+
Kontrahenten um die Landratskandidatur: Matthias Vilsmayer (r.) bekam bei den Freien Wählern 17, Albert Luppart 15 Stimmen. Beide wollen nun zusammenarbeiten. 

Vor Kommunalwahl 2020

FW-Landratskandidat: Vilsmayer nur zwei Stimmen vor Luppart

Eine äußerst knappe Wahl: Matthias Vilsmayer, Kreischef aus Gilching, wurde von den freien Wählern zum Landratskandidat nominiert. Seinem Kontrahenten Albert Luppart fehlten zwei Stimmen.

Landkreis – Eine Flut an Bewerbern für die Landratskandidaturen der Parteien war bisher nicht festzustellen. Die CSU musste suchen, die SPD auch, die FDP wusste lange Zeit gar nicht, ob sie jemanden aufstellt. Nur bei den Grünen war relativ schnell klar, wer die aussichtsreichste Kandidatin ist. Die Freien Wähler (FW) bilden mit einer Kampfkandidatur zwischen zwei politischen Schwergewichten die Ausnahme, und sowohl der gewählte Landratskandidat Matthias Vilsmayer aus Gilching als auch der unterlegene Albert Luppart sehen darin eine Stärke. Das Ergebnis fiel mit 17 gegen 15 Stimmen denkbar knapp aus.

Vilsmayer als Kreisvorsitzender war vom Vorstand Mitte Juni mit einer durchaus veritablen Mehrheit vorgeschlagen worden, der Pöckinger Luppart unterlag. Dennoch gab es viele Freie Wähler, insbesondere aus den FW-regierten Gemeinden, die den 57-Jährigen für den besseren Kandidaten hielten. „Wir sehen die größeren Chancen mit Albert Luppart“, sagte Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald. Luppart hatte sich im Vorfeld offengelassen, ob er es auf eine Kampfkandidatur ankommen lassen würde – er ließ sich aufstellen.

Viele erwarten 2020 eine Stichwahl - ohne Vilsmayer

Der Gilchinger Vilsmayer (47), verheiratet und Vater dreier Töchter, sieht die von vielen erwartete Stichwahl im März 2020 zwischen Stefan Frey (CSU, Nominierung nächste Woche) und Martina Neubauer (Grüne, bereits nominiert) nicht als gesetzt an. Er sei nicht unbekannter als die beiden, und die FW hätten in den vergangenen Monaten auch durch die Regierungsbeteiligung in München an Zustimmung gewonnen. „Es geht nicht um mich persönlich“, sagte er, sondern um die Freien Wähler: „Ich will Euer Landrat sein.“

Thematisch haben alle Kandidaten wenig Auswahl: Wohnraum, Klimaschutz, Kliniken und dergleichen. Vilsmayer kündigte an, als Landrat im Landratsamt für „verlässliche Reaktionszeiten“ zu sorgen und keine Verhinderungsbehörde zulassen zu wollen. Vilsmayer, auch Vizepräsident des TSV Gilching-Argelsried und bei der Rumänienhilfe aktiv, ist Geschäftsführer eines bundesweit tätigen Beratungsunternehmens. Für den Fall seiner Wahl laufe das auch ohne ihn weiter, sagte er.

Der Pöckinger Vizebürgermeister Luppart listete seine Erfahrungen auf – etwa fast 30 Jahre im Gemeinderat und sechs Jahre als Vizelandrat. Das Landratsamt sei ihm vertraut, er habe auch dadurch „einen gewissen Vorteil“ gegenüber den anderen Kandidaten. Die großen Projekte des Landkreises würden zu einer Verschuldung von geschätzt 140 Millionen Euro führen, weswegen ein Landrat nach 2020 Kreisumlage-Sätze von 55 bis 60 oder mehr Prozent durchsetzen werde müssen (derzeit unter 50). Eine Mobilitätswende hält er auch für ein hartes Stück Arbeit im „verwöhnten Landkreis Starnberg“.

Mit dem Abstimmungsergebnis von 17 Stimmen für Vilsmayer und 15 für Luppart schrammten die Freien Wähler knapp am Patt vorbei. Dann hätte es weitere Wahlgänge gegeben, sagte Versammlungsleiter Ferdinand Pfaffinger. Vilsmayer freute sich über den Erfolg und versprach, „das bestmögliche Ergebnis“ zu holen. Luppart versicherte, er werde den Gilchinger nach Kräften unterstützen. Der Pöckinger freute sich über seine 15 Stimmen und sprach von einem „Nicht-Obsiegen“ statt einer Niederlage. Von einer unabhängigen Kandidatur will er nichts wissen. Vilsmayer weiß, dass es schwierig wird: „Bis zur Stichwahl ist es noch viel, viel Arbeit.“

Das gilt aber auch für die anderen Kandidaten. Neben Frey und Neubauer sind dies bisher als vorgeschlagene Kandidatin der SPD Christiane Kern und ein namentlich noch nicht bekannter FDP-Bewerber. 

Lesen Sie auch: 

Bahnhof See: Bahn erklärt Mediation für gescheitert

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Amokfahrt am Starnberger See: Neue Details über den Täter bekannt - Gemeinde verstört 
In Pöcking am Starnberger See ist am Dienstag (26. Mai) ein Autofahrer in eine Menschenmenge gerast. Die Polizei vermutet, dass die Tat absichtlich geschah.
Amokfahrt am Starnberger See: Neue Details über den Täter bekannt - Gemeinde verstört 
Corona-Fälle: Pöckinger Kindergarten geschlossen, Besucherstopp in Perchaer Malteserstift 
Neue Corona-Fälle im Landkreis Starnberg: Deshalb wurde unter anderem der Kindergarten in Pöcking geschlossen. Die Gemeinde kritisiert die Maßnahme.
Corona-Fälle: Pöckinger Kindergarten geschlossen, Besucherstopp in Perchaer Malteserstift 
Pkw löst Werkstattbrand aus - Drei Personen verletzt
Beim Brand in einer Autowerkstatt in Gauting sind am Mittwochnachmittag drei Personen verletzt worden, eine davon schwer. Die Feuerwehr war mit etwa 70 Kräften im …
Pkw löst Werkstattbrand aus - Drei Personen verletzt
Arbeiten können im Juli beginnen
Über zwei Tage zog sich die Diskussion im Gemeinderat über die Sanierung des Bodens der Nikolaushalle. Die Sportler des TSV Herrsching können gewissermaßen aufatmen, …
Arbeiten können im Juli beginnen

Kommentare