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Drängler auf der Autobahn, immer wieder Anlass für wilde Szenen auf der Straße.

Aus dem Gerichtssaal

Gefährliches Auto-Wettrennen auf der A96

Ein Gilchinger und ein Landsberger kamen sich auf der Autobahn 96 bei Oberpfaffenhofen in die Quere. Darauf entwickelte sich ein Wettrennen mit allem Drum und Dran. Verurteilt wurde aber keiner der beiden Straßen-Rambos, das Verfahren vor dem Starnberger Amtsgericht wurde ausgesetzt.

Gilching – Widersprüchliche Zeugenaussagen sowie ein nicht entscheidungsbefugter Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft sorgten dafür, dass Amtsrichterin Brigitte Braun ein Strafverfahren wegen Nötigung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs auf unbestimmte Zeit aussetzen musste. Angeklagt ist ein 51-jähriger Leitender Angestellter aus dem Raum Landsberg. Vor Gericht gebracht hat ihn ein 46-jähriger Gilchinger.

Der Landsberger soll Ende Mai 2016 auf der Autobahn A 96 nahe der Auffahrt Oberpfaffenhofen mit seinem BMW den Verkehrsteilnehmer aus Gilching durch dichtes Auffahren bedrängt, später rechts überholt, ausgebremst und schließlich auf den Standstreifen abgedrängt haben. Das Bemerkenswerte: Genau dieses Verhalten wirft der Beschuldigte seinem damaligen Kontrahenten vor, der ihn nun vor Gericht gebracht hatte. Als zunähst Aussage gegen Aussage stand, konnte der Landsberger gewissermaßen den Joker ziehen: Ein von der Frontkamera seines BMW am fraglichen Morgen auf der Autobahn aufgenommene und dem Gericht als Beweismittel vorgelegte 20-Sekunden-Sequenz zeigte zumindest, wie der Gilchinger damals auf die A 96 aufgefahren und von der rechten Spur aus ziemlich knapp vor dem links herannahenden BMW des Landsbergers eingeschert war.

„Sie schrammen gerade knapp an einer uneidlichen Falschaussage vorbei“, bescheinigte der Verteidiger dem Belastungszeugen, der seine Fahrweise in diesem Punkt als völlig normal geschildert hatte: „Mir ist einer aufgefallen, der offenbar nicht ganz glücklich war, dass ich vor ihm fuhr“, so der 46-jährige Gilchinger lapidar, es sei aber „nichts Dramatisches“ gewesen.

Was in der Folge damals bis zur Abzweigung auf die A 99 genau passierte, ließ sich in der weiteren Verhandlung bislang nicht erhellen. Es muss sich aber zu einer Art Wettrennen, mit vielen, teils rücksichtslosen Spurwechseln samt Abdrängen entwickelt haben. Aktionen jedenfalls, die sich beide Beteiligte nun gegenseitig vorwerfen.

„Zu so einer Rangelei gehören immer Zwei, bei denen das Testosteron durchgegangen ist“, fasste der Anwalt, der die Strecke selber gut kennt und als „täglichen Horror“ beschrieb, bündig zusammen. Seinen Mandanten habe er auch schon gerügt, so der Verteidiger. Der Angeklagte wiederum meinte: „Ich zeichne öfter mal was mit der Kamera auf – in diesem Fall hätte ich den anderen Herrn ohne Weiteres selber anzeigen können.“

Da der Staatsanwalt dem Vorschlag der Verteidigung, das Verfahren ohne Geldauflage einzustellen, weder zustimmen noch diesen ablehnen konnte – er war nur Sitzungsvertreter und konnte an diesem Tage auch niemanden bei der Staatsanwaltschaft München II anrufen – wurde das Verfahren ausgesetzt. Der Anklagevertreter wusste immerhin: „Das mit diesen Kameras im Auto nimmt immer mehr überhand und dürfte bald verboten werden.“

Thomas Lochte

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