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Er wurde als „Doping-Pabst“ bekannt - und praktiziert auch noch mit 78

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Hat immer noch viel vor: Dr. Helmut Pabst mit Räucherdoktor in seinen Praxisräumen.
Hat immer noch viel vor: Dr. Helmut Pabst mit Räucherdoktor in seinen Praxisräumen. © Uli Singer

Dr. Helmut Pabst aus Gilching lässt sich vom Alter nicht aufhalten. Noch immer geht der Mann, der als „Doping-Pabst“ bekannt wurde, in seine Praxen. Aber der 78-Jährige engagiert sich auch wissenschaftlich.

Gilching – Während sich ein Großteil der Menschen auf den verdienten Ruhestand freut, kann sich Dr. Helmut Pabst aus Gilching gar nicht vorstellen, ohne Arbeit zu sein. Der weltweit als „Doping-Pabst“ bekannt gewordene Sportmediziner geht auch mit 78 Jahren täglich noch in seine Praxen. Will man sich mit Pabst treffen, findet man ihn selten in seinem gemütlichen Häuschen.

Reiste er noch bis vor Kurzem rund um die Welt, um Vorträge allgemein zum Thema Sportverletzungen und im Besonderen aber auf dem Gebiet Doping und Dopingkontrollen zu halten, bleibt er mittlerweile lieber im Lande. Aber er findet auch hier täglich Herausforderungen.

Der ehemalige Basketball-Bundesliga-Flügelspieler des TSV 1860 München gründete 1994 die „PWC Medizinische Testverfahren im Sport GmbH“, die Dopingkontrollen weltweit durchführte. Die in Gilching angesiedelte Firma wurde zu einem der größten Unternehmen seiner Art. 2008 stieg Pabst aus, seither entwickelten seine Tochter Stephani Laakmann und deren Ehemann Volker die Firma weiter.

Das neue System seiner Nachfolger soll bei Olympia eingesetzt werden

Wie berichtet, erfasst das neue System Dopingkontrollen digital und soll erstmals auch im Sommer bei den Olympischen Spielen in Tokio eingesetzt werden. Während im ersten Stock der Firma 22 Mitarbeiter dabei sind, weltweit 180 Doping-Kontrolleure zu beschäftigen, hat sich Pabst ins Oberstübchen zurückgezogen. „Anfangs war ich als Doping-Kontrolleur noch regelmäßig im Einsatz. Seit 2015 aber habe ich mich komplett zurückgezogen und in meinen zwei Praxen in Gilching und Fürstenfeldbruck die Leistungsdiagnostik bei sportlich aktiven Menschen zum Thema gemacht“, erzählt er. „Meine Patienten sind heute eher gesunde Menschen, die lediglich im sportlichen Bereich Probleme haben.“ Zusätzlich engagiert sich der ehemalige CSU-Gemeinderat als wissenschaftlicher Mitarbeiter von Unternehmen, die sich auf Medikamente, Salben und Pflaster bei Schmerzen und Sportverletzungen spezialisiert haben. Als Beispiel führt Pabst die Prellung von Sprunggelenken an, wo durchaus Salben und Pflaster zur Linderung der Schmerzen beitragen können. Derzeit gebe es sieben Zentren in Deutschland, die sogenannte „doppelblinde randomisierte Studien“ vornehmen würden. „Das bedeutet, dass weder ich noch der Proband weiß, ob ein Medikament oder ein Placebo verabreicht wird. Das Ganze bleibt anonym. Ich bekomme lediglich eine Nummer, um das Ergebnis der Tests zu protokollieren“, erklärt der Arzt.

Pabst ist Vater von fünf Töchtern und Opa von mittlerweile zehn Enkelkinder (sieben Mädchen, drei Buben) im Alter von zwei Wochen bis zu 26 Jahren.

Wann er den Ruhestand ins Auge fasst? Ein Gefühl dafür habe er im ersten Lockdown schon bekommen. Er habe sich aufs Puzzeln eingelassen. Insgesamt habe er Puzzles aus mehreren tausend Teilen und mit oft sehr aufwendigen Motiven zusammengebaut. „Aus Platzmangel habe ich sie alle wieder zerstückelt und zusammengekehrt.“ Ein Tatendrang, den er auch in seinem Beruf weiter praktizieren will – „so lange es mir Spaß macht. Ein Ende sehe ich noch nicht.“

Uli Singer

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