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Auf 30 Jahre Gleichstellungsstelle stoßen Dr. Christiane Nischler-Leibl, Hildegund Rüger, Sophie von Wiedersperg und Landrat Karl Roth (v.l.) an. 

30 Jahre Gleichstellungsstelle

„Die Türen mögen weiter offen bleiben“

Die Gleichstellungsstelle im Landkreis Starnberg feiert Geburtstag. Die Jubiläumsfeier im Gilchinger Rathaus am Donnerstagabend war ein buntes Fest. In 30 Jahren hat sich viel bewegt – von tatsächlicher Gleichstellung kann jedoch noch nicht die Rede sein.

GilchingGleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist kein Selbstläufer. Vor gut 100 Jahren durften Frauen in Deutschland nicht einmal wählen. „Im Jahr 1918 trat das Frauenwahlrecht in Kraft. Vorausgegangen war ein jahrzehntelanger Kampf“, erinnerte Hildegund Rüger, Präsidentin des Bayerischen Landesfrauenrats bei der Feier zum 30-jährigen Bestehen der Gleichstellungsstelle im Landkreis Starnberg. Mit einem gewissen Erstaunen bemerkte Landrat Karl Roth: „Ich habe gelesen, dass Frauen im Jahr 1977 nur arbeiten durften, wenn die Männer zugestimmt haben.“

Seit Öffnung des Starnberger Frauenbüros 1988 ist viel passiert. Seit 2006 ist Sophie von Wiedersperg Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt und sagt: „In den vergangenen 30 Jahren ist gesellschaftlich etwas auf den Weg gekommen. Wir haben gute Netzwerke im Landkreis, ohne die das nicht möglich gewesen wäre.“ Auf die Frage nach der Tätigkeit der Gleichstellungsstelle antwortete die Sozialpädagogin aus Herrsching mit Humor: „An die Nerven und auf die Nerven gehen.“

Mit der Frauenquote im Landratsamt ist Karl Roth zufrieden

Meilensteine wie die Einrichtung des Murnauer Frauenhauses gehen ebenso auf das Konto der Starnberger Gleichstellungsstelle wie der „Gewalt kommt nicht in die Tüte“-Aufdruck mancher Bäckerei. „So kommt die Hilfe direkt in die Haushalte“, sagte von Wiedersperg. Landrat Roth ist mit seiner Quote im Landratsamt zufrieden: „Bei uns sind rund 50 Prozent Frauen im Haus.“

Hildegund Rüger betonte dennoch: „Von tatsächlicher Gleichberechtigung sind wir noch weit entfernt.“ Die Verankerung alter Genderstereotypen und unbewusster Assoziationen sitze tief, betonte sie und erklärte: „Statt Topmodels brauchen wir Vorbilder in den Medien.“ Auch Ministerialrätin Dr. Christiane Nischler-Leibl hob hervor: „Wir müssen uns Gedanken machen. Frauen sind Bildungsgewinnerinnen, aber immer noch Karriereverliererinnen. In den Medien sind Frauen weiter unterrepräsentiert.“ Nachholbedarf bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht auch von Wiedersperg und hofft auch nach den Kommunalwahlen auf gute Zusammenarbeit mit der Landratsamtsspitze: „Ich lasse den Landrat ungern gehen. Und ich wünsche mir, dass die Türen offen bleiben.“

von Nilda Höhlein

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