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Für den Sport im Einsatz – auch im eigenen Wohnzimmer: Nils Kowalczeks Internet-Plattform besuchen 6000 Eltern pro Monat.

Online-Portal wächst

Ex-Hockey-Nationaltorwart beantwortet jetzt typische Elternfragen

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„Finde den Sport für dein Kind“: Dabei hilft ein Internetportal, das Nils Kowalczek aus Gilching betreibt. Der ehemalige Hockey-Nationaltorwart animiert zur Bewegung, beantwortet typische Elternfragen – und bekämpft Vorurteile.

Gilching Bevor Eltern ihr Kind bei einem Sportverein anmelden, herrscht Ungewissheit: Wie oft trainieren die? Wie weit sind die Auswärtsfahrten? Was kostet das eigentlich? Wie hoch ist das Verletzungsrisiko? Nils Kowalczek aus Gilching ist eines Tages im Supermarkt aufgefallen, dass er diese Fragen nur für Hockey beantworten kann. Logisch, Kowalczek stand im Tor der deutschen Nationalmannschaft, in Pakistan einmal sogar vor 60 000 Zuschauern. Er war für Olympia 2000 in Sydney nominiert, WM-Dritter und mit dem HLC Rot-Weiß München Hallenmeister.

Hockey? Ist das nicht teuer und gefährlich? Die Mutter der Viertklässlerin, die ihn damals im Supermarkt ansprach, konnte Kowalczek aufklären. Die typischen Elternfragen ließen ihn aber nicht los. Noch am selben Abend suchte er im Internet nach einem Ratgeber, der Antworten zu sämtlichen Sportarten bietet. Er fand keinen – und gründete selbst einen. „Ich habe das Ding damals in drei Tagen hochgezogen“, sagt Kowalczek heute. Das Ding ist eine Internetplattform und heißt „Tinongo – Finde den Sport für dein Kind“. 6000 Eltern pro Monat klicken auf die Seite, seit Februar hörten 13 000 Menschen seine Podcasts, in denen er zum Beispiel den Weltmeister im Gewichtheben, Matthias Steiner, oder die Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen interviewt.

„Ich könnte das locker zu einem Vollzeitjob ausweiten“

Der Ex-Hockey-Nationaltorwart, 44, gepflegter, angegrauter Bart, sitzt am Esstisch im Familienwohnzimmer. Auf seinem Polohemd steht „Work Out“. Nach seiner eigentlichen Arbeit – Kowalczek hat sich im Online-Marketing auf IT-Firmen spezialisiert – kümmert er sich um sein Sport-Portal. „Es gibt immer was zu tun, ich könnte das locker zu einem Vollzeitjob ausweiten“, sagt er.

Fertig ist „Tinongo“ noch nicht, findet Kowalczek, aber mit 69 Sportarten schon ziemlich gut bestückt. „Von so einer Zahl hätte ich nicht geträumt.“ Das Kriterium des Erfinders seit dem Start im Februar 2017: Es dürfen nur Sportarten auf die Seite, deren Bundesverbände die Elternfragen beantwortet haben. Kowalczek wollte nicht nur selbst recherchieren, sondern offizielle Infos aus erster Hand. Ein großer Verband hat sich bis heute nicht gemeldet: der DFB. Deshalb hat Fußball auf Tinongo auch keine eigene Seite. Randsportarten wie Korf- oder Floorball dagegen schon. „Gerade kleinere Verbände haben schnell geantwortet und waren begeistert von der Idee“, berichtet Kowalczek.

In seiner Familie treiben alle den gleichen Sport: Tochter Lena (12) hat es als Torhüterin sogar in die Hockey-Bayernauswahl geschafft, Frau Angelika und Sohn Lasse (9) sind ebenfalls bei Rot-Weiß München aktiv. Das Credo des Ex-Profis lautet trotzdem: „Hauptsache Sport.“ Die Zahlen von Kindern mit Bluthochdruck und fettleibigen Grundschülern findet er erschreckend. Eine norwegische Studie, nach der Sport vor Depressionen schützt, bestärkte Kowalczek außerdem. Und die Aussage seines eigenen Arztes: „Wenn Sie nicht Ihr Leben lang Sport gemacht hätten, wären Sie heute vielleicht nicht mehr hier.“ Kowalczek besiegte 2018 den Darmkrebs.

Aber bevormundet so ein Ratgeber den Nachwuchs nicht?

Er will Eltern motivieren, die beste Lösung für ihr Kind zu finden. „Zeit, Geld, Logistik: Sie wollen wissen, was auf sie zukommt.“ Aber bevormundet so ein Ratgeber den Nachwuchs nicht? Sollten Kinder nicht von sich aus sagen, dass sie Lust auf Volleyball oder Radsport haben? „Das Portal soll eine Ergänzung sein“, sagt Kowalczek. „Und es bringt ja nichts, wenn man etwas anfängt und dann merkt, dass man es zeitlich nicht hinkriegt.“ Genau mit so einem Fall kam er persönlich in Berührung: Ein Achtjähriger im Hockeyverein hörte auf, weil es den Eltern zu viel war. „Da habe ich gedacht: So etwas darf nicht passieren. Vielleicht wäre von Anfang an eine andere Sportart besser gewesen.“

Tinongo beantwortet auch weiterführende Fragen: Spielen Mädchen und Buben gemeinsam? Ab welchem Alter macht die Sportart Sinn? Welche Ausrüstung muss selbst gekauft werden? Wer sich zum Beispiel über Tennis schlau machen will, lernt, dass es ab der Altersklasse U8 Wettkämpfe auf dem Kleinfeld gibt. Oder dass der Mädchenanteil deutschlandweit bei 42 Prozent liegt.

Eine Schwäche des Portals sieht Kowalczek noch. Er hätte gerne eine Karte, die sämtliche sportliche Adressen in der Umgebung des Wohnorts anzeigt. Bei 90 000 Vereinen im Land alleine eine Datenbank aufbauen? Mühsam. Motivierend wirkt aber schon der Name Tinongo: Die Wortschöpfung seiner Tochter ist zufällig auch eine Redewendung in Simbabwe und bedeutet: „Es ist machbar.“

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