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Entspannung mit Feinkost

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Von: Hanna von Prittwitz

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Umgesattelt und genau das Richtige getan haben Aylin und Benny Zietsch aus Gilching. Statt sich im stressigen Alltag aufzureiben, haben die beiden in ihrem Marktwagen „Feinkost Zietsch“ eine neue Passion gefunden.
Umgesattelt und genau das Richtige getan haben Aylin und Benny Zietsch aus Gilching. Statt sich im stressigen Alltag aufzureiben, haben die beiden in ihrem Marktwagen „Feinkost Zietsch“ eine neue Passion gefunden. © Dagmar Rutt

Das Beste daraus machen – wie das geht, das wissen Aylin und Benny Zietsch aus Gilching ziemlich gut. Inmitten der Pandemie eröffneten sie ihre Geschäft „Feinkost Zietsch“ und legten damit eine berufliche Kehrtwende hin.

Gilching – In der Küche des Aktivparks in Gilching stapeln sich große Brocken Parmesan, Pinienkerne und Nüsse, oder auch Karotten, Oliven, Zuchini und Walnüsse: Seit November dürfen Aylin und Benny Zietsch die Küche für ihr neues Geschäft „Feinkost Zietsch“ nutzen, mit dem sie seit Februar 2021 unterwegs sind. Mittlerweile findet man ihren kleinen hübschen Marktwagen auf den Märkten in Starnberg, Schondorf, Inning und Herrsching.

Die beiden haben mit „Feinkost Zietsch“ umgesattelt. Eigentlich ist Aylin Zietsch (39) Bürokauffrau und Dekorateurin, Benny Zietsch (41) gelernter Metallbauer. Zur Feinkost fanden sie über Umwege. Für die Kochkunst hatte Aylin Zietsch schon immer einen Sinn. „Meine Mutter kommt aus der Türkei. Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem viel gekocht wird.“ Aus gesundheitlichen Gründen müssen die beiden schon seit Langem genau darauf achten, was sie essen, oder eben nicht essen. „Es ist beeindruckend, wie viel man über die Ernährung steuern kann“, sagt Benny Zietsch. Zucker, Konservierungs- und Farbstoffe, Glutamat – all das verbannte das Ehepaar Zietsch schon vor Jahren aus dem Speiseplan. Doch das reichte nicht, denn der 41-Jährige hatte noch einen Job, der an den Nerven zerrte: 20 Jahre lang arbeitete der gebürtige Allinger bei einem Schlüsseldienst in Germering, mit Notfalldienst und Polizeieinsätzen zu allen Tages- und Nachtzeiten. Seiner Gesundheit tat das nicht gut. Zwischenzeitlich war auch Aylin Zietsch bei dem Unternehmen eingestiegen. Dabei hatten die beiden immerhin festgestellt: „Wir können super miteinander arbeiten.“

Um dem Stress zu entkommen, überlegte das Paar, sich mit einem Schlüsseldienst in Gilching selbstständig zu machen. Die beiden schrieben einen Businessplan, am 20. Januar 2020 wollten sie eröffnen. Doch alles war mühsam, nichts klappte auf Anhieb, es war so, als sollte es nicht sein. Zeitgleich brachte eine Feinkosthändlerin, die selbst von Markt zu Markt zog, das Paar auf eine andere Idee. „Sie hat gesagt: Das ist doch was für euch“, erinnert sich Aylin Zietsch. Die 39-Jährige sah sich das genauer an und arbeitete einfach eine Zeit lang mit. „Das war irgendwie eine Gottesfügung“, findet Benny Zietsch heute.

Die beiden ließen das mit dem Schlüsseldienst sein, erarbeiteten ein Konzept für einen Feinkosthandel und kauften in Berlin einen kleinen Marktwagen mit Kühlung. Die Lockdown-Zeiten verbrachte Aylin Zietsch sozusagen in dem Wagen mit der Herstellung von Pasten und Dips, sie testete Nudelmanufakturen, fuhr auf den Großmarkt. „Ich liebe es, etwas mit den Händen zu schaffen“, schwärmt Aylin Zietsch. „Und wir sind absolut überzeugt von unseren Produkten, weil wir genau wissen, was drin ist.“ Am Ende stand das Konzept, und im Februar 2021 rückte „Feinkost Zietsch“ zum ersten Mal auf einen Markt nach Schondorf aus. „Da waren wir ganz schön aufgeregt“, gesteht Benny Zietsch. Seither läuft’s.

Seine Frau kümmert sich um die Speisen und das Geschäftliche, er bringt die Ware an Frau und Mann – und arbeitet nur noch zwei Tage die Woche beim stressigen Schlüsseldienst. „Er ist ein Naturtalent“, das hat seine Frau gleich festgestellt. Und ihr Mann schwärmt von der entspannten Atmosphäre auf den Märkten, unter Kunden und Händlern. Klar, wer zum Schlüsseldienst geht, hat per se Stress. Wer auf dem Markt einkauft, ist deutlich entspannter. Mittlerweile haben sich die beiden Gilchinger, die sich seit fast 20 Jahren kennen und seit neun Jahren verheiratet sind, schon einen festen Stamm an Kunden erarbeitet. Der Renner sind neben den unterschiedlichen gefüllten Ravioli der Dattel-Curry- und der Pistazienaufstrich, und das selbstgeröstete Müsli. „Es gibt so viele Menschen, die nicht alles essen können“, hat Benny Zietsch staunend erkannt. Umso dankbarer seien sie für Lebensmittel ohne Zusatzstoffe.

„Mit Arbeit verbringst du die meiste Zeit. Sie muss dir was Positives geben, sonst machst du dich kaputt“, findet Aylin Zietsch in der Nachbetrachtung. Also alles richtig gemacht? Benny Zietsch zögert keine Sekunde: „Wir haben es keinen Tag bereut.“

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