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Schuhmachermeister Thomas Nothass (Markus Verrecchia, l.) bringt seine Haushälterin (Ulrike Rattay) und den Gesellen (Helmut Bauer) in Gewissenkonflikte. 

Guichinga Dorfbühne 

„Fake News“ und andere Verwirrungen

1955 schrieb Maximilian Vitus „Thomas auf der Himmelsleiter“ – ein fast schon zeitgenössisches Stück mit „,Fake News‘, bezahlbarem Wohnraum und Schuldenkrise“, kündigte Helmut Bauer am Wochenende die Premiere des Bauerntheaters „D’Guichinga Dorfbühne“ an.

Gilching   Die amüsante Einleitung zu der bayerischen Komödie sollte der Auftakt zu einem vergnüglichen Abend werden, den die Zuschauer im gut besuchten Theatersaal des Gasthofes Widmann mit trainierten Lachmuskeln verlassen sollten.

Ein verdienter Erfolg des gesamten Ensembles und von Helmut Bauer, der heuer die Fäden des Dreiakters in der Hand hält. Er hatte die Regie übernommen, weil zu Beginn der Probenarbeit Silvia Härtl erkrankt war. Die wieder Genesene steckte dafür ihre gesamte Energie in den Part der Zenzl, deren Naivität sie herrlich komisch imitierte. Schauspielerisch überzeugte auch Ulrike Rattay. Theatralisch trauerte sie als Haushälterin Kuni um ihren Chef Thomas Nothaas (Markus Verrecchia). Der Schuhmachermeister war nämlich tot. Das zumindest war in der Zeitung zu lesen. „Fake News“ eben und ein Missverständnis, das zu grandiosen Verwirrungen führte.

Die Falschmeldung kam dem hochverschuldeten Meister anfangs sehr entgegen. Sein Geselle Wastl, den Helmut Bauer mimisch und textsicher wunderbar in Szene setzte, sollte diese Nachricht weiter verbreiten – und dann wieder rückgängig machen. Wenn aber eine Lüge erst einmal im Umlauf ist, wird die Richtigstellung kompliziert. Die Vehemenz, die Wastl bei seinen Bemühungen mit genial entgleisenden Gesichtszügen an den Tag legte, verängstigte sogar die dominante Ochsenbäuerin (Andrea Fendt). „Narrischen muaß ma immer Recht geben“, erklärte sie dem begeisterten Publikum, bevor sie sich mit schrägem Lächeln erneut dem „Narrischen“ zuwandte. Und all das nur, weil plötzlich des Meisters erste Liebe Regina Schönbichler (Karin Nußbaum) in dessen so stimmungsvoll gezimmerten Bauernstube auftauchte.

Munter ging es hin und her, im Saal explodierten Lachsalven um Lachsalven. Ganz vertrackt wurde es, als Polizeiwachtmeisterin Johanna Staller (Lena Klette, mit 29 Jahren die Jüngste im Laienensemble) aufgeklärt werden sollte. Gewandt schleuderten sich die Mitspieler einander blitzschnelle, pfiffige Dialoge zu – und sollten sie mal einen Einsatz verpasst haben, beherrschten sie die Kunst des „Einflüsternlassens“ (Souffleuse Brigitte Embacher), ohne dass die Zuschauer es mitbekamen.

Bühnenreif redete sich der Wastl um Kopf und Kragen, bis die Bezirksärztin (Christa Walter) den Gesellen für verrückt erklärte. Die Rettung kam schließlich von Seiten des Filmproduzenten Otto Jansen (Ralf Nußbaum).

Wie und wo und was? Das kann D’Guichinga Dorfbühne viel schöner erzählen als 1000 Worte. Übrigens: Das zehnköpfige Darstellerteam würde sich über weitere junge Schauspieler freuen.

Weitere Vorstellungen

sind sind am kommenden Freitag und Samstag sowie am Freitag und Samstag, 23. und 24. November. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Der Eintritt kostet 9 Euro. Kartenbestellungen nimmt ab 16 Uhr Brigitte Embacher unter z 01 60 / 7 20 90 23 entgegen.

Von Michèle Kirner

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