Gewerbegebiet Gilching Süd gefeiert (wir berichteten). „Das war sicherlich mutig von uns. Aber wohl auch richtig.“ Der eine oder andere Konkurrent habe seine Pläne auf Eis gelegt. „Das kommt uns nun zugute.“

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