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Familie Gautsch aus Gilching hat Bienenstöcke auf dem Garagendach und Balkon stehen.

Hobby-Imkerin in Gilching

Bienen auf Garage und Balkon: „Bienenvölker sind nicht gefährlich“

Monika Bergmann-Gautsch ist Hobby-Imkerin. Die 41-Jährige aus Gilching ist verantwortlich für fünf Bienenvölker, die bei ihr wohnen – auf Garagendach und Balkon. 

Gilching - Biene ist nicht gleich Biene. Und jedes Bienenvolk hat seinen eigenen Charakter. Monika Bergmann-Gautsch weiß das, seit sie selbst Hobby-Imkerin ist.

In der Mitte des Dachs stehen drei Holzkisten in Blau, Gelb und Grün. Das sind die Bienenstöcke. Auf dem Balkon gegenüber stehen noch zwei weitere. Abhängig von der Jahreszeit leben dort bis zu 250 000 Bienen. Dass die Stöcke praktisch direkt neben dem Schlafzimmer stehen, ist kein Problem. „Bienenvölker sind nicht gefährlich“, sagt Bergmann-Gautsch. Ins Haus verirre sich nur selten eine, auch im Garten gebe es dadurch nicht auffällig mehr Bienen. Ganz einfach war das für die studierte Biologin aber nicht von Anfang an. 

Gilching: Bienenstöcke auf Garagendach und Balkon

Als Kleinkind wurde sie nämlich von einer Wespe gestochen und hatte lange Angst vor summenden, stechenden Insekten. Warum sie sich trotzdem fünf Bienenvölker hält? „Irgendwann war es Zeit, diese Angst zu überwinden“, sagt sie. Interessiert hatte sie sich schon immer für Bienen. Also meldete sie sich im Frühjahr 2016 für einen Imker-Kurs bei Demeter in München an. Von ihrem Kursleiter kaufte sie auch ihr erstes Volk. Der Schwarm war relativ klein, enthielt etwa 11 000 Bienen, wog 900 Gramm, kostete 95 Euro und wurde in einem DHL-Karton nach Gilching gebracht. Den zweiten Schwarm kaufte sie über die „Schwarmbörse“, eine Internetseite, wo Imker Bienenschwärme anbieten. 

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Bei der Imkerei unterstützen sie ihr Mann Tobi und die Kinder Leonie (9) und Jamie (12). Im Frühjahr kontrolliert Monika Bergmann-Gautsch, ob genug Futter da ist, gelegentlich hängt sie neue Rahmen für die Waben ein und behandelt die Honigbienen gegen die Varroamilbe. Zweimal pro Jahr erntet sie Honig. Die 41-Jährige ist ökologische Imkerin. Das bedeutet, dass sie nur den überschüssigen Honig nimmt, pro Volk etwa 15 Kilogramm. Gewerbliche Imker ernten den gesamten Honig und füttern dafür Zuckerwasser. 

Familie aus Gilching hat Bienenstöcke auf Balkon: „Jedes Volk hat seinen Charakter“

Aber wie kann es passieren, dass Tausende von Bienen auf einmal ihren Stock verlassen und davonfliegen? Das hängt damit zusammen, wie sich Honigbienen vermehren. Im Frühsommer, wenn der Schwarm aus rund 50 000 Bienen besteht, beginnen sie, sogenannte Weiselzellen zu errichten, aus denen neue Königinnen schlüpfen. Sobald eine neue Bienenkönigin da ist, muss die alte ausziehen. Sie und ein Teil des Schwarms verlassen schlagartig ihren Stock und machen sich auf die Suche nach einem neuen Zuhause. Der Schwarm sammelt sich immer wieder bei einer „Zwischenstation“, oft an Baumstämmen oder Zweigen. Das sieht dann so aus, als ob eine Traube aus zigtausend Bienen an einem Ast hängen würde. So kommen Imker günstig an einen neuen Schwarm. Wenn der Imker seine Bienen nämlich nicht verfolgt oder die Verfolgung aufgibt, darf jeder den Schwarm einfangen. 

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Bergmann-Gautsch war immer rechtzeitig zur Stelle und hat so ihren Bestand peu á peu erweitert. Ein Schwarm ist dabei immer einzigartig. „Jedes Volk hat seinen Charakter“, sagt sie. Der werde auch maßgeblich durch die Königin bestimmt. „Unsere sind aber alle sehr friedfertig“, sagt sie. Was die Bienen nicht mögen, sind starke Gerüche wie Parfums oder bestimmte Duschgels. „Ich höre schon am Tonfall des Summens, dass etwas nicht stimmt“, sagt Bergmann-Gautsch. In drei Jahren sei sie deshalb auch nur fünf Mal gestochen worden – und das immer nur durch die eigene Unachtsamkeit. Zur Sicherheit trägt sie immer ihren Imkeranzug, wenn sie mit den Bienen arbeitet. Dann ist sie ruhiger. „Das überträgt sich auch auf die Bienen“, sagt sie. Wenn die Kinder helfen, müssen sie auch immer einen Imkeranzug mit Kopfschutz tragen. 

Durch die Arbeit mit den Honigbienen ist die Familie viel achtsamer geworden – und auch die Menschen in ihrer Umgebung. Die Kinder kennen sich jetzt mit insektenfreundlichen Pflanzen aus und retten jede Biene, die sie finden. Bergmann-Gautsch rupfte früher jeden Löwenzahn aus dem Garten. Jetzt lässt sie ihn vorher blühen. Der Nachbar verzichtet inzwischen auf Spritzmittel in seinem Garten und hat extra einen Apfelbaum gepflanzt. Die Nachbarn gegenüber haben Hyazinthen gekauft und freuen sich über jede Biene, die sich dort Nektar und Pollen holt. Bergmann-Gautsch sitzt gerne da, beobachtet die Bienen und macht Fotos für ihren Blog glasnudel.blog. Dort schreibt sie über die Imkerei. 

Als sie kurz den Deckel eines Stocks lupft, fliegt ihr eine Biene hektisch in die Haare. Früher war das unvorstellbar, heute klopft ihr Herz zwar schneller, aber äußerlich bleibt sie ruhig. Bienen machen ihr keine Angst mehr. Sie ist jetzt für sie verantwortlich.

Isolde Ruhdorfer

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