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Ein Erfolgsduo: Ayu Saraswati und Willy Müller im ehemaligen Bauernbäck, in dem es immer freitags eine lange Tafel gibt. Und asiatische Küche.

Gastronomie in Gilching

Und freitags gibt's die lange Tafel

Gilching - Ein ungewöhnliches Restaurantkonzept lockt sogar Münchner bis nach Gilching. Angefangen hat alles auf Bali. 

Über Ayu Saraswati aus Bali und Willy Müller aus Weßling lassen sich viele schöne Geschichten erzählen: eine Liebesgeschichte zum Beispiel, dann die Erfolgsgeschichte ihres Catering-Unternehmens Hot Chilli, und nicht zuletzt die Geschichte ihres Restaurantkonzepts, für das auch schon die Münchner aufs Land fahren. 

Unter der Woche ist es ruhig in dem ehemaligen Kult-Café Bauernbäck in der Weßlingerstraße 4 in Gilching. Im Innenhof ist eine Feuerstelle erkennbar, am Vordach baumeln Lampions, zusammengeklappte Holzstühle warten auf ihren nächsten Sommereinsatz. „Hot Chilli – Catering Kochen Feiern“ steht auf einem Schild an der Tür. Im Inneren ist es sehr wohnlich. Schwere Holzbalken, steinerner Boden, zwei lange Tafeln aus Holz und eine großzügige Bar sorgen für viel Atmosphäre. 36 Menschen können an den Holztischen sitzen und essen – und das tun sie seit einem Jahr, immer freitags. Es gibt keine Speisekarte, dafür neun bis zehn verschiedene, frisch gekochte Speisen in vier bis fünf Gängen, serviert in großen Schalen. Für 25 Euro pro Nase. 

Die Idee zu diesen langen Tafeln hatten Willy Müller und Ayu Saraswati eher nebenbei. Eigentlich wollten sie nur kochen im Bauernbäck, die Zutaten für ihr Catering-Unternehmen endlich in der eigenen Küche zubereiten. „Als wir das mit der langen Tafel dann einfach mal ausprobiert haben an einem Freitag, waren gleich alle Plätze besetzt“, sagt Ayu Saraswati.

Die 42-Jährige ist eines von acht Geschwistern. Sie ist auf Bali groß geworden und hat schon in ihrer Heimat für ihre Familie mit Hingabe gekocht. Willy Müller war von 1990 bis 1995 beruflich als Schreiner auf Bali, 1992 lernten sich die beiden kennen. Damals arbeitete Ayu bei einer Bank. In Bali ist es üblich, dass die Bankangestellten zu ihren Kunden nach Hause kommen, ihnen ihr Geld bringen oder es abholen. „Ganze Heerscharen an Bankangestellten fahren dort mit ihren Mofas durch die Gegend und besuchen die Kunden“, erinnert sich Willy Müller. Eine von ihnen war Ayu Saraswati. „Ich habe dann sofort angefangen, zu sparen“, sagt Willy und grinst. Denn für jeden Sparbuch-Eintrag kam wieder die zauberhafte junge Balinesin auf ihrem Mofa angerattert. Die beiden verliebten sich, und 1995 verließ Ayu ihre Heimat für einen Neuanfang in Weßling. Wenig später zogen sie nach Hechendorf, dort kamen ihre drei Kinder zur Welt. Seit 2011 wohnt die Familie in Schondorf. Ayu Saraswati fühlt sich hier so zu Hause, dass sie manchmal fast vergisst, dass sie Balinesin ist. „In letzter Zeit werde ich öfter gefragt, ob sich für mich etwas geändert hat. Und ja, die Menschen schauen mich anders an“, sagt sie. Dabei hatte sie nie Startschwierigkeiten. „Sie hat so dermaßen schnell die Sprache gelernt, dass sie sehr bald arbeiten konnte“, sagt Willy Müller voller Respekt. 

Die Idee mit dem Catering entwickelte sich bei Ayu Saraswati aus ihrem Hobby heraus. Bekannte buchten sie für Kochkurse – die sie heute noch gibt – dann bereicherte sie die ersten Partys mit ihren Köstlichkeiten, die von der thailändischen, indonesischen und auch der indischen Küche inspiriert und gleichwohl Gaumenschmaus wie Augenweide sind. Die Aufträge wurden immer zahlreicher und auch größer, 2009 schließlich gründete die sympathische Balinesin das Unternehmen Hot-Chilli-Catering. Willy Müller (48), lange Prokurist und stellvertretender Leiter eines Einrichtungshauses, hatte sich 2007 ebenfalls zur Selbstständigkeit entschlossen und das Textil-Unternehmen colorkitchen aus der Taufe gehoben. 2014, mit der Entscheidung, den Bauernbäck zu pachten, stieg er ins Geschäft seiner Frau ein. 

„Alleine wäre ich nicht hier“, sagt Ayu Saraswati heute. Die beiden teilen sich die Aufgaben. Willy Müller ist eher der Zahlenmensch, Ayu Saraswati der kreative Geist in der Küche. Seit Sommer 2015 haben die beiden sogar zwei Angestellte. Unter der Woche wird organisiert, eingekauft, gekocht. Am Freitag ist die Bude voll, das Catering läuft als Kerngeschäft parallel. Außerdem kann man den Raum für Partys mieten – bis zu 70 Menschen haben Platz. Die Freitagabende sind dabei eher eine Werbung als lukrativ, und dennoch von beiden heißgeliebt. „Dort können wir neue Speisen ausprobieren. Und Kunden gewinnen“, sagt Willy Müller. Die Atmosphäre sei besonders. „Alle kommen gemeinsam, essen gemeinsam, niemand muss in die Speisekarte schauen. Alle sind zufrieden.“ Die Gerichte wechseln ständig. Da es keine Speisekarte gibt, die Küche also nicht bevorraten muss, gibt es so gut wie keine Speiseabfälle. „Es gibt keine Tiefkühlkost, wir machen alles selbst, die Currys, die Frühlingsrollen, alles“, sagt Willy Müller stolz. Dabei werden besondere Wünsche natürlich berücksichtigt. Die Kunden danken es den beiden: Bis Mitte März ist freitags ausgebucht. Wenn jemand absagt, wird das unter www.lange-tafel.info angezeigt. „Es ist immer schade, wenn nicht alle kommen können, die wollen“, bedauert Willy Müller. Im Sommer aber gibt es im Innenhof weitere Plätze. Und weniger Absagen, versprochen. 

Das Angebot von Hot Chilli findet sich im Internet unter www.hot-chilli.info

Hanna von Prittwitz

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