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Geehrt: Kommandant Robert Strobl (l.) und Vorstand Johann Müller (r.) zeichnen Sepp Spreng junior (Mitte links) und Michael Klinglmair für ihre langjährige Mitgliedschaft aus. Spreng ist seit 40 Jahren dabei, Klinglmair seit 25 Jahren.

Jahresversammlung

Feuerwehr schlägt Alarm

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Die Feuerwehr Gilching fordert vehement Fortschritte beim benötigten Gerätehaus-Neubau. Bürgermeister Manfred Walter musste sich bei der Jahresversammlung der Kritik stellen.

Gilching – Am Anfang hat Manfred Walter noch bei jedem Punkt genickt. Irgendwann dürfte dem Gilchinger Bürgermeister dann klar geworden sein, worauf Johann Müller hinaus möchte. Der Vorstand der Gilchinger Feuerwehr zählte zwölf Bauprojekte der Gemeinde auf – um am Ende deutlich darauf hinzuweisen, dass ein neues Gerätehaus für die Feuerwehr nicht dabei ist.

„Der Neubau geht völlig unter“, kritisierte Müller. Das derzeitige Gerätehaus ist über 40 Jahre alt, deutlich zu klein und erfüllt die gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr. Das neue Gerätehaus soll am Festplatz am Starnberger Weg gebaut werden, derzeit läuft eine immissionsrechtliche Standortanalyse. Im Haushalt 2018 sehe die Gemeinde keine Ausgaben für den Neubau vor, sagte Müller. 

„Arbeitssicherheit nicht vollumfänglich gewährleistet“

„Man muss davon ausgehen, dass 2018 nichts passieren wird.“ Schon bisherige Arbeiten am Gerätehaus hätten „unverhältnismäßig lang“ gedauert – etwa der Anbau vor drei Jahren oder der Neubau einer Behelfsgarage im April 2017. „Der Bau ist immer noch nicht abgeschlossen. Eine Wohnung im Obergeschoss steht seit August 2016 leer. Bei den aktiven Kameraden besteht aber dringender Bedarf an Wohnraunm.“

Er frage sich, warum die Gemeinde auf Mieteinnahmen verzichte und wünsche sich „mehr Feuer unter dem Hintern innerhalb des Bauamts“. Die knapp 100 ehrenamtlichen Einsatzkräfte hätten ebenso wie die Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung Anspruch auf einen sicheren Arbeitsplatz. „Die Arbeitssicherheit im Gerätehaus ist nicht mehr vollumfänglich gewährleistet. Weitere Verzögerungen sind nicht mehr vertretbar.“

Tagesalarmbereitschaft in Gilching „sehr stark“

Warum das aus Sicht der Feuerwehr so ist, machte auch Kommandant Robert Strobl deutlich: „In Gilching wird gebaut ohne Ende. Die Einsatzzahlen werden weiter steigen. Technisch können wir uns nicht beklagen – aber das mit dem Haus müssen wir antreiben. Sonst werden wir der Geschichte nicht mehr Herr.“

An den Einsatzkräften soll es nicht scheitern, sagte Strobl. Die meisten Alarmierungen gebe es am Freitag. „Eigentlich sind wir aber unter der Woche sieben Tage gefordert.“ Zwei Drittel der Einsätze liegen zwischen sechs und zwölf Uhr – daher sei die Tagesalarmbereitschaft wichtig. „Da sind wir sehr stark. Es kommt nicht vor, dass wir unter tags mit weniger als 25 Leuten rausfahren.“

Bevor sich Bürgermeister Walter gegen die laut gewordene Kritik wehren konnte, musste er noch eine Spitze von Jugendwart Albert Weindl in Sachen Gerätehaus einstecken. „Wenn es so läuft wie mit unserer Garage, dann werde ich das neue Gerätehaus vor meiner Rente nicht mehr erleben.“ Dabei könne von einer sicheren Unterbringung keine Rede mehr sein.

Walter: „Weiß nicht, wie die Bürger reagieren“

Dann konnte sich Walter äußern. „Ich halte die Schärfe der Kritik für überzogen“, sagte der Bürgermeister. Mit dem Standort sei es nicht einfach. Die Kreisbrandinspektion habe alle anderen Standorte abgelehnt, zusätzlich sei ein Grunderwerb sei gescheitert. „Wir sind auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass dieser eine Standort funktioniert – sonst haben wir keinen.“ Das einzige woran es scheitern könne, sei der Emissionsschutz. 

Deshalb sei das Gutachten so wichtig, die Dauer des Verfahrens normal. „Ein Jahr ist da gar nichts. Ich hoffe, dass das Ergebnis in den nächsten Wochen vorliegt.“ Dann könne im Gemeinderat ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. Walter mahnte aber: „Ich weiß nicht, wie die Bürger reagieren.“ Beim Gewerbegebiet bei Porsche Zentrum 5 Seen habe es wegen Klagen fünf Jahre gedauert.

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