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Die Vier von der Baustelle: (v.l.) Alexander Murr (Tiefbauamt), Max Huber (Bauamtsleiter), Rudolf Reimann (Bauherren-Assistenz, SSF-Ingenieure) und Corinna Haas (Bauüberwachung, Wagner-Ingenieure).

Straßenbau

Beim Röchnerknoten läuft’s

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Besuch auf einer imposanten Baustelle: Seit Monaten baut die Gemeinde Gilching den so genannten Röchnerknoten. Er verbindet die Westumfahrung mit der Anschlussstelle Oberpfaffenhofen und der Staatsstraße 2068. Ende 2019 soll alles fertig sein.

Gilching – Wer in diesen Wochen von Süden aus nach Gilching fährt, muss gut aufpassen. Die Kreuzung an der Anschlussstelle zur A 96, Oberpfaffenhofen, ist nicht wiederzuerkennen. Die Fahrspuren wurden verschwenkt, mehrere Ampeln sind zu passieren, fast fühlt man sich wie auf dem Luise-Kieselbach-Platz in München. Die Gemeinde Gilching baut an dieser Stelle seit März den Röchnerknoten. An diesem Mittwoch geht das Projekt in die vierte von acht Bauphasen. Für die Autofahrer heißt das: Die Abbiegespur von der Allguth-Tankstelle auf die A 96-Begleitstrecke Richtung Etterschlag wird gesperrt.

Das kann der Röchnerknoten

Der Röchnerknoten soll nach seiner Fertigstellung Ende dieses Jahres die Westumfahrung an die Anschlussstelle Oberpfaffenhofen und die Staatsstraße anbinden. Das war schon bei den ersten Planungen vor etwa 30 Jahren so vorgesehen, weshalb die Kritiker des Projekts den Verantwortlichen immer wieder eine auf alten Daten basierende Planung vorhalten. „Das stimmt so natürlich nicht“, sagt Max Huber, Chef des Gilchinger Bauamts, der sich auch darüber wundert, dass viele nach wie vor von einem Kreisel sprechen. „Die Planung basiert auf Verkehrssimulationen und Prognosen bis 2025“, erklärt er bei einem Besuch der Baustelle. Die Gemeinde verlasse sich auf ein Gutachten des Verkehrsplaners Professor Harald Kurzak. Danach wurden 2009 im Kreuzungsbereich binnen 24 Stunden 25 000 Fahrzeuge gezählt. Nach Fertigstellung der Westumfahrung geht Kurzak von 31 000 Fahrzeugen aus. „Entscheidend für den Röchnerknoten war immer die Tragfähigkeit“, sagt Huber, der an der Ausführung der imposanten Kreuzung keine Zweifel hat. Ein Kreisel jedenfalls hätte die Verkehrsbelastung nicht gestemmt. „Die Ampelschaltung ist intelligenter und kann sich auf die Staubelastung einstellen“, bestätigt Rudolf Reimann, Mitarbeiter von SSF-Ingenieure und Bauherren-Assistent bei diesem Projekt. Es gebe eine so genannte Stauschleife, alle Ampeln im Kreuzungsbereich seien miteinander verbunden. Dabei habe die Autobahn Priorität: „Das war die größte Sorge, dass nämlich dort ein Rückstau entsteht“, sagt Huber.

Geschichteund Akteure

Es ist ein großes Projekt, mit dem sich das Bauamt der Gemeinde Gilching schon seit Jahren befasst. Gegraben wird seit April 2018. Der erste Teil der Westumfahrung ist bereits fertig und freigegeben (wir berichteten). Drei Bürgerentscheide beutelten die Planung, eine nachträgliche Planungsgenehmigung war notwendig. „Das war schon sehr aufwendig“ sagt Huber und spricht von einer Verzögerung von etwa einem Jahr. Seit Baubeginn im März 2018 jedoch läuft alles wie am Schnürchen, auch das Wetter spielt mit. „Sämtliche Außentermine, und das sind einige, fanden bei Sonnenschein statt“, erinnert sich Reimann. Auf die Finger schaut allen Corinna Haas (Wagner Ingenieure), sie hat die Bauüberwachung übernommen. Zusammen mit Alexander Murr vom Gilchinger Tiefbauamt treffen sich die drei und Huber mehrmals wöchentlich zum so genannten Jour fixe, in dessen Rahmen immer wieder die Baustelle abgefahren, angeschaut und vermessen wird. Vier Firmen sind im Moment allein mit dem Bau des Röchnerknotens beschäftigt, und im Gilchinger Rathaus füllt das Projekt ziemlich viele Aktenordner.

Baukosten und Zukunftsmusik

Der Röchnerknoten ist sozusagen das Finale beim Bau der insgesamt 22 Millionen Euro kostenden Gilchinger Westumfahrung. Die Gemeinde stemmt das gesamte Projekt in Sonderbaulast. Das heißt, sie schießt die Finanzierung vor, konnte dafür aber auch schon früher loslegen. Rund 15 Millionen zahlt der Freistaat Bayern. Die Gesamtstrecke umfasst um die 4810 Meter. Sie beginnt an der Staatsstraße 2068 im Bereich der nördlichen Anschlussstellenrampen zur A 96 (Oberpfaffenhofen) und endet am nördlichen Ortsrand der Gemeinde Gilching, dort mündet sie in die Staatsstraße 2069. Nach der Fertigstellung der Westumfahrung übernimmt das Staatliche Bauamt Weilheim den Unterhalt der Straße, die Römerstraße wird zurückgestuft. „Die können wir dann umbauen“, sagt Huber. Für den Bereich zwischen Bahnunterführung und Rathausstraße wird bereits ausgeschrieben. „Wir wollen innen attraktiver sein“, kündigt Huber an. Mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer, auch ein Tempolimit – alles ist möglich.

So gehtes weiter

Die hinter der Allguth-Tankstelle beginnende Sperrung besteht bis Mitte September. Die Begleitstrecke zur Autobahn sowie die Unterführung werden zeitgleich ausgebaut, das gilt auch für die Reststrecke der Westumfahrung nach Alling. Diese wird voraussichtlich im August asphaltiert. Auch am Röchnerknoten bauen die Firmen „unter Verkehr“ weiter, wie Huber sagt. An Sperrungen sei in diesem Bereich nicht zu denken. Und auch eine permanente Änderung der Streckenführung „ist viel zu gefährlich, das vermeiden wir“, sagt Alexander Murr. Mit einer Freigabe des Knotens und auch der Reststrecke rechnen die Verantwortlichen Ende 2019.

Warum eigentlichRöchnerknoten?

Alle Welt nennt seit jeher die Kreuzung Röchnerknoten. „Das hat mit den ehemaligen Grundstücksbesitzern in dem Bereich zu tun“, sagt Max Huber. Ganz glücklich ist er mit dem Namen der Kreuzung nicht. „Aber das hat sich so eingebürgert und ist wohl nicht mehr zu ändern.“

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