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Gerichtsbericht

Herrschinger wandert wegen Missbrauchs hinter Gitter

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Gilching/Herrsching – Manchmal holt einen die Vergangenheit ein. Im Fall eines Herrschingers (47) hatte das massive Auswirkungen.

Der Mann, ehemals Rhönrad-Trainer beim TSV Gilching, kam in U-Haft. Ihm wurde vorgeworfen, die Töchter seiner Lebensgefährtin im Kindesalter sexuell missbraucht zu haben. Gestern wurde der 47-Jährige vom Landgericht zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Eigentlich kamen die Übergriffe, die schon sehr weit zurückliegen, durch Zufall und die Aufmerksamkeit einer erfahrenen Kriminalkommissarin ans Licht. Die Frau hatte ein junges Mädchen vernommen, das behauptete, von ihrem Freund vergewaltigt worden zu sein. Die Angaben erschienen der Beamtin so verworren, dass sie nachhakte, ob es nicht noch andere dunkle Erlebnisse in der Vergangenheit der jungen Frau gegeben haben könnte. Der Missbrauch von ihr und ihrer älteren Schwester wurde publik. Die Ältere brach schier zusammen, als sie auf Vergangenes angesprochen wurde. Sie hätte den Angeklagten niemals angezeigt, wollte dieses unangenehme Kapitel ihres Lebens vergessen.

Der Ersatzvater wurde im Februar vergangenen Jahres an seiner Arbeitsstelle verhaftet. Noch im Polizeiauto legte er ein Geständnis ab. Demnach hatte er die beiden Frauen als Kinder missbraucht. Zudem fanden sich auf seinem Computer viele kinderpornografische Dateien. Er habe eine pädophile Neigung, die aber nicht den Status eines Hangs oder einer Krankheit erreicht habe, erklärte ein Sachverständiger. „Sie hatten sich noch im Griff“, bemerkte die Vorsitzende Richterin Regina Holstein.

Die jungen Frauen trugen keine Folgeschäden davon. Allerdings brachen sie den Kontakt zu ihrer Mutter komplett ab. Die hatte nämlich die Übergriffe teilweise mitbekommen, aber stillschweigend geduldet. Erst als sie den 47-Jährigen eines Tages in der Unterhose auf dem Boden hockend und mit Autos spielend antraf, warf sie ihn raus. „Ich brauche kein drittes Kind, ich brauche einen erwachsenen Mann“, soll sie ihren Entschluss begründet haben. 

Nach Bekanntwerden der Übergriffe informierte die Kommissarin Eltern der Rhönrad-Kinder, die unter dem Angeklagten trainiert hatten. Doch den Gesprächen zufolge hatte sich der Mann fremden Kindern nicht genähert. Allerdings soll er sich in eines der älteren Mädchen verliebt haben. Aus der Haft schrieb er seinen „Stieftöchtern auf Zeit“ äußerst emotionale Briefe. Er habe sich auf der Suche nach einer kleinen Familie befunden und das Geschenk, dass er dann bekam, nicht gesehen. Das Gericht leitete die Briefe allerdings nicht an die jungen Frauen weiter, um sie vor dem Prozess nicht zu beeinflussen.

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