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Wollen ein Zeichen setzen: Bei der Kundgebung vom Aktionsbündnis Pro Bannwald demonstrieren mehr als 400 Bürger gegen das geplante Gautinger Gewerbegebiet. Verkehr, Flächenfraß, Umweltbelastung – es gibt viele Themen, die die Gilchinger an dem Projekt stören.

Asto-Eco-Park

Eiszeit zwischen Gauting und Gilching

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Mehr als 400 Demonstranten haben am Samstag in Gilching gegen das geplante Gautinger Gewerbegebiet „Asto-Eco-Park“ im Unterbrunner Holz protestiert. Nach drei Jahren Planung ist die Stimmung zwischen den Gemeinden auf dem Tiefpunkt.

Gauting/Gilching– Seit drei Jahren kämpft die Gemeinde Gauting für ein Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz, fast genauso lange hält Gilching dagegen. Eine Demonstration am Samstag macht deutlich, wie sehr die Auseinandersetzung die Nachbargemeinden spaltet. Über 400 Menschen versammelten sich am Ortsausgang von Neugilching auf einer Wiese, um gegen das Gewerbegebiet zu demonstrieren. Der „Asto-Eco-Park“ soll zwischen Sonderflughafen Oberpfaffenhofen und Autobahnanschluss Gilching entstehen. Problem: Die 60 Hektar große Fläche (20 davon sollen bebaut werden) dient als Naherholungsraum, es müsste gerodet werden. Weiteres Problem: Die finanziell klamme Gemeinde Gauting braucht dringend Gewerbesteuereinnahmen. Das Aktionsbündnis Pro Bannwald hatte am Samstag groß aufgefahren: ein Auftritt der Wellküren, ein Grußwort von Gerhard Polt und Reden der Fraktionschefs von SPD und Grünen im Landtag.

Gauting und Gilching im Streit ums Gewerbegebiet - die Bilder von der Demo

Wichtiger für den Konflikt aber ist, was sich auf der asphaltierten Straße vor der Wiese abspielte. Rechtzeitig zur Kundgebung kamen dort knapp zwei Hände voll FDP-Mitglieder um die Kreisvorsitzende Britta Hundesrügge aus Gauting an. Sie sind für das Gewerbegebiet, hatten Plakate mitgebracht und wollten ihre Broschüre „Faktencheck“ verteilen. Die Gilchinger wollten das nicht. Gautings Polizeichef Ernst Wiedemann prüfte die Genehmigung und verwies auf Gautinger Flur. Die FDP-Demo sei nur dort erlaubt, vor Ort auf Gilchinger Flur dürften sie als Privatpersonen aber bleiben, sagte er. Die erste Beleidigung zwischen Gautingern und Gilchingern fiel schnell („Sie haben ein Brett vorm Kopf“), die erste Anweisung („Verlassen Sie den Raum“) auch. „Hier geht es darum, Argumente nicht zuzulassen“, sagte Hundesrügge verärgert. „Wir werden behandelt wie Verbrecher.“

Dabei würde das Gautinger Gewerbegebiet das benachbarte Gilchinger Gebiet Süd aufwerten. Und der Bannwald, der gerodet werden müsste? „Wir forsten ja wieder auf. Gilching baut auch die Glatze, das ist auch Flächenfraß.“ Es gehe auch um Neid: „Unser Gewerbegebiet hätte bundesweit Vorzeige-Charakter – ihres ist alles andere als schön.“

Die eisige Stimmung zwischen den Lagern setzte sich wenige Momente später auf der Bühne fort. Entgegen seiner ursprünglichen Pläne trat dort auch Gilchings Bürgermeister Manfred Walter auf. „Wir Bürgermeister halten normal zusammen wie Pech und Schwefel“, sagte er. Er wolle den Gesprächsfaden am Laufen halten – doch das sei ausgenutzt worden. „Es hieß, ich wäre für das Gewerbegebiet. Davon distanziere ich mich zu hundert Prozent. Da ist der Gesprächsfaden abgerissen, daran ist die Gautinger Seite schuld.“ Vizebürgermeister Martin Fink: „Ein Gewerbegebiet hat im Wald nichts zu suchen. Wir kämpfen weiter.“

Die Landtagschefs von Grünen und SPD, Ludwig Hartmann und Markus Rinderspacher, waren von der Wiesn-Eröffnung nach Gilching geeilt. „Bei Neuausweisungen bin ich zurzeit ganz skeptisch“, sagte Hartmann dem Starnberger Merkur. Auf Landesebene seien sich die Parteien da oft nicht einig, aber in Einzelfällen wie diesem schon. Rinderspacher wandte sich auf der Bühne an die Gegendemonstranten: „Die Gautinger wollen ihr Schwimmbad retten, das ist nicht von der Hand zu weisen. Mehr Gewerbesteuer, ja – aber so bitte nicht.“ Privatpersonen dürften auch nicht einfach im Bannwald bauen.

Bei den Gilchingern kam auch gut an, als die Wellküren später sangen: „In Gauting woidn’s uns hoin, doch da dad ma nia ned spuin.“ Michael Well verlas eine Grußbotschaft von Gerhard Polt: „Wer seinen Garten zubetoniert, der braucht sich vor dem Regenwurm nicht zu fürchten.“ Polt sei im Urlaub, es sei ihm aber ein Anliegen. „Er drückt euch die Damen.“

Die Fronten zwischen Gauting und Gilching sind verhärteter denn je. Hoffnung gab es ausgerechnet wieder am Wegesrand, wo eine Ordnerin sagt: „Wir könnten auch mal eine gemeinsame Veranstaltung machen.“

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